Virenwarnung Pornige Grüße

Man stelle sich vor: Jedes Mal, wenn man den Browser anwirft, surft der eine Pornoseite an. Jedes Mal, wenn man eine E-Mail verschickt, hängt ein Porno-Link an. Nervig und peinlich ist das - und das Werk eines harmlosen, aber penetranten Virus.


Peinliche Panne: "JS.Fortnight" macht eine Pornoseite zum persönlichen "Favoriten"
[M] AP; DPA; SPIEGEL ONLINE

Peinliche Panne: "JS.Fortnight" macht eine Pornoseite zum persönlichen "Favoriten"

Der Virenschutz-Softwareentwickler Symantec ordnet jedem entdeckten Virus einen Gefährlichkeitsgrad zu: Das beginnt bei 1 - "harmlos" - und endet bei 5 - den wahren Computer-Killern. "JS.Fortnight", soeben entdeckt, ist harmlos.

Und wäre deshalb in der Flut der täglich neu auftauchenden Viren und Varianten kaum eine Meldung wert, wenn er nicht so originell und peinlich wäre. Der Wurm zerstört nichts, außer dem Ruf des betroffenen Computerbesitzers: An jede E-Mail, die dieser versendet, hängt Fortnight einen eindeutigen Link an. Der führt stante pede zu einer in Russland gehosteten Porno-Seite - doch damit nicht genug.

Denn Fortnight macht diese Seite auch zum Bestandteil der Bookmarks von Netscape und Internet Explorer und ruft die Schmuddelseite bei jedem Programmstart als Startseite auf.

Zumindest im Büro ist das nicht nur lästig, sondern unter Umständen auch peinlich.

Zum Glück ist Fortnight ziemlich zahnlos: Betroffen sind wieder einmal nur die Nutzer von Outlook Express, die eine automatische Ausführung von Skripten zulassen. Dort greift Fortnight auf das Adressbuch zu und sorgt dafür, das Freunde, Bekannte und Geschäftspartner erfahren, was ihnen sonst im Web "entgangen" wäre.

Ein echtes Problem ist das nicht: Der Schädling ist einfach wieder los zu werden und wird von der aktuellen Software der Virenschutz-Entwickler erkannt. Update genügt.

Doch die Geschichte hat noch eine Pointe, die besonders die erfreuen wird, denen das Übermaß an Pornografie im Web ein Dorn im Auge ist: Selbst die, deren Rechner befallen ist, bekommen mittlerweile als Startseite keine Porno-, sondern nur eine "404"-Fehlerseite zu sehen. Längst hat der Internet-Service-Provider des Pornodienstes diesen aus dem Web getilgt. Statt Werbung für die Sex-Angebote zu machen, sorgte das Virus so dafür, dass das Angebot aus dem Web gefegt wurde. Ob das so geplant war?



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