Vista-Nachfolger Bill Gates verquatscht sich

Legt das nächste Windows einen Frühstart hin oder hat sich Microsofts Ex-Chef einfach verplappert? Auf einer Konferenz kündigte er bereits für kommendes Jahr ein neues Microsoft-Betriebssystem (Windows 7) an. Bisher wurde das Update erst 2010 erwartet.


Nach der ausufernden Wartezeit auf Windows Vista hatte Microsoft versprochen, seine Kunden nicht noch einmal so lange auf eine neue Windows-Version warten zu lassen. Doch dass es so schnell gehen würde, wie es Microsoft-Gründer Bill Gates nun angekündigt hat, hatte wohl niemand erwartet. Auf einer Konferenz in Miami antwortete Gates auf eine Frage nach dem neuen Windows Vista: "Irgendwann im nächsten Jahr oder so werden wir eine neue Version haben."

Bill Gates in Miami: Kommt das neue Windows schon nächstes Jahr?
REUTERS

Bill Gates in Miami: Kommt das neue Windows schon nächstes Jahr?

Logisch, dass dieser Ausspruch hellhörig macht. Der ursprünglich von Microsoft angekündigte Plan sah vor, dass binnen drei Jahren ein neues Windows-Betriebssystem auf Vista folgen werde. Dass hätte eigentlich 2009 sein sollen, zwischenzeitlich war allerdings auch von 2011 die Rede. Da Vista schließlich aber Anfang 2007 auf den Markt kam, konnte man bisher davon ausgehen, dass das derzeit als "Windows 7" bezeichnete Betriebssystem planmäßig erst 2010 veröffentlicht werden sollte.

Nun aber macht Gates Hoffnung auf einen Frühstart. Er sei "in vielerlei Hinsicht total begeistert davon, was das neue System kann". Über konkrete Neuerungen des künftigen Windows hat es bisher reichlich Spekulationen gegeben. Vor allem wird orakelt, die Programmierer wären damit beschäftigt, die Software zu verschlanken. Sowohl die Anzahl als auch die Größe der verwendeten Dateien sollen demnach radikal verkleinert werden. Microsoft demonstrierte bereits im Oktober 2007 einen Kernel des neuen Systems, der nur 100 Dateien umfasste und auf insgesamt nur 25 MB Größe kam. Bestätigt wurde von Microsoft, dass es auch Windows 7 wieder in getrennten Versionen für 32- und 64-Bit-Computer geben werde. Zudem sei geplant, unterschiedliche Editionen für Heim- und Büroanwender zu publizieren.

Stimmt der Terminplan?

Gerüchte sprechen davon, das neue System könnte auch aus einer Art Baukastensystem bestehen, aus dem man sich jene Funktionen und Anwendungen aussuchen könnte, die man wirklich benötigt. Screenshots von ersten Windows-7-Vorabversionen geben freilich keine Hinweise auf solche bahnbrechenden Neuerungen. Vielmehr zeigt sich das System dort eher als ein moderat aufgefrischtes Vista.

Gates Äußerungen sorgten umgehend für mächtiges Rauschen im Medien-Blätterwald. Microsoft beeilte sich, keimende Gerüchte umgehend einzudämmen: Ein Sprecher des Unternehmens behauptete bei CNN, Gates sei schlicht missverstanden worden. Der Firmengründer habe Alpha-Versionen des neuen Betriebssystems im Sinn gehabt, vielleicht auch eine erste Beta, nicht aber einen Verkaufsbeginn des fertigen Programms.

Damit wäre der ursprüngliche Zeitplan wieder im Lot. Denn auf so eine Alpha- folgt die Beta-Version und sogar meist noch eine zweite und auf diese noch ein sogenannter Release Candidate. Dieses Prozedere samt der aufwendigen Fehlersuche und -bereinigung zieht sich üblicherweise über etliche Monate, mitunter Jahre hin. So könnte ein neues Windows, das 2009 als Beta-Version zum Test vorliegt, möglicherweise tatsächlich wie geplant 2010 an den Start gehen.

Hinter den Kulissen hat die Erprobung der neuen Software längst begonnen. Eine erste Testversion des neuen Betriebssystemskernels wurde als "Milestone 1" bereits im vergangenen Jahr an ausgewählte Software-Partner ausgeliefert.

mak



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