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Technik-Phantasien: Entwickler wünscht sich Gefühls-Google

Craig Silverstein, Googles Technikchef, hält Computer noch für viel zu dumm, um dem Menschen das Wasser reichen zu können. Erst in 300 Jahren, glaubt er, würden Suchmaschinen auf Anhieb finden, wonach der Mensch gefragt hat. Selbst Emotionen sollen dann erkannt werden.

Technik-Chef Silverstein: "Eine fröhliche Geschichte suchen und sie tatsächlich finden"

Technik-Chef Silverstein: "Eine fröhliche Geschichte suchen und sie tatsächlich finden"

Es ist doch schön, wenn ein IT-Manager mal nicht das Blaue vom Himmel verspricht, obwohl er ganz genau weiß, dass die neue Software wahrscheinlich genauso grau ist wie ihre Vorgängerversion. Craig Silverstein, bei Google Director of Technology, erzählt solche Märchen nicht - zumindest hat er dies gestern Abend in Hamburg nicht getan.

"Computer sind einfach zu dumm im Vergleich zu Menschen", sagte er bei einem Pressegespräch. Silverstein kann sich solche Aussagen erlauben. Erst studierte er am Harvard College Informatik und forschte an der Standford University. Seit 1997 arbeitet er bei Google, übrigens als der erste Angestellte der Firma überhaupt. Der Data-Mining-Experte gilt als einer der wichtigsten Köpfe hinter der berühmten Suchmaschine.

An eine baldige Erfüllung der von Larry Page verfassten Google-Mission glaubt er nicht. "Die ideale Suchmaschine", formulierte Unternehmensgründer Page, "versteht exakt, was du meinst und liefert exakt das, was du suchst." Das könne man vielleicht in 300 Jahren schaffen, meinte Silverstein. Bis dahin gebe es immerhin noch eine Menge an Herausforderungen für Programmierer.

Recht hat er. Wer beispielsweise heute in Google die Suchworte "handy bedienungsanleitung" eintippt, bekommt als ersten Treffer eine Dialer-Seite, auf der man angeblich IQ-Tests, Tanga-Bilder und Lottozahlen herunterladen kann. Wie leicht und vor allem wie schnell Profis Google & Co manipulieren, zeigt nicht zuletzt der vom Magazin c't ausgerufene Suchmaschinenoptimierungs-Wettstreit zur Hommingberger Gepardenforelle. Ein Tier, das in keinem Gewässer der Welt schwimmt, dafür aber inzwischen im Web millionenfach zu Hause ist.

Für die größte Suchmaschinen-Herausforderung hält Silverstein die menschliche Emotion. Er träumt von einer Art Gefühls-Google - einer Suchmaschine, die auch die Stimmung von Webinhalten erkennen kann. "Eines Tages werden wir eine fröhliche Geschichte suchen und sie tatsächlich finden."

Eigentlich sollte Silverstein vor der Journalistenrunde über die "Zukunft der Suche" plaudern. Googles Pläne "aus erster Hand" erfahren, stand in der Einladung des Hightech-Presseclubs. Das klang vielversprechend. Sobald aber nach konkreten Plänen gefragt wurde, wurde Silverstein schmallippig. Aktienkursrelevante Informationen könne er leider nicht geben, beschied er der Presse. Die angeblich geplante Zusammenarbeit mit Wikipedia? "Dazu sagen wir nichts." Fürchtet er sich vor dem Microsoft-Angebot MSN Search? "Wir konkurrieren nicht mit anderen Suchmaschinen, sondern mit der menschlichen Intelligenz." Weise gesprochen.

Holger Dambeck

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