Zahn um Zahn: Opera verborkt Microsoft

"Bork, Bork, Bork" meldet MSN recht unverständlich, und überhaupt ist das ganze Angebot eher eine Lachnummer für Muppet-Fans - wenn man sich MSN mit der neuesten Betaversion des Opera-Browsers ansieht. Der übersetzt Microsoft-Seiten in Muppet-Schwedisch, weil Microsoft Opera nicht unterstützt. Rache ist süß.

Nachrichten in Muppet-Schwedisch: Opera rächt sich an MSN

Nachrichten in Muppet-Schwedisch: Opera rächt sich an MSN

"Smörebröd, Smörebröd, römpömpömpöm" sang der schwedische Koch der Muppets zu Beginn und zum Ende jedes seiner Auftritte - sein Erkennungszeichen zumindest in der deutschen Übersetzung. Im englischen Original hingegen erlangte er Kultstatus wegen seiner sprachlichen Eigenarten. Das Muppet-Schwedisch zeichnete sich durch T-lastige Lautverschiebungen, vor allem aber durch das "Bork, Bork, Bork" aus, das der namenlose Koch als Ausklang eines Satzes hören ließ: Eine Hommage an Björn, den berühmten Schweden.

Die Fans des Muppet-Schwedisch dürfen sich derzeit freuen. Seit Ende letzter Woche bietet der norwegische Browser-Entwickler Opera eine Bork-Version seines Opera 7-Browsers an. Mit dem kann man im Bork-Bork-Bork schwelgen, bis der Arzt kommt, wenn man will, denn natürlich "verfremdet" der Browser nicht das gesamte Internet.

Das würde ihn ja unnutzbar und damit nutzlos machen, und daran haben die Norweger kein Interesse. Einzig und allein die Seiten des Microsoft-Dienstes MSN werden von der Software unlesbar gemacht, mehr nicht - und das aus gutem Grund, wie man bei Opera findet.

Für Mary Lambert von Opera ist der Bork-Browser einerseits ein Witz, andererseits aber eine Art lehrreicher Racheakt.

Im Oktober 2001 war Microsoft darauf verfallen, die Nutzer des Opera-Browsers schlicht abprallen zu lassen: Wer mit Opera surfte, bekam bei MSN nichts zu sehen. Der folgende öffentliche Aufschrei bewegte Microsoft zu Zugeständnissen, seitdem sehen Opera-Surfer bei MSN zumindest einen Teil der Angebote. Denn nach wie vor "bestraft" der Microsoft-Dienst die Nutzer des Konkurrenz-Browsers, indem er ihnen weniger zeigt, als Internet-Explorer-Nutzern - und in leicht chaotischer Form.

"Die MSN-Website zeigt den Opera-Nutzern Seiten, die absichtlich gestört zu sein scheinen", sagt Mary Lambert. "Mit unserer Bork-Version wollen wir aufzeigen, dass man auch Browser dazu nutzen könnte, bestimmte Inhalte zu zerstören. Was wir damit zeigen wollen, ist, dass der Erfolg des Web darauf beruht, dass die Entwickler von Browsern und Webseiten sich zivil benehmen und ihre Konkurrenzen im Interesse der Nutzer hinten anstellen."

Opera gibt an, sich intensiv darum zu bemühen, auch die Webseiten von Anbietern korrekt anzuzeigen, die sich um die allgemein vereinbarten Standards nicht kümmern. "Aber das ist unmöglich, wenn man absichtlich gestörte Seiten zugefüttert bekommt, die sich auf keinem Browser darstellen ließen", meint Operas Cheftechniker Hakon Wium Lie.

Browser-Kriege

Heftig ausgetragene Konkurrenzen zwischen Browser-Entwicklern haben ihre Geschichte im WWW. Ab 1995 tobte der "Browser-War" zwischen dem damaligen Marktführer Netscape und Microsoft, dem Herausforderer mit (am Ende erfolgreichen) Dominanzgelüsten. Netscape ging daran zugrunde, Microsoft fing sich immerhin einen mehrere Jahre andauernden Prozess ein, der zeitweilig die Existenz des Unternehmens in Frage stellte. Die Mittel des "Kampfes" haben sich seit damals kaum geändert: Der Platzhirsch am Markt setzt Standards, denen die anderen hinterherhecheln sollen. Zum Teil weichen diese Standards von denen ab, die international für das Web vereinbart wurden: Sie haben quasi proprietären Charakter.

Seit dem Aufkommen dynamisch generierter Webseiten können Website-Betreiber zudem gezielt auf die Browser reagieren, mit denen ihre Produkte gelesen werden. Die werden dann mit Inhalten beschickt oder auch nicht, wie im Oktober 2001 im Falle Opera: Der Nachweis, dass dies böswillig geschieht, dürfte allerdings oft schwer zu führen sein. Bis heute haben auch Mozilla und Netscape - im Grunde identische Browser - ihre Probleme mit den Inhalten von dezidiert für Microsoft-Browser geschriebene Webseiten. Ältere Netscape-Browser zeigen gern schon einmal gar nichts, statt Inhalt, neuere gern alternative Seiten-Designs hart an der Grenze zur Lesbarkeit.

Web-Puristen ist all das seit langem ein Dorn im Auge: Eigentlich gibt es international vereinbarte Konventionen darüber, was man bei der Programmierung von Webseiten tun und lassen sollte. Der Trend geht jedoch dahin, diese Grenzen stetig zu verletzen: Jeder Entwickler hat den Ehrgeiz, seinen Nutzern mehr zu bieten als die liebe Konkurrenz. Manche, sagt Opera, haben aber auch den Ehrgeiz, der Konkurrenz weniger zu bieten. Und das, meinen die Norweger, ist Bork, Bork, Bork.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Tech

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 18.02.2003 – 10:22 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback






TOP



TOP