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Weltpremiere: Hamburg, die schönste 3D-Stadt in Google Earth

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In Google Earth sind Städte bislang meist platte Flächen. Das soll sich nun ändern: Die Elbmetropole Hamburg wird als erste Stadt weltweit als 3D-Modell in das Programm integriert - inklusive der Häuserfassaden.

"Hamburg ist die schönste Stadt der Welt" - das bekommt der Besucher öfters zwischen an Alster und Elbe zu hören, wenn er mit Einheimischen spricht. Nörgler, die sich an hässlichen Nachkriegsbauten und dem mitunter schlechten Wetter stören, kann der überzeugte Hanseat schon bald entgegnen: "Hamburg ist auf jeden Fall die schönste Stadt - und zwar in Google Earth".

Das populäre 3D-Programm, das virtuelle Flüge über unseren Planeten erlaubt, wird in wenigen Tagen um Hunderte Modelle von Gebäuden aus der Hamburger Innenstadt erweitert. Es handle sich um eine Weltpremiere, sagte Google-Sprecher Stefan Keuchel bei der Vorstellung des Projekts heute Mittag in der Hansestadt. "Mit den Texturen auf den Fassaden ist Hamburg weltweit die erste Stadt, die in dieser Detailtreue zu sehen ist." Hamburg 3D solle in wenigen Tagen oder Wochen online gehen.

Die konsequente Erweiterung von Google Earth um die dritte Dimension steht ganz oben auf der Agenda des Suchmaschinenbetreibers. "Wir wollen den ultimativen virtuellen Globus erschaffen", sagte Keuchel. Menschen sollten künftig virtuelle Reisen durch Städte unternehmen können. Google, geschäftstüchtig wie eh und je, will die 3D-Landschaften mit einer lokalen Suchfunktion kombinieren, die etwa alle Restaurants in einer Straße anzeigt.

Der Internetgigant hatte bisher nur US-Städte als 3D-Modelle erfasst und in Google Earth integriert. Allerdings werden die Häuser dort nur als weiße Blöcke dargestellt - Fassaden fehlen. Nur für ausgewählte Objekte, etwa die Golden Gate Bridge in San Francisco oder einzelne Wolkenkratzer New Yorks, existieren bereits 3D-Modelle.

Rundflug um den Michel

Die Hamburger City ist insofern ein Novum. Google-Earth-Benutzer können das Hamburger Rathaus wie mit einem Hubschrauber umkreisen, auf dem Rathausmarkt landen, eine Runde über der Binnenalster drehen und runter zum Hafen schweben. In der heutigen Vorführung sah das Ganze sehr flüssig aus. Einziges Manko: Die Gebäude tauchen nicht sofort auf, ihre Modelle werden vielmehr nach und nach geladen. Es dauert also einige Sekunden, bis das virtuelle Stadtbild steht.

Initiiert wurde das Projekt nicht von Google, sondern von der Initiative Hamburg@work, die von Stadt und Privatwirtschaft getragen wird. Google-Sprecher Keuchel sagte, Hamburg sei auf ihn zugekommen und habe das Projekt vorgeschlagen: "Wir waren sofort Feuer und Flamme".

Die dreidimensionalen Gebäudedaten lagen in der zuständigen Behörde, dem Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung, bereits vor. Die auf virtuelle Stadtmodelle spezialisierte Cybercity AG aus der Schweiz musste dann aus etwa 1000 Schrägaufnahmen, die von einem Flugzeug aus ungefähr 500 Meter Höhe geschossen worden waren, die Fassaden der Gebäude extrahieren, auf die 3D-Objekte kleben und in das spezielle Google-Earth-Format exportieren.

Google hat übrigens keinen Cent für Hamburg 3D bezahlt. Die nach Aussagen von Hamburg@work-Chef Uwe Jens Neumann "nur geringfügigen Kosten" teilten sich Cybercity und der Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung. "Es gibt nichts Schöneres, als unsere Hansestadt ins rechte Licht zu rücken", sagte Neumann.

Einkaufen in 3D-Welt

Franz Steidler, Chef der Cybercity AG, die von Paris und Florenz bereits auf eigene Kosten 3D-Modelle erstellt hat, träumt bereits von ganz anderen Anwendungen: Man solle auch in Häuser hineingehen können, etwa in Geschäfte, um virtuell einzukaufen. "Da ist vieles denkbar."

Die Idee virtueller Stadtrundgänge ist natürlich alles andere als neu. Die Potsdamer Firma Remote Sensing Solutions (RSS) hat bereits für mehrere deutsche Städte 3D-Pläne auf DVD veröffentlicht, etwa für Berlin und München. Anders als bei Google Earth werden die Daten dabei jedoch von Festplatte oder DVD geladen statt aus dem Internet wie bei Google Earth. Was die Detailgenauigkeit markanter Gebäude betrifft, scheint die RSS-Software gegenüber Google Earth die Nase vorn zu haben. Allerdings wurden beispielsweise im Programm "Berlin 3D" nicht alle Fassaden Berlins einzeln fotografiert. In Wohnvierteln griffen die Programmierer vielmehr zu Standardfassaden, die typisch für das jeweilige Viertel sein sollen.

Nicht nur Google arbeitet daran, Metropolen möglichst fotorealistisch virtuell nachzubauen. Microsoft hat in der vergangenen Woche auf der Computermesse CES in Las Vegas die neuen 3D-Funktionen seiner Software Virtual Earth vorgeführt, die ganz ähnlich wie Google Earth funktioniert. Passend zum Standort ließ Bill Gates während seiner Keynote einen Überflug über den legendären Strip von Las Vegas vorführen. Zuschauer konnten auf alle großen Casino-Hotels aus der Vogelperspektive herunterschauen.

Mal schauen, wer am Ende die größten Städte der Welt als erster komplett nachgebaut hat: Microsoft oder Google. Google hofft dabei auch auf die Eigeninitiative von Firmen und Privatpersonen. Mit der Gratissoftware Sketchup kann jeder 3D-Modelle von Gebäuden erstellen. Dies gehe auch ohne Architekturkenntnisse, versicherte Keuchel. Die Objekte ließen sich dann in Google Earth integrieren.

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