Werbung: Für 'nen Apple und ein Ei

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Kein anderes Produkt ist in Fernsehspots und Anzeigen so präsent wie der iMac von Apple. Doch dem amerikanischen Computerbauer hilft die kostenlose Reklame wenig.

Kultobjekt: Seit Apple auf Transparenz setzt, haben sich die Rechner der Firma zu populären "Schmuckstücken" in der Werbung entwickelt
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Kultobjekt: Seit Apple auf Transparenz setzt, haben sich die Rechner der Firma zu populären "Schmuckstücken" in der Werbung entwickelt

Das mit Harald Schmidt kam selbst für Georg Albrecht, 36, überraschend. Der deutsche Sprecher des Computerkonzerns Apple saß zu Hause vorm Fernseher, als ihm in einer Werbepause plötzlich der Late-Night-Talker entgegenschwäbelte. Für einen T-Online-Werbespot. Schmidt saß halb verborgen hinter Albrechts Produkt: dem Rechner iMac.

Normalerweise fragen Firmen vorher wenigstens nach, ob sie das Computerei in der eigenen Reklame zeigen dürfen. Stinnes zum Beispiel: Der Logistikkonzern präsentierte in ganzseitigen Anzeigen vor allem den Apple-Laptop iBook, auf dessen Bildschirm dann stand: "Bestellen können Sie mit Ihrem Computer vieles, nur liefern wird er Ihnen nichts."

Das war okay für Albrecht. Die Old Economy müsse sich eben über die neue positionieren wie auch die Deutsche Post AG, in deren Kampagne seine Geräte ebenfalls auftauchten. Im T-Online-Fall jedoch wusste der Presse-Mann vorher nicht mal Bescheid, tröstete sich dann aber wie so oft mit dem unglaublichen Werbewert der Fernsehspots, die er gar nicht hätte bezahlen können.

Apples bunte Eier sind seit ihrer Präsentation vor rund zweieinhalb Jahren in der Reklamewelt allgegenwärtig. Wo immer es um Internet oder Computer geht, E-Commerce oder wenigstens Lifestyle ­ irgendwo steht meist ein Apple rum.

Möbel-Multi Ikea hat für alle europäischen Filialen gleich 1800 Attrappen bestellt, die nun die Büromöbel-Abteilungen, aber auch den Katalog garnieren. Für das Cover des US-"Playboy" hielt im vergangenen Herbst ein lächelndes Model Hintern und Hightech in die Kamera. Und selbst das SPD-Organ "Vorwärts" präsentierte seinen Lesern das Thema E-Commerce mit einer Großaufnahme des iMac auf der Titelseite. Motto: "Mit der Maus ins Parlament".

Schleichwerbung, mault die Konkurrenz, fast so angefressen wie der regenbogenfarbene Apple-Apfel im Firmenlogo. Doch solche Vorwürfe perlen an Albrecht ab. Für Product Placement müsse man schließlich bezahlen. "Uns dagegen werden die Türen eingerannt, dass wir unsere Computer überhaupt zur Verfügung stellen."

Längst seien zwei Münchner Firmen damit beschäftigt, aus einem "Leihpool" Fotografen und Werbern, TV-Requisiteuren und Filmproduzenten auszuhelfen ­ auf deren Rechnung. Für Szenen in "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ebenso wie für das tägliche Computermagazin "Giga TV" oder das Cover von "Capital".

Offizielle Albrecht-Apple-Taktik: "Wir zahlen nix, nur damit wir irgendwo sind." Neidisch wird er allenfalls auf seine US-Kollegin Suzanne Lindbergh, die wohl "den schönsten Job der Welt" habe. Tagein, tagaus dürfe sie Hollywood-Drehbücher auf Verwertbarkeit prüfen und auch mal mit Tom Cruise essen gehen, der als Apple-Freund gilt. Macs tauchten prompt in beiden Kinofolgen von "Mission: Impossible" auf.

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APPLE

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Laut internen Zahlen sind 68 Prozent aller Computer in US-Spielfilmen und -Serien von Apple ­ bei einem lächerlichen Marktanteil von weltweit rund drei Prozent. In "E-Mail für Dich" chattete Tom Hanks auf IBM, Meg Ryan auf Mac. Auch da, wird versichert, sei kein Geld geflossen. Werbung für 'nen Apple und ein Ei?

Manfred Auer, Chef der Product-Placement-Agentur Arrangement Group in Alfter bei Bonn, will das nicht glauben, gibt aber zu: "Apple ist der Mercedes unter den Computern." Deren Geräte sehen "einfach schicker" aus als die graue Konkurrenz.

Das Geheimnis des schleichenden Reklameerfolgs: Zwischen den beige-uniformen PC-Langweilern von Compaq, Dell und Co. ragt das Apple-Design farbenfroh und frech heraus: ein Symbol für Zukunft und Zeitgeist.

Weitere Gratis-Hilfe: Agenturen und Redaktionen schwören intern noch immer auf Apple, obwohl dessen Betriebssystem Mac OS nur noch Nischenbedeutung hat im Vergleich zur alles beherrschenden Windows-Konkurrenz von Microsoft.

Umso erbitterter verteidigt die eingeschworene Gemeinde alter Computerfreaks und junger Grafiker, Layouter und Journalisten ihre lieb gewonnene Ikone aus dem kalifornischen Cupertino, auch wenn die nostalgische Verklärung mitunter bizarre Formen annimmt.

Zuletzt ist der Kurs der Computeraktie nach mehreren Gewinnwarnungen eingebrochen: Die neueste Rechner-Generation Cube verkauft sich schlecht ­ trotz avantgardistisch-würfeligen Designs. Und iMac und iBook haben ihre besten Tage offenbar schon hinter sich. Im Apfel ist der Wurm drin. Aus die Maus?

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