Technikärgernis Steckerleiste: Bitte hinten ganz fest drücken!

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Die meisten Steckerleisten haben den Schalter am falschen Fleck: An der Seite, wo das Kabel zur Steckdose wegführt. Deshalb lassen sich die Stromspar-Helfer kaum komfortabel an- und ausknipsen. Bitte bücken! Ein simpler Seitenwechsel des Schalters würde helfen.

Wer ein wenig Strom sparen und die Umwelt schützen will, muss sich täglich bücken: Vorm Fernseher, unterm Schreibtisch, in der Diele, neben den Boxen - um Stromfresser richtig abzuschalten und vom Stromnetz zu trennen.

Die abschaltbare Steckerleiste gilt als Stromspartipp schlechthin, als bester Helfer gegen heimlichen Standby-Verbrauch. Wer etwas dagegen hat, dass die ganze Nacht lang Kontrolllämpchen von Fernseher, DVD-Player, Computer und Router die Wohnung beleuchten, stöpselt die Geräte in eine Steckerleiste mit Zentralschalter - und schaltet sie dann wirklich aus.

Nur sitzt bei den meisten dieser Steckerleisten der Schalter am falschen Ende, dort wo das Kabel herauskommt, das die Steckerleiste mit der Steckdose verbindet und mit Strom versorgt. Die Folge: Wer die Steckerleiste hinterm Fernsehtisch versteckt, kann den Schalter nicht einfach so bedienen, weil er an der zu versteckenden Seite liegt. Zum Ausschalten bitte die Steckerleiste unter Fernseh- oder Schreibtisch hervorziehen!

Oder, wie ein SPIEGEL-ONLINE-Leser beklagt: "Der Schalter ist einfach mit dem Fuß zu bedienen, aber dafür ragt das Kabel in den Raum hinein, bevor es im Schlenker zur Wand und Steckdose führt." Thomas Kuther vom Fachmagazin "Elektronikpraxis" bestätigt: "Dieses Problem bei Steckdosenleisten nervt mich selber, und ich habe auch keine Ahnung, warum das so ist. Allerdings rate ich davon ab, herkömmliche Steckerleisten als Fußschalter zu missbrauchen."

Ein simples Problem, das den vielen Leserzuschriften nach zu urteilen so manchen Stromsparer ärgert. Dabei wäre die Lösung doch ganz einfach: Den Schalter am anderen Ende der Steckerleiste unterbringen. Kein Kippeln mehr, kein Hervorziehen, keine Kabelschlangen.

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Warum gibt es kaum Steckerleisten mit dem Schalter am rechten Fleck?

Ingenieur Peter Leunig, der vor allem Industrie und Banken Spezialelektronik wie Steckdosenleisten mit IP-Adressen liefert sieht viele Ursachen, aber nur einen möglichen Grund: "Der einzige ernsthaftere Grund sind die erhöhten Anforderungen an die Sicherheitsabstände innerhalb der Leiste. Die stromführenden Leitungen müssen ja auf die andere Seite verlegt werden." Aber, so Leunig: "Das ließe sich mit einem cleveren Gehäusekonzept bei etwa ein Euro Mehrkosten durchaus lösen."

Warum man trotzdem im Baumarkt Berge an Steckerleisten mit Bück-Schaltern sieht, erklärt Leunig so: "Denkfaulheit, Lieblosigkeit des Marketing, mangelnde Kundenorientierung, die Hersteller fürchten den höheren Preis von etwa einem Euro in einem heftigen Preiskampf."

Die Hersteller argumentieren genau so. Axel Hoffmann, Produktmanager beim deutschen Elektrotechnik-Hersteller Brennenstuhl zum Beispiel erklärt: "Wenn der Schalter gegenüber dem Kabeleingang positioniert wird, muss das Kabel innerhalb der Steckdosenleiste der kompletten Länge nach durchgeführt werden. Diese interne Kabellänge kostet zusätzlich Geld."

Billig statt brauchbar

Arnold Löffler vom Elektronik-Riesen Bachmann sieht im Massenmarkt wenig Chancen für solche Innovationen: "Der Aufwand der Produktion ist deutlich höher. Im Niedrigpreis-Segment der Kunststoffsteckdosen kann er aus Marktpreisgründen nicht realisiert werden."

Wer aber etwas mehr Geld ausgeben will (um die 20 Euro) und lange genug sucht, findet auch einfach bedienbare Steckdosenleisten - vielleicht nicht im Baumarkt, eher im Elektro-Fachhandel und ganz sicher online.

Die robusten Alu-Steckdosenleisten von Herstellern wie Brennenstuhl und Bachmann haben den Schalter oft am richtigen Ende - gegenüber vom Kabeleingang. Außerdem gibt es einige raffinierte Konstruktionen mit Extra-Fußschalter. Die Steckdosenleiste liegt irgendwo gut versteckt und unsichtbar, der per Kabel verbundene Schalter gut erreichbar anderswo.

Für solch einen Entwurf mit dem schönen Namen "Money Saver" hat die Solinger Firma Zweibrüder in diesem Jahr eine lobende Erwähnung beim Design-Preis "red dot award" bekommen und ein "sehr gut" im Test beim Heimwerkermagazin "Selbst ist der Mann".

Im Baumarkt sucht man solche Steckdosen-Innovationen trotzdem vergeblich - wer sich dort einen Billigleiste vom Plastikberg schnappt, muss sich eben bücken.

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