Tastatur-Evolution Lenovo macht Tasten größer

"Entfernen" und "Escape" sind künftig doppelt so groß wie bisher, zumindest auf den Tastaturen einiger Notebooks. Der PC-Hersteller Lenovo wagt mit dieser Designänderung eine kleine Revolution - und plant auch schon die nächste.

Von


Es mag sich nach einem unbedeutenden Detail anhören, aber für die PC-Branche ist es eine kleine Revolution, was PC-Hersteller Lenovo jetzt angekündigt hat. Auf den Tastaturen einiger neuer Lenovo-Notebooks werden zwei Tasten größer gestaltet als üblich: "Entfernen" und "Escape". Auf den ersten Blick fällt die Änderung kaum auf. Doch Lenovo-Manager David Hill scheint auf Ärger gefasst zu sein. "Jedes Mal, wenn man an der Tastatur herumbastelt, werden die Leute nervös", sagt Hill.

Lenovo-Notebook: Mehr Raum für Escape und Entfernen
AP

Lenovo-Notebook: Mehr Raum für Escape und Entfernen

Wohl deshalb hat man es sich mit den Änderungen nicht leicht gemacht. Fast ein Jahr Forschungsarbeit investierten die Lenovo-Entwickler, um am Ende mit einer simplen Erkenntnis aufwarten zu können. "Wissen Sie, wie oft pro Woche Sie die 'Entfernen'-Taste benutzen? Wir wissen es. Es sind im Durchschnitt 700 Mal", erklärt Hill. Damit seien "Löschen und Escape die beiden am häufigsten benutzten Tasten auf einer PC-Tastatur".

Dieses Ergebnis verdankt er rund 30 Freiwilligen, die sich eine sogenannte Keylogger-Software auf ihren Rechner installieren ließen. Das Programm zeichnete haarklein auf, welche Tasten sie wie oft benutzten. Ein Resultat des Versuches ist auch, dass die beiden Tasten in die Höhe und nicht in die Breite gestreckt wurden, weil dies der natürlichen Bewegung der Finger besser entspreche.

Wer braucht "Unterbrechen"?

Versuche, das grundsätzliche Design von Computertastaturen zu verändern, gab es bereits etliche, und alle sind gescheitert. Beim ersten IBM-PC etwa hatten die Entwickler die Shift-Taste gegenüber dem damals üblichen Schreibmaschinen-Layout etwas kleiner gebaut und ein wenig versetzt. Die Folge war ein Aufschrei der Entrüstung. Schon in der nächsten Version wurde dem PC wieder eine Standard-konforme Tastatur beigelegt.

In den neunziger Jahren sorgten Prozesse gegen Tastaturhersteller für eine weitere Welle von Designversuchen. Dem starren Layout der Tastaturen wurde damals zugeschrieben, dass Vielschreiber am Karpaltunnelsyndrom, einer schmerzhaften Nervenschädigung am Handgelenk, erkrankten. Es war die Zeit, in der viele Firmen an neuen Tastaturkonzepten forschten. Einige davon waren erwiesenermaßen besser zum schnellen Tippen geeignet, als die bis heute übliche Tastatur mit QWERTZ-Buchstabenanordnung.

Deren Design wurde bereits vor mehr als 100 Jahren entwickelt und seither nur wenig verändert. Und wenn doch, dann wurden als Neuerung eingeführte Eigenschaften fortan kritiklos von einer Generation zur nächsten weiter gereicht. So zum Beispiel Spezialtasten, die noch aus der Zeit stammen, als man an Terminals arbeitete, die ihre Rechenleistung von Großcomputern bezogen. Wozu braucht man etwa heute noch eine "Unterbrechen"- oder "Rollen"-Taste (außer, man ist Programmierer und bewegt sich in Basic- oder Unix-Welten)?

Ohne Krümelfalle

Eine Taste aber gibt es immer noch, die ihm weiterhin Sorgen bereite, verriet Lenovo-Manager Hill der Nachrichtenagentur AP. Die Feststelltaste sei ein frustrierendes Überbleibsel der Schreibmaschinen-Ära, das immer wieder zu fehlerhaften Eingaben führe. Diesem eigentlich überflüssigen Schalter sollte es eines Tages an den Kragen gehen, schlägt Hill vor und warnt doch wieder, es könne Widerstand von Anwendern geben, die ihre Feststelltaste aus unerklärlichen Gründen liebgewonnen haben.

An einer Innovation der neuen Lenovo-Tastaturen aber dürfte sich kaum jemand stören: dem verringerten Leerraum zwischen den Tasten. Schließlich, so Hill, würden viele Menschen bei der Arbeit am Rechner essen, was ja auch Zeit spare. Um zu verhindern, dass die Tastatur dabei zur Krümelfalle wird, haben die Designer die Abstände zwischen den Tasten minimiert. Im Autobau würde man von geringen Spaltmaßen sprechen. So kann nichts mehr hindurch fallen und es muss sich doch niemand umgewöhnen. Daran kann ja wohl niemand etwas auszusetzen haben.

mit Material von AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.