Tipps Wie denn, wo denn, was denn?

Wer suchet, der findet, sagt der Volksmund. Und ist damit mächtig auf dem Holzweg. Jeder Newsgroups-Zugang bietet mindestens 60.000 Gruppen. Wer da nicht weiß, wie er wo was suchen soll, der hat schon verloren.


Eigentlich ist das ein alter Hut: Internet ist nicht Fernsehen. Es gibt kein Programm, keine festen Sendeplätze - oder vielleicht doch?

Im Usenet gibt es das tatsächlich, in gewissem Sinne.

Wer sich im unüberschaubaren Wust der Diskussionsgruppen zurechtfinden will, der muss seine Struktur zumindest in Ansätzen kennen. Es gibt Gruppen-Hierarchien, die erklären sich quasi selbst. Was mit dem Wort "chinese" beginnt, hat wohl was mit China zu tun. Wichtig zum Verstehen der Usenet-Strukturen sind also offensichtlich die Buchstabenfolgen, mit der die Kennzeichnung der jeweiligen Gruppe beginnt.

Da gibt es Länderkennungen, Namen von Netzwerken, die im Usenet-Verbund aufgegangen sind und viel, viel kryptisches. Doch es gibt auch ein paar feste Größen, an denen man sich schon einmal orientieren kann.

Die mit Abstand größte Unterhierarchie des Usenet ist der bereich "alt". Das steht für "Alternative" und sollte auch so verstanden werden: Was da wartet, ist mitunter ganz schön krass. "Alt" ist eine der lebendigsten, aber auch eine der dunkelsten Ecken des Internet: Die Reeperbahn, Hyde Park, Speakers Corner, Soho, Harlem, die harte Ecke der Stadt, so zu sagen. Aus naheliegenden gründen und trotzdem leider zensieren viele Service-Provider den "alt"-Bereich.

Sachlicher geht es im "soc"-Bereich zu. Das steht zwar erst einmal für "sociology", meint aber nicht nur die Wissenschaft. "soc.culture" in Verbindung mit einem Land ist oftmals eine gute Adresse für Diskussionen über aktuelle Geschehnisse in einem Land. Ähnliches lässt sich für viele Bereiche der "talk"-Hierarchie sagen.

Abkürzungen

Dies ist natürlich ein relativ komplizierter Ansatz. Allerdings einer, der Spaß macht: Nur das Stöbern in den Groups führt einen wirklich an die überraschenden Orte. Das ist, auf grund der Listengestalt der Usenet-Hierarchien viel leichter als im WWW.

Man kann sich das Usenet wie eine große Vorfahrtstraße vorstellen, die man entlang braust. Von dort zweigen zahllose kleine Straßen und Gassen ab, die in Viertel mit unterschiedlichem Ruf führen: Da gibt es die Akademikerecken, die Slums, die Techno-Freaks, Rockfans, den Straßenstrich. Wer sich schnell orientieren will, der durchsucht das Branchenbuch.

Denn News-Reader haben heute natürlich eine Suchfunktion. Nach dem vollständigen Download einer aktuellen Liste kann man die Kopfzeilen der Gruppennamen nach Stichworten durchsuchen. Das führt zu relativ relevanten Ergebnissen - wenn auch zu wenigen.

Aber das ist meistens ja gut so: Im Usenet sucht man selten nach "der Quelle", dem einen guten Dokument - sondern nach einer laufenden Diskussion über eine Sache. Probieren Sie es aus, suchen Sie nach "New York". Von Restauranttipps bis zur andauernden Trauerarbeit der New Yorker werden Sie alles finden.

Buchstäblich alles findet Google. Die Suchmaschine hat DejaNews beerbt, das einzige annähernd vollständige Newsgroups-Archiv. Unter groups.google.com kann man in allen Gruppen zugleich ganz frei nach Stichworten suchen. Das ist ein Ansatz, der zunächst zum Einzelartikel führt. Doch von dort in die betreffende Newsgroup zu wechseln ist ein Kinderspiel. Prinzipiell könnte man auch über diese Brücke aus dem WWW heraus im Usenet mitdiskutieren -aber ohne das Look and Feel des Usenet.

Und da hätte man - das merkt man schnell, wenn man einmal Blut geleckt hat - tatsächlich etwas verpasst. Viel Spaß beim Trip in die Vergangenheit des Internet, die so ganz vergangen noch nicht scheint. Denn immer dann, wenn es darauf ankommt, zeigt das Usenet seine Stärken: Als CNN am Boden lag, verbreiteten sich aktuelle Nachrichten über das Usenet um die Welt. Orchideen und Unkraut - unausrottbar.

Frank Patalong

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