Wireless USB: Kappt die Kabel - lieber noch nicht

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Ein neuer Standard soll USB-Verbindungen drahtlos machen. Eine tolle Idee, die dem Kabel-Chaos auf und unter dem Schreibtisch ein Ende setzen könnte. Doch sollte man sich nicht zu früh freuen - die neue Technik hat noch einige Hürden zu überwinden.

Digicams, Drucker, Tastaturen, Mäuse und mehr: Sie alle werden heutzutage schnell und einfach per USB mit dem Rechner verbunden, teilweise sogar über das Kabel mit Strom versorgt. Die enorme Popularität von USB, dem Universellen Seriellen Bus, hat allerdings auf manchem Schreibtisch ein katastrophales Kabel-Chaos zur Folge. Sechs, sieben oder mehr USB-Strippen an einem PC sind keine Seltenheit. Wireless USB könnte da Abhilfe schaffen, es liefert dieselbe Funktionalität wie USB, nur eben ohne Kabel.

Dass es jetzt mit dem drahtlosen USB-Standard Wireless USB losgehen kann, ist der Bundesnetzagentur zu verdanken. Die hatte Anfang der Woche die nötigen Frequenzen zur Nutzung freigegeben. Im Frequenzbereich zwischen 6.0 und 8,5 Gigahertz dürfen die drahtlosen USB-Geräte künftig funken. Die Sendeleistung ist auf maximal ein Milliwatt beschränkt, was mögliche Belastungen durch elektromagnetische Felder auf ein Minimum reduzieren dürfte. Nach Ansicht der Behörde könne durch die Freigabe der Frequenzen künftig die "USB-Schnittstelle … auf rein funktechnischer Basis realisiert werden" - und das wäre ein Riesengeschäft.

Welch enormes Marktpotential in der Entkabelung der USB-Buchsen steckt, erklärte D-Link-Manager Mike Lange auf der Cebit Preview 2008 in Hamburg. Nach seinen Angaben gibt es weltweit zwei Milliarden USB-Anschlüsse. Bis 2010, so Lange, werden sich zu diesem Riesenmarkt noch 300 Millionen Wireless-USB-Geräte hinzugesellen.

Nur für Kurzstrecken geeignet

Die Verlockung, Kabel-USB durch Wireless USB zu ersetzen, ist groß. In der aktuell gültigen Version 1.0 können damit auf Entfernungen von bis zu drei Metern Datenraten von 480 Megabit pro Sekunde (MBit/s) erreichen werden. Das entspricht dem, was auch per Kabel theoretisch machbar ist. Mit zunehmender Entfernung fällt der Datendurchsatz jedoch ab. Für eine Entfernung von zehn Metern gibt Lange noch 110 MBit/s an.

Ob diese Versprechen in der Realität allerdings gehalten werden können, ist fraglich. Wie bei W-Lan auch können etliche Faktoren, etwa Wände oder andere Hindernisse, die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit limitieren oder gar Verbindungen ganz abbrechen lassen. Auch per Kabel-USB werden die theoretisch erreichbaren Durchsatzraten so gut wie nie erreicht. Allerdings wird schon jetzt an einer Version 1.1 des Wireless-USB-Standards gearbeitet, die Datenraten von bis zu 960 MBit/s schaffen soll. Auf einen Fertigstellungstermin für dieses Update mochte sich Lange aber nicht festlegen.

Für die meisten Anwendungen genügen aber ohnehin weit niedrigere Geschwindigkeiten. Maus und Tastatur etwa sind sehr genügsam. Erst wenn man die volle Ein-Gigabyte-Speicherkarte einer Digitalkamera auslesen oder eine externe Festplatte nutzen will, fallen die Geschwindigkeitsunterschiede wirklich auf.

Lokalisierungsprobleme

Auffallen dürfte hingegen, dass sich Wireless-USB-Geräte, die für unterschiedliche Länder konstruiert wurden, nicht miteinander verstehen werden. Das liegt daran, dass das USB-Standardisierungsgremium USB IF für das drahtlose USB ein viel breiteres Frequenzband vorgesehen hat, als es die Bundesnetzagentur jetzt freigab. Was nun passiert ist, dass die Regulierungsbehörden in aller Welt vollkommen unterschiedliche Frequenzen für die neue Technologie vorsehen.

Damit ein Wireless-USB-Gerät aber die Zulassung für den Betrieb in einem bestimmten Land bekommen kann, muss sein Sendebereich auf das jeweilige Frequenzspektrum begrenzt sein. Die Folge: Ein Wireless-USB-Stick aus den USA wird vermutlich nicht mit einem Wireless-USB-Hub aus Deutschland zusammenarbeiten. Um dieses Problem zu lösen, müsste an den Geräten eine Art Schalter vorhanden sein, der sie auf die im jeweiligen Land erlaubten Frequenzen umschaltet.

Vorerst keine Billiglösung

Den gibt es aber bisher noch nicht. Ohnehin macht die Anpassung der Geräte an lokale Regularien den Herstellern offenbar schwer zu schaffen. So rechnet etwa der D-Link-Manager nicht damit, dass die Wireless-USB-Produkte seines Unternehmens vor dem dritten Quartal 2008 für den deutschen Markt bereit sein werden. In den USA hingegen werden dieselben Geräte bereits seit Monaten verkauft.

Und billig wird der drahtlose Spaß auch nicht werden. Rund 100 bis 120 Euro, so Mike Lange, wird man für ein Set aus USB-Sender und -Empfänger berappen müssen. Ein USB-Kabel hingegen ist schon für einen kleinen einstelligen Euro-Betrag zu haben. Aber, so macht Lange Hoffnung, mit steigender Stückzahl werden natürlich die nötigen Spezialchips und damit auch die Geräte billiger - in ein paar Jahren.

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