Von Frank Patalong
Der Kölner an sich ist freundlich, lebensfroh, tolerant und heimatverbunden. Sagt man so, und das stimmt auch. Das Konzept der Grenze geht ihm kaum "innen Kopp": Irgendwie ist Köln der Nabel, und der Rest halt Welt.
Das führt zu gewissen, lokalen Eigentümlichkeiten, die "Immis" nur schwer zu vermitteln sind. Für den Kölner gibt es keine In- und Ausländer, sondern nur Kölsche und eben - Immis. Letztere sind alle, die von außerhalb kommen - egal, was für einen Pass sie mit sich herumtragen. Das ist kölsche Toleranz.
Die natürlich auch ihre Schattenseiten hat. So beginnt "Sibirien" auf der "scheelen Sigg" - der "falschen" Rheinseite - und diese Stadt mit "D", die sich Landeshauptstadt schimpft und die man ansonsten kaum erwähnt, wird gemeinhin nur als "der Parkplatz nördlich von Köln" bezeichnet.
Unter dem Strich jedoch hat der Kölner ein großes Herz für alle, die nicht aus Düsseldorf kommen und freut sich immer, die Vorzüge des Nabels gebührend herauszustreichen. Was er dagegen erleidet, ist die gewaltsame Trennung von seiner geliebten Domstadt und die endet - wie gerade gelesen - ja bereits auf der falschen Rheinseite.
Wer sich also qua Genetik Kölsch nennen darf, der gilt als Exilant, sobald er die Alaaf-Zone verlässt. Und das macht den gemeinen Kölner traurig. Grund genug für Karl Udo Gerth, Mitinhaber einer Werbeagentur, seinen armen, entwurzelten Genom-Genossen die "Jlobale-koelsche-Sigge" zu gönnen. Eine Adresse, die um die Welt geht - als Nabel des WWW, sozusagen.
Und was hat er nicht alles zu bieten! Die Seite führt beispielhaft vor Augen, dass regionale Konzepte im ach so weltweiten Medium durchaus ihren Platz haben könnten. Was Gerth hier zusammengetragen hat, ist durch und durch stimmig.
Sicher, die "Nachrichten" sind etwas angestaubt. Doch Hand aufs Herz: Gab es seit dem Sessionsauftakt "om Aldermaat" am 11.11. wirklich etwas Berichtenswertes? Immerhin kommt der Bericht über diesen Mega-Event dann richtig multimedial daher, mit Videos und allem drum und dran.
"Insjesamp 13 Schwadlappe online"
Überhaupt setzt die Jlobal-koelsche-Sigge auf Interaktion mit der heimwehkranken Leserschaft. Im Gästebuch zeigt sich, das sich dieses quälende Gefühl beim Kölner schon einstellt, wenn er allein vor dem Rechner sitzt statt in der Südstadt-Kneipe. Folglich grüßen zumeist Kölner aus Köln andere Kölner in Köln - was der Qualität der virtuellen Veranstaltung aber keinen Abbruch tut. Immerhin grüßt auch Fred aus Australien, der immer wieder einmal einkehrt, und auch in Israel scheint es eine Platt sprechende Minderheit zu geben.
Im Chat geht es dann schon etwas anders zur Sache. "Mädcher för ze singe jesöök", gibt Andrea bekannt, was wohl willkommen sein mag, aber letztlich doch eine Ablenkung vom eigentlichen Thema bedeutet: "Heimweh ess schlimmer als ping" (Schmerz). Übrigens: Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren "insjesamp 13 Schwadlappe" online. Selbst der "Schwad" (von "schwatzen") ist kölsch bis hin zu Counter und Benutzerführung.
Allzuviel Tränen kommen nicht auf: Zwischen rührseligen Reminiszensen an die "Elektrische" und dem launigen Übersetzungsservice "Hochdeutsch-Kölsch", zwischen einem Wust von Web-Cams und - oh Schock! - den Bläck Fööss auch als "Flash 4" warten so viel Dönekes, das man das Gefühl nicht los wird, hier herrsche ganzjährig Karneval.
Was so falsch wohl auch nicht ist. Das wird spätestens klar, wenn man sich auf die "Alternative zum Moorhuhn" einlässt - eines der Highlights der Website. "Rusemondag om Aldermaat, Version 2.1" kommt mit einem fulminanten Soundtrack daher. Die Regeln des kleinen Spiels sind leicht erklärt: "Räächziggig zum Fastelovendsbeginn am 11.11. kann mer schon ens übe wie Kamelle jeschmisse weede. Du muss die Fastelovendsjecke, die am Strosserand stonn, met Kamelle bewirfe un dofür kritt m'r dann Punkte."
Übrigens, kleiner Tipp: Für den Abschuss von "Düsseldorf"-Schildern gibt es Extrapunkte. Das Download ist rund 1,6 Megabyte groß - und ein Lacher.
"Mieh weed he nit verrode, probeet et einfach us."
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