"VBS.Homepage" Das Virus bellt, aber es beißt nicht

...zumindest in Deutschland: Zwar entwickelte sich "Homepage" zum am weitesten verbreiteten Virus der letzten Monate, doch Schäden entstanden kaum. Die Zahl der betroffenen User wird auf rund zehn Prozent geschätzt.


Gefährliches Tierchen, aber der Biss-Schutz funktioniert: "Die User haben dazu gelernt"
DPA

Gefährliches Tierchen, aber der Biss-Schutz funktioniert: "Die User haben dazu gelernt"

Es scheint, als sei der gemeine User inzwischen weiser, als die Experten ihm zutrauen. Die rapide Ausbreitung des "VBS.HOMEPAGE"-Virus blieb in Deutschland - fast - ohne Konsequenzen. Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Media Transfer zufolge führte das neue Virus "nur" bei jedem zehnten Computer-Nutzer in Deutschland zu Problemen, bei "I Love You" war noch jeder Fünfte betroffen.

Diese Probleme beschränkten sich zudem meist auf ein erhöhtes Mailaufkommen, das in nur "einigen wenigen Fällen" in Deutschland zum Ausfall der Mail-Server von Firmennetzwerken führte. "Angeklickt" und damit aktiviert haben das Virus verhältnismäßig wenige User. "Die Internet-Nutzer haben dazugelernt", konstatierte Christian Loeb, Technik-Experte von Media Transfer.

Weit stärker betroffen war die englischsprachige Welt - mit Ausnahme der USA. Dort hatte der Zeitunterschied zu Europa dafür gesorgt, dass die PC-Nutzer bereits gewarnt in den Arbeitstag gingen.

In England "erlegte" das Virus binnen Stunden nach dem ersten Auftreten drei namentlich nicht genannte Medienfirmen - was ebenfalls einen Trend aufzeigt: Viele Unternehmen scheuen noch immer den Schritt, die Schwachstellen ihrer IT-Security der Öffentlichkeit zu melden. Es dürfte also über die rund 150 britischen Unternehmen hinaus, die allein dem Virenschutz-Softwareunternehmen Sophos einen Befall ihrer Systeme meldeten, eine schwer zu fassende Dunkelziffer geben.

Trotzdem ist mittlerweile klar, dass die Verbreitung des Virus abnimmt: Die führenden Sicherheitsunternehmen bezeichnen "Homepage" mittlerweile als "eingedämmt". Über das Ausmaß seiner Verbreitung gibt es bisher noch hochgradig widersprüchliche Angaben mit starken regionalen Bezügen. Trend Micro berichtet, dass "Homepage" das bei weite "meistgesichtete" Virus der letzten Tage war: Das Unternehmen empfing in den ersten 24 Stunden rund 1500 Schadensmeldungen.

Nachdem sich "Homepage" am Mittwochmorgen zunächst rasend schnell verbreitete, scheint es aber gelungen zu sein, die Verbreitung des Virus ungewöhnlich schnell einzudämmen. In aktuellen Vergleichen werden nun Parallelen zum "Kurnikowa"-Virus vom Februar diesen Jahres gezogen, das ähnlich schnell und mächtig kam - und genauso schnell wieder verschwand.

Bestätigt hat sich mittlerweile anscheinend die Echtheit des Bekennerschreibens dreier Holländer, die als Motiv für ihre Virenattacke "Werbung für Porno-Websites" angaben. Nach ihnen wird gefahndet.

Eine von der Unternehmensberatung Mummert+Partner am Donnerstag elektronisch verschickte Mitteilung über das "Homepage"-Virus löste unterdessen in dem Rechner-System der Zeitung "Net-Business" selbst einen Viren-Alarm aus. Es wird vielmehr vermutet, dass das Anti- Viren-Programm von "Net Business" in dem Text ein verdächtiges Wort wie "Homepage" entdeckt und Alarm geschlagen habe, sagte ein Sprecher. Dies ist nach Angaben eines "Net-Business"-Technikers möglich. "Unsere Firewall ist sehr sensibel", fügte er hinzu.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.