Überwachungstechnik Briten testen funkende Autokennzeichen

Um das Fälschen von Nummernschildern zu erschweren, will Großbritannien Autos testweise mit Funketiketten ausstatten. Der Weg eines Wagens könnte so lückenlos verfolgt werden - Datenschützer sind besorgt.


Überwachtes Auto: Das Nummernschild funkt seine ID an den Empfänger
www.e-plate.com

Überwachtes Auto: Das Nummernschild funkt seine ID an den Empfänger

Es gibt gute Gründe, mit einem gefälschten Autokennzeichen durch London zu fahren. Seit für das Befahren des Zentrums eine Gebühr fällig wird, ist Mautprellen zum Sport geworden. Pro Tag kostet das Befahren der City immerhin fünf Pfund - umgerechnet mehr als sieben Euro.

Videokameras scannen zwar das Nummernschild jedes ein- und ausfahrenden Pkw, um zu überprüfen, ob die Maut auch bezahlt wird. Bei gefälschten Kennzeichen sind die Kameras jedoch machtlos. Auch Terroristen, so fürchten Sicherheitskräfte, könnten zu gefälschten Schildern greifen, um sich unerkannt bewegen zu können.

Deshalb hat das britische Verkehrsministerium nun grünes Licht für Nummernschilder mit integrierten Funketiketten gegeben. Wie das Magazin "Wired" berichtet, soll ein Test der RFID-Chips an Autos noch in diesem Jahr beginnen. Nach Angaben einer der am Test beteiligten Firmen sollen zunächst Polizeiwagen mit den Funkchips ausgestattet werden.

RFID-Chips sollen langfristig den heute im Handel üblichen Barcode ablösen. Die Funketiketten brauchen keinerlei Strom und funken in der Nähe aktiver Sender ihre ID zurück. Die Reichweite solcher passiver Chips liegt jedoch nur im Zentimeterbereich.

City-Maut-Kamera in London: Kfz-Kennzeichen werden automatisch gescannt
AP

City-Maut-Kamera in London: Kfz-Kennzeichen werden automatisch gescannt

In den Nummernschildern kommen deshalb aktive RFID-Chips zum Einsatz, die dank einer Batterie auch aus 100 Meter Entfernung registriert werden können. Ein Vorteil der Chips gegenüber herkömmlichen Schildern ist, dass sie nur schwer gefälscht werden können.

Die britische Firma E-Plate bewirbt bereits die komplette Ausrüstung zur Überwachung des Autoverkehrs. Kleine Sensoren, die beispielsweise an Autobahnauffahrten oder Tunneleinfahrten montiert werden, können pro Sekunden bis zu 200 Autos scannen.

Dutzende über die Stadt verteilte Sensoren melden ihre Daten permanent an einen Server, der dann sehr leicht Bewegungsprofile von Autos erstellen könnte. Datenschützern bereitet die Technik Sorgen. "Es ist zu einfach, das als verstecktes Überwachungs-Tool einzusetzen", sagte Jim Harper vom Cato Institute, gleichzeitig Datenschutzberater des US-Heimatschutzministeriums. In den USA werden die Tests aufmerksam verfolgt, auch dort interessiert man sich für die RFID-Kennzeichen.

Schon heute werden Funkchips vereinzelt auf US-Straßen eingesetzt, etwa um ausländische Lkw und Pkw damit zu kennzeichnen oder um Straßenmaut abzurechnen.

Der deutsche Mautanlagenbetreiber Tollcollect hätte ebenfalls Funkchips zum Erfassen der Lkw einsetzen können, entschied sich jedoch für ein GPS-gestützes System. Zusätzlich werden Nummernschilder mit Kameras abgescannt, die auf Brücken über der Autobahn montiert sind. Die Kameras erfassen auch Nummernschilder von Pkw, diese Daten werden jedoch laut Tollcollect nicht weiter verarbeitet. Anhand der gescannten Lkw-Kennzeichen überprüft Tollcollect, ob die Speditionen ihre Maut auch korrekt abrechnen.

Im März 2004 hatte die Computerzeitschrift "c't" als Aprilscherz "enthüllt", dass auch in Deutschland Autokennzeichen vereinzelt RFID-Chips tragen. Eine Tüv-Prüfplakette, wie sie auf jedem Schild am Fahrzeugheck klebt, habe angeblich einen solchen Chip getragen, hieß es in der Meldung. Was als Scherz gemeint war, könnte sich schon bald als real erweisen.



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