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Technikärgernis Getränkekarton: Warum die Milch aus der Verpackung spritzt

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Ob Milch oder Saft, ob Lasche oder Abzieher - es spritzt immer. Inkontinenz scheint ein Naturgesetz bei Lebensmittel-Verpackungen zu sein: Joghurtbecher platzen gern im Rucksack und Müslitüten reißen immer so weit auf, dass die Haferflocken herausrieseln. Muss das sein?

In meiner Küche treten seit Monaten Milch- und Saftkarton im Inhalthochspucken gegeneinander an. Den Rekord hält bislang ein Multivitaminsaft vom Discounter nebenan: Der kommt in einem 1,5-Liter-Monsterkarton, zum Öffnen muss man eine runde Lasche mit einem Ring vom Deckel abziehen.

Nun ja, eher abreißen - denn die Lasche klammert sich hartnäckig an den Saftkarton, ich drücke und reiße - pflopp, Ring ab, Lasche zu. Oder, spektakulärer: Lasche ab und Multivitaminsaft in meinem rechten Auge und auf dem Hängeschrank.

So hoch kommen nicht mal die Milchkartons - die schießen ihre Milchspritzer beim Öffnen nur in Brusthöhe.

Das Merkwürdige dabei: Obwohl die Hersteller seit Jahren immer neue Verschlüsse auf den Getränkekartons ausprobieren, spritzen die meisten dem Öffner immer noch etwas Flüssiginhalt entgegen, wenn er nicht sehr, sehr behutsam vorgeht.

An meiner Morgendusseligkeit allein kann das nicht liegen - im Web beklagen sich Kartongeschädigte immer wieder über spuckende und schlabbernde Milchkartons.

Keine Luft im Karton - spart Platz und spritzt

Ursache: Wenn keine Luft in der geschlossenen Verpackung ist, spritzt der Inhalt beim unvorsichtigen Öffnen und schlabbert beim ersten Ausschenken. Warum manche Verpackungen randvoll sind? Das spart Material und Platz. Solche Kartons werden erst in der Abfüllmaschine aus einer Verpackungsbahn geformt und versiegelt. Vor zehn Jahren noch öffnete man diese Kartons ganz einfach: Aufschneiden und schlauerweise an einer anderen Stelle ein kleines Loch reinstechen, damit Luft einfließen kann.

Dann wollten "Verbraucher und Handel wieder verschließbare Verpackungen haben", erklärt Michael Kleene, Sprecher des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel. Und so kam dann als erste Lösung der längliche Klappverschluss - Deckel anheben, Folie drunter mit mehr oder weniger Kraft und Spritzern abreißen, ausschenken, Deckel draufdrücken.

Alle wollen Schraubverschlüsse

Inzwischen geht der Trend zu Schraubverschlüssen, berichtet Karton-Verbandssprecher Kleene. Warum diese eigentlich "funktionalste" Verschlusslösung nicht immer so perfekt funktioniert, wie sie es technisch könnte, deutet der Sprecher an: Der Schraubverschluss sei die teuerste Verschlusslösung. "Leider sind die meisten Verbraucher nicht bereit, wegen des Verschlusses einen höheren Preis zu bezahlen. Daher gilt es, die Balance zwischen Preis und Funktionalität zu finden."

Das sieht bei meinen Frühstückssäften so aus: Der Verschluss des Multivitaminsafts vom Discounter lässt sich wieder zuschrauben, schießt beim ersten Öffnen aber eben um sich, weil diese Verschlusslasche so festklebt. Der teurere Marken-Orangensaft hat einen ziemlich raffinierten Schraubverschluss: Beim ersten Aufdrehen bricht der Schraubdeckel die Versiegelung - da muss man nicht an irgendwelchen Ringen reißen.

Zum stressfreien Frühstück gehört eine Schere

Tolle Verpackungen sind teurer - das erklärt auch das zweite große Frühstücksrätsel: Warum reißen Müslipackungen immer senkrecht und viel zu weit auf? Das passiert zumindest mir regelmäßig. Wer morgens zu ungeduldig, eine Schere zu suchen, um an der Müslitüte herumzuschnibbeln, reißt die Kunststofftüte einfach auf.

Es ist dasselbe Problem wie beim schießenden Getränkekarton: Das gezackte Endstück der Müsliverpackung ist kaum einzureißen - hat man das mit viel Kraft geschafft, geht der Riss dann beim Rest der Tüte ganz leicht ganz tief weiter. Zumindest bei meinen Discounter-Tüten.

Das ginge alles auch viel intelligenter, urteilt Norbert Sauermann, Chefredakteur des Fachmagazins "Verpackungs-Rundschau". Nur: "Das ist das Dilemma moderner Verpackungstechnik- es gibt für alles eine Lösung, nur muss sie bezahlbar sein. Die Hard-Discounter sind auch deswegen so erfolgreich, weil sie mit ihrer Nachfragemacht eben nicht die beste Verschlussmöglichkeit bezahlen wollen."

Schleudermüsli ist billiger

Deshalb sind die meisten Günstig-Müslis auch in Folien mit Stoffen aus schwach verzweigten Polymerketten als Hauptmaterial verpackt. Inga Kelkenberg, Sprecherin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, gibt zu, dass diese Stoffe eine "hohe Weiterreißneigung im Unterschied zu stark verzweigten Polymerketten haben".

Solche stabileren Folienverbünde seien schlicht teurer - zu teuer für manche Discounter. Neben Materialkosten spart man zum Beispiel mit besonders leichten, dünnen und platzanfälligen Joghurtbechern auch Gebühren für das Duale System Deutschland, die nach Gewicht berechnet werden.

Auf eine entsprechende Anfrage zum Thema hat die Pressestelle des Spritzsaft- und Schleudermüsli-Discounters nicht geantwortet.

Wenn mir wieder mal Saft ins Auge spritzt, Müsli in die Küche rieselt oder ein Joghurtbecher im Rucksack platzt, weiß ich:

Geiz kleckert.

Und spritzt.

Versteckte Einschaltknöpfe, verwirrende Anleitungen, verrückte Automaten - in der Reihe "Fehlfunktion" stellen wir in loser Folge Technikärgernisse vor, die Millionen nerven. Schicken Sie uns Ihre Anregungen mit einer kurzen Begründung. Am besten per E-Mail.

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Fehlfunktion: Milch, Joghurt, Müsli - das Verpackungs-Rätsel

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