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11.01.2001
 

Nakednews.com

Nichts als die nackten Tatsachen

Ja, es gibt das Programm, das "nichts zu verbergen" hat. Bei den kanadischen "Naked News" verlesen unzureichend bekleidete Damen die Nachrichten. Vorerst nur online.

Toronto - Striptease in den Fernsehnachrichten? Die kanadische Moderatorin Victoria Sinclair findet das ganz selbstverständlich. Schon beim Nachrichtenüberblick öffnet sie die ersten Knöpfe, und spätestens beim Wetterbericht steht sie nackt vor der Kamera.

Victoria, Holly, Diane und Carmen: Schwer seriös und leicht bekleidet
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Victoria, Holly, Diane und Carmen: Schwer seriös und leicht bekleidet

"Naked News" heißt Sinclairs Programm, das seit einem Jahr mit wachsendem Erfolg in der Großstadt Toronto produziert und von dort aus über das Internet weltweit verbreitet wird. Die Chefmoderatorin und drei ebenfalls sehr ansehnliche Kolleginnen tragen die täglichen Nachrichten aus aller Welt mit großer Ernsthaftigkeit vor. Ähnlich wie die Damen (und Herren) der Tagesschau lesen sie ihre Texte mit seriöser Miene ab. Das Ausziehen geschieht ganz nebenbei.

"Papst Johannes Paul hat in Rom vor Zehntausenden von Gläubigen...", trägt die blonde Diane Foster vor und öffnet dabei ihre Bluse. "Palästinenser und Israelis haben sich erneut..." - die gelernte Optikerin streift den Büstenhalter ab, als im Hintergrund ein Bild von Jassir Arafat eingeblendet wird. "Die Waldbrände in Kalifornien..." - die Sprecherin winkelt ein Bein an. "Die Flammen wüteten ..." - der rote Schlüpfer fällt auf den Boden.

Längst haben Sinclair und Foster (zuständig für allgemeine Nachrichten) sowie ihre Mitstriperinnen Carmen Russo (Wirtschaftsnachrichten) und Holly Weston (Entertainment und Sport) ein Millionenpublikum erobert. "Werben mussten wir dafür nicht", erzählt Sinclair. "Ein paar E-Mails, und die Flüster-Propaganda lief bald auf Hochtouren."

Etwa vier Millionen Zuschauer pro Monat schauen sich nach Angaben der Veranstalter die "Naked News" an. Das Nachrichtenprogramm eines echten Fernsehsenders stünde bei einer so vergleichsweise geringen Einschaltquote vor dem Aus. Aber die "Nackten Nachrichten" aus Kanada gibt es bislang nur im Internet. Und da sind vier Millionen treue "Klicker" pro Monat kein übles Ergebnis.

"Anfangs haben sich fast nur Männer eingeloggt", sagt Sinclair. "Inzwischen haben wir ein breit gefächertes Publikum beider Geschlechter." Nirgendwo sonst werde Information so "unterhaltsam" dargeboten wie beim "Internet-CNN für Nudisten".

"Naked News"-Produzent Elliott Shulman genügt das nicht. Er hat größeres vor mit den "ersten traditionellen Fernsehnachrichten, die hüllenlos präsentiert werden" - zumindest in englischer Sprache. Mit Nackt-Nachrichten wurde im Fernsehen schon an verschiedenen Orten in der Welt experimentiert. In der vergleichsweise prüden angelsächsischen Welt schien das bisher jedoch unmöglich.

Jetzt sollen Investoren helfen, aus Shulmans Mini-Firma Naked Broadcasting Inc. einen richtigen Kabelfernsehsender zu machen. "Wir sehen die 'Naked News' als Symbol der Meinungsfreiheit und zugleich als ein Produkt des elektronischen Zeitalters", erklärt Shulman.

Thomas Burmeister, dpa

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