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Wahlcomputer: Behörde hält Manipulationen für möglich

Nachdem Hacker Wahlcomputer mit neuer Software ausgestattet haben, meldet sich nun die Physikalisch-Technische Bundesanstalt zu Wort: Es sei nicht überraschend, dass man die Geräte manipulieren könne. Dies werde aber durch Sicherungsmaßnahmen verhindert.

Die Vorwürfe des Chaos Computer Clubs ( CCC) wogen schwer: Die in Deutschland eingesetzten Wahlcomputer aus den Niederlanden seien unsicher. Die darauf laufende Software lasse sich leicht austauschen, sofern man kurzzeitig Zugriff auf die Geräte habe. "Die Bauartzulassung der Nedap-Wahlcomputer ist nach den nunmehr vorliegenden Forschungsresultaten hinfällig", erklärte CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn.

Nedap-Wahlcomputer: "Für Bewertung fehlen noch Informationen"
AP

Nedap-Wahlcomputer: "Für Bewertung fehlen noch Informationen"

Die Prüfung der Nedap-Geräte hatte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ( PTB) vorgenommen. Der CCC warf der Bundesanstalt vor, Details der Gutachten über die Wahlcomputer geheimzuhalten - eine öffentliche Begutachtung der Risiken sei somit bisher nicht möglich gewesen.

Jetzt hat sich die Behörde, die sich hauptsächlich mit Messtechnik und Messverfahren beschäftigt, auf die Vorwürfe reagiert. Man begrüße jede Initiative, "die zur Sicherheit und Zuverlässigkeit von Wahlgeräten beiträgt oder eventuell vorhandene Sicherheitslücken aufdeckt".

Die Experten der PTB gehen davon aus, dass die in dem Bericht der niederländischen Initiative "Wir vertrauen Wahlcomputern nicht" vorgestellten Manipulationen tatsächlich ausgeführt wurden. "Für eine Bewertung, ob solche Manipulationen in Deutschland im Realfall tatsächlich unbemerkt bleiben können, fehlen noch Informationen", teilte die Bundesanstalt mit.

Bei einem tatsächlichen Angriff wäre "eine gehörige Portion krimineller Energie" in Verbindung mit speziellen Fähigkeiten der durchführenden Personen erforderlich, um unbemerkt die Steuerungssoftware der Geräte zu verändern, heißt es in der Stellungnahme.

Ausschließen wollen die PTB-Experten derartige Manipulationen in Deutschland also nicht, sie glauben jedoch, dass sie kaum möglich sind. Dagegen sprechen in ihren Augen die vielen vorgeschriebenen Sicherungsmaßnahmen bei Bundestags- und Europawahlen.

Dazu gehörten unter anderem Kontrollen und Überprüfungen bei der Vorbereitung der Geräte zur Wahl und unmittelbar vor Öffnung der Wahllokale. Auch dürften die Computer während der Wahl unter ständiger Kontrolle betrieben werden. Zudem könne man jederzeit die eingesetzten Geräte einschließlich der Software mit dem geprüften Baumuster vergleichen.

Dass Chips in den Wahlcomputern, sogenannte EPROMs, austauschbar seien, und zwar auch durch manipulierte EPROMs, sei "nicht überraschend". Dies sei bei der Aufstellung des Sicherungspakets für die Wahlgeräte "bedacht worden". Durch das Tauschen von EPROMs war es den Hackern gelungen, den Wahlgeräten eine neue Software aufzuspielen.

"Es gibt in Deutschland bisher keine Hinweise für eine Manipulation von eingesetzten Wahlgeräten", beschließt die PTB ihre Stellungnahme. Dennoch seien alle Beteiligten "bereits seit einiger Zeit" im Gespräch über weitere Maßnahmen, um jede Möglichkeit auszuschließen, dass Wahlcomputer manipuliert würden.

hda

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