Wirre Rechtschreibprüfung Das Mist-Gesetz des Onanier-Ordens

So lustig kann Textverarbeitung sein: Pornofilm statt Portfolio, Kontrakthuren anstelle von Kontrakturen - wenn Software Texte verbessert, geht manches daneben. Leser haben absurde Vorschläge ihrer Programme geschickt. SPIEGEL ONLINE zeigt die witzigsten Fälle von Korrekturkomik.

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Mike Calcagno hat bei Microsoft einen der Jobs mit "echter Machtbefugnis", schreibt die "Seattle Times". Denn Calcagno entscheidet als Manager der "Natural Language Group" letztendlich darüber, welche Wörter und Eigennamen Microsoft in die Wörterbücher seiner Software aufnimmt und welche nicht. Den Nachnamen Obama zum Beispiel kannte die Rechtschreibprüfung von Microsofts Word bis Anfang 2007 nicht. Und so motzte Word bei jedem Obama in einem Text und präsentierte einen absurden Korrekturvorschlag: Osama.

Ein Buchstabe nur wird ausgetauscht - für die Korrektursoftware liegt ein Vertipper also nahe und die Wahrscheinlichkeit, dass der im Wörterbuch gespeicherte Osama gemeint war, ist in der Programmlogik sehr hoch. Die Bedeutung ist natürlich eine radikal andere, aber das erkennen nur Menschen. Weil der Unterschied so auffällig war, ergänzte Microsoft 2007 die Wörterbücher von Office 2003 und 2007 um Obama.

Die deutschen Versionen von Microsoft Word 2002 und Mac Word 2008 liefern allerdings noch immer kuriose Korrekturvorschläge für Barack Obama: Barock soll der US-Präsident heißen, schlägt die Software vor.

Über diese Korrekturkomik berichtete SPIEGEL ONLINE. Leser schickten die absurden Korrekturvorschläge, die ihnen Autokorrektur-Software im Alltag macht - Mist-Gesetz, Onanier-Orden, Sarg-Taste, alles dabei.

Wer im Web diese kreativen Wortschöpfungen der Korrektur-Software sucht, findet viele offenbar hastig per Automatik korrigierte Texte voller großartiger, da gänzlich unbeabsichtigter Komik. Da steht dann auf einer Verbandsseite zum Beispiel dieser Satz: "Ist Work-life-balance etwas, was das Unternehmen fördert: z.B. Homo-Office, flexible Gestaltung der Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsmöglichkeiten etc."? Gemeint war sicher der Heimarbeitsplatz, Home-Office genannt und von Word gerne zu "Homo-Office" korrigiert.

Solche Fehler nennen Linguisten den Cupertino-Effekt. Eine alte Version der Microsoft-Textverarbeitung Word verbesserte wohl eine Zeitlang in englischen Texten die Eingabe "cooperation" durch "Cupertino" - die kalifornische Stadt, in der Apples Firmenzentrale sitzt. Heute noch findet man Hunderte von Cupertinos auf den Web-Seiten von Nato, Uno und EU in Dokumenten, in denen ganz sicher eigentlich von cooperation die Rede sein sollte.

Der US-Linguist Benjamin Zimmer hat diese verblüffenden Fehler erforscht. Er glaubt nicht, dass Menschen in absehbarer Zeit aufhören können, die Korrekturvorschläge von Programmen zu prüfen und die Wörterbücher der Software gegebenenfalls selbst zu ergänzen: "Trotz der Entwicklungen von Microsoft und anderen Software-Anbietern können die Korrekturprogramme nie perfekt sein." Besonders groß seien die Probleme bei Eigennamen und Fremdwörtern. Zimmer: Nach dem 11. September 2001 ergänzte Microsoft zum Beispiel das Office-Wörterbuch um Osama, und damals konnte niemand vorhersagen, dass Obama einst ein bedeutender Name werden würde."

Letzten Endes müssten immer Menschen die Korrekturvorschläge der Software prüfen, sagt Zimmer. Allein: "Leider sind wir nicht immer aufmerksam und verlassen uns zu sehr auf unsere Technik." Zum Glück, sonst hätte noch nie jemand über die "Schuft-Auskunft" lachen können.



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