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Ubuntu-Tagebuch, Tag 1: Das bunte Linux für jedermann

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Kostenlos, sicher, benutzerfreundlich - so soll Ubuntu sein. SPIEGEL ONLINE hat das Anfänger-Linux im Selbstversuch getestet. Ein fünfteiliges Umstiegs-Tagebuch protokolliert die Umstiegs-Erfahrungen. Teil 1: Darum Ubuntu.

Unter Computerfreaks und Informatik-Studenten gilt Linux schon seit Jahren als das beste Betriebssystem für Heimcomputer. Normalsterblichen raten PC-Verkäufer bisher aber von Linux ab, weil es als wenig anwenderfreundlich gilt. Das aber, ist immer häufiger zu hören, soll für die kostenlose Linux-Distribution Ubuntu nicht gelten - das Programm soll ein Linux für Jedermann sein.

Das klingt gut, denn mein Laptop ist nicht mehr der Jüngste. Vor vier Jahren habe ich das kurvige BenQ-Joybook 5000 bei einer Reise nach Singapur gekauft. Der Händler hatte mir auf die Schulter geklopft und aufmunternd zugelächelt: Das sähe gut aus, meinte er, und werde lange halten. Und schnell sei es auch noch.

Ich kaufte ihm das in jeder Hinsicht ab, und eigentlich hatte er sogar Recht. Doch die Geschichte ist nun einmal vier Jahre her, im Leben eines Rechners ist das eine Ewigkeit. Heute sind ein Intel-Centrino-Prozessor mit 1,3 Gigahertz und ein Arbeitsspeicher von 512 Megabyte schon fast zu wenig für anspruchsvolle Programme. Die 30-Gigabyte-Festplatte war im Grunde damals schon klein - Microsofts aktuelles Betriebssystem verlangt allein schon 15 Gigabyte für die Installation.

Dafür schnurrt der Laptop immer noch wie ein Kätzchen, auch, wenn das Schnurren mittlerweile etwas lauter geworden ist. Auch häufen sich die Abstürze des offenbar ebenfalls gealterten Windows XP. Und je mehr Programme ich installiere, desto langsamer startet und arbeitet das System. Kennen wir das nicht alle?

Abhilfe verspricht der XP-Nachfolger Vista. Der aber passt nicht so Recht zu meinem kleinen Rechner, denn der Ressourcenhunger von Vista ist enorm. Wäre schon klasse, wenn es da etwas laufsicheres, preiswertes gäbe, das auch meinem in die Jahre gekommenen Rechenknecht Flügel verlieht.

Ein Linux gegen alle Probleme?

So etwas wie Linux vielleicht, ein kostenloses, modernes Betriebssystem für Heimrechner und Server?

Der Vergleich der Eigenschaften von Windows mit den Vorzügen von Linux könnte so manchen Windows-Nutzer zu Tränen rühren: Die Festplatte defragmentieren? Gar nicht notwendig unter Linux. Hunderte installierte Programme? Machen das Linux-System nicht langsamer. Eine Registry-Datenbank mit lauter zwielichtigen Befehlen und Anwendungen? Gibt es unter Linux nicht. Virenscanner und Firewall? Bei Linux praktisch nicht notwendig.

Soweit die Theorie.

"Worauf wartet ihr noch? Steigt um!", rieten Linux-Fans schon vor Jahren. Damals, zu Windows 98-Zeiten, habe auch ich mich zum ersten Mal an Linux versucht, aber schon bald enttäuscht wieder aufgegeben: Die Installation gelang mir überhaupt erst beim zweiten Versuch. Dann wollte Linux meinen Drucker mangels verfügbarer Treibersoftware nicht erkennen. Ich kam nicht ins Internet, weil Linux meine ISDN-Karte nicht erkannte, und wirklich leichter zu bedienen war das alternative Betriebssystem auch nicht.

Ubuntu überzeugt selbst den Fachhandel

Doch das ist schon ein paar Jahre her. Linux wurde seitdem ständig weiter entwickelt und verbessert. Heute gibt es eine Linux-Variante, die all die alten Probleme gelöst haben soll, immer beliebter wird und sogar langsam Einzug in den Fachhandel hält: Ubuntu. Systeme mit vorinstalliertem Ubuntu gibt es mittlerweile bei Dell sowie bei mehreren kleineren PC-Verkäufern. Angeblich erwägt derzeit auch Lenovo den Schritt zum Alternativ-Betriebssystem.

Ubuntu setzt auf einfache Bedienung und hohe Anpassungsfähigkeit. Es wird deswegen vor allem Anfängern empfohlen, obwohl auch Profis gerne damit arbeiten. Vor ein paar Monaten machte ich die erste freundliche Bekanntschaft mit Ubuntu, als ein guter Freund mir half, die Daten auf meinem virenverseuchten Rechner mithilfe einer Ubuntu-CD zu retten. Was er mir vorführte, war ein modernes, leicht bedienbares und leistungsfähiges Betriebssystem.

Seitdem ist Linux ein ganz heißes Thema für mich. Ich entschloss mich zu dem, was ich jetzt wirklich in die Tat umsetze: Ich werde auf Linux umsteigen, ganz in Ruhe. Und ich werde nicht aufgeben, ehe alles funktioniert.

In den nächsten vier Tagen werden Sie in der Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE das Protokoll dieses Versuches zu lesen bekommen. Für alle, die ein Interesse daran haben, den Versuch mitzumachen, hier vorab ein paar Tipps:

  • Man kann Ubuntu ausprobieren, in dem man es von einer Start-CD aus laufen lässt. Das reicht, um ein Gefühl für das System zu bekommen.
  • Da Ubuntu ein nicht kommerzielles Projekt ist, gibt es das Betriebssystem kostenlos zum Download (700 Megabyte). Man kann es auch zu Preisen zwischen drei und ca. 40 Euro auf CD oder DVD kaufen. Alle relevanten Bezugsmöglichkeiten erklärt die Ubuntu-Homepage.
  • Wer es gleich mit einer Installation versuchen will, sollte nicht sofort seinen Arbeitsrechner "opfern": Nehmen Sie für den Versuch einen alten Rechner, den Sie aktuell nicht brauchen. Ubuntu verlangt nur mindestens 256 MB Arbeitsspeicher und 4 GB Festplattenplatz zur Installation. Auch in Sachen Prozessor ist Ubuntu weit genügsamer als Windows: Ideal, um ein älteres, vielleicht schon ausgemustertes Schätzchen wieder zu beleben.
  • Ausführliche und verständliche Installationstipps gibt es bei Ubuntuusers.de

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