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Vertreibung aus dem Paradies: Trojaner knüpft Botnet aus Macs

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Vorbei die Zeiten, in denen man sich am Mac sicher fühlen konnte: Sicherheitsexperten behaupten, das erste Netz gekaperter Mac-Computer entdeckt zu haben. Dass überhaupt so viele Rechner übernommen werden konnten, macht Beobachter stutzig - die Gefahr ist seit Monaten bekannt.

Jetzt könnte auch für Mac-Anwender die Zeit des unbekümmerten Web-Surfens vorbei sein. Seit Programmierer versuchen, per Trojaner, Virus und Wurm schädliche Software in Computer einzuschleusen, fremde Rechner zu übernehmen oder sie zu beschädigen, hatte sie kaum etwas zu fürchten. Während Windows-Rechner von Hunderttausenden Varianten verschiedener Schadprogramme bedroht wurden, waren sie fein raus: Macs standen nicht auf dem Speisezettel der Schädlinge.

Das erste Netz aus Zombie-Macs: Ein Trojaner übernimmt die Kontrolle über die Apple-Rechner
Corbis

Das erste Netz aus Zombie-Macs: Ein Trojaner übernimmt die Kontrolle über die Apple-Rechner

Doch diese Zeit der Ruhe scheint vorbei, sagen die Symantec-Sicherheitsexperten Mario Barcena und Alfredo Pesoli. In der Fachzeitschrift " Virus Bulletin" führen sie aus, dass eine Trojanersoftware, die sich seit Januar auf Macs verbreitet, nun offensichtlich ein sogenanntes Botnet aufbaut, einen Verbund gekaperter, ferngesteuerter Rechner.

Der Hintersinn der kriminellen Betreiber solchen Schattennetze ist es für gewöhnlich, die Zombie-Rechner zu missbrauchen, um beispielsweise Spam-Mails zu verschicken oder Distributed Denial of Service-Attacken (DDOS) zu initiieren, Angriffe auf Web-Seiten oder Server, die durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen via Internet zu Boden gezwungen werden soll.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Neu ist diese Vorgehensweise nicht, Botnets gibt es viele. Neu ist aber, dass dieses Mal ausschließlich Macs zu einem solchen Verbund von Zombie-Rechnern zusammengeschaltet werden, sagen Barcena und Pesoli.

Der Trojaner steckt in einer Raubkopie

Wie sich eine solche Rechner-Übernahme in der Praxis äußern kann, beschreibt der australische Programmierer Pete Yandell in seinem Blog. "Heute morgen habe ich festgestellt, dass eine Reihe von Prozessen die gesamte Rechenleistung meines Laptops verbrauchen", erklärt Yandell. Offenbar handle es sich dabei um ein sich wiederholendes PHP-Skript, das versucht, eine bestimmte Web-Seite durch wiederholte Anfrage zu überlasten.

Als Ursprung des fremden Programms konnte Yandell eine Probierversion von Apples Bürosoftware iWork 09 identifizieren. Die Software habe er über Umwege von Freunden bekommen, schreibt Yandell und schlussfolgert, dass er sich den Trojaner wohl nicht eingefangen hätte, hätte er das Programmpaket direkt von Apples Web-Seite besorgt.

Denn dass in einer im Web kursierenden Version dieser Probiersoftware ein Trojaner verborgen ist, ist bereits seit Januar bekannt. Die Software macht seither die Runde durch Web-Foren und Download-Sites. Das Lockmittel für die Installation: Obwohl eigentlich nur zum Ausprobieren gedacht, wurde die Software so modifiziert, dass sie ohne Seriennummer, also ohne zu bezahlen, läuft. Dass sie außerdem so modifiziert wurde, dass sie den Trojaner OSX.Iservice auf dem Rechner plaziert, hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen. Mittlerweile sei eine ähnliche aufgebaute Lockversion der Bildbearbeitungs-Software Adobe Photoshop CS4 im Umlauf, sagen die Spezialisten.

Nur ein bescheidener Anfang

Dieser Trojaner, so die Symantec-Forscher, sei "ein interessantes Stück Schadsoftware." Einerseits, weil er sich einige für Macs typische Techniken zu eigen machen, andererseits, weil er eben der erste offenbar erfolgreiche Trojaner ist, der sich tatsächlich über Macs verbreitet. Über insgesamt 31 unterschiedliche Kommandos kann der Schädling von außen gesteuert, auf neue Ziele ausgerichtet oder zur Verbreitung seiner selbst instruiert werden.

Im Vergleich zu ähnlichen Windows-Programmen nimmt sich die Verbreitung von OSX.IService derzeit aber noch bescheiden aus. Die Zahl der betroffenen Apple-Rechner beziffern die Forscher mit "einige Tausend". Am Stammtisch der Botnet-Betreiber, wo nur Größe wirklich wichtig ist, dürften sie damit bestenfalls einen Stehplatz bekommen. Denn Windows-Botnets sind einfach sehr viel größer. Eines der größten dürfte der derzeit sehr aktive Conficker-Wurm befehligen: Rund zwölf Millionen Rechner sollen dem umtriebigen Schadprogramm mittlerweile Untertan sein.

Der Fehler sitzt an der Tastatur

Erstaunlich sei aber eigentlich, dass sich solche Schädlinge überhaupt ausbreiten können, argwöhnt der auf Sicherheitsthemen spezialisierte Autor Larry Seltzer in der " eWeek". Schließlich würden Betriebssysteme wie Linux, Windows Vista und auch Mac OS X normalerweise in einem Modus laufen, in dem Programme nur über eingeschränkte Rechte verfügen.

Schädlinge wie OSX.IService könnten sich daher nur effektiv einnisten, wenn der Anwender selbst ihnen diese Rechte einmal zuweise - genau so wie es der Mac-Trojaner tut, indem er sich in der Installationsdatei einer raubkopierten Software versteckt, die nur zum Laufen zu bringen ist, wenn man sie mit vollen Zugriffsrechten über den Rechner ausstattet. Am Mac beispielsweise muss man dazu einmal den Namen und das Passwort eines Benutzerkontos mit besonderen Admin-Rechten eingeben. Die Nutzer tun das bereitwillig, weil sie glauben, eine Raubkopie zu installieren.

Die Schwachstelle ist und bleibt eben der Benutzer.

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