In der Weihnachtszeit wetteifern die Beschäftigten darin, wer die originellsten Türdekorationen ersinnt. 1999 befand sich an der Tür zu Raum 1W070 in OPS 1 die Replik eines Fernmeldeaufklärungs-Raumschiffs mit der Aufschrift "Der funktionsgestörte Weltraum-Weihnachtsmann".
Um andere Büros zu betreten wie etwa das Special Processing Laboratory der NSA, muss man zunächst eine komplexe, unbemannte Station passieren, das so genannte Hochsicherheitsportal. Nachdem man eine von Glas umschlossene Kabine betreten hat, muss derjenige, der weitergehen will, eine Sicherheitsmarke in ein Lesegerät eingeben, wie es sie auch für Kreditkarten gibt. Der Computer prüft dann den Namen der betreffenden Person anhand einer Zugangsliste mit der Codebezeichnung CONFIRM.
Danach tritt ein Augenscanner in Aktion und bietet eine positive Identifizierung, indem er das Muster der Blutgefäße in der Netzhaut am Augenhintergrund feststellt und mit dem in der CONFIRM-Datenbank gespeicherten Muster des Betreffenden vergleicht. Die Netzhaut eines Menschen ist einzigartig und verändert sich im Lauf des Lebens auch nicht. Schließlich wird noch das Gewicht des Betreffenden gemessen und wiederum im CONFIRM-System abgeglichen, um sicherzustellen, dass sich nur eine Person diesseits des Portals aufhält. Erst wenn alles übereinstimmt, kann die Tür mit dem roten Siegel geöffnet werden.
Die NSA entwickelt ständig mehr und komplexere biometrische Identifikationssysteme. "Der Einsatz der Biometrie zur Identifikation und Beglaubigung von Menschen bietet einige einzigartige Vorteile", so Jeff Dunn, der bei der NSA für Biometrie und Schutzsysteme zuständig ist. "Nur eine biometrische Beglaubigung begründet eine Identifikation anhand eines unverwechselbaren Körperteils eines Menschen. Äußere Zeichen - etwa so genannte "smart cards", Plastikkarten mit Magnetstreifen, Schlüssel und so weiter - können verloren, gestohlen, nachgemacht oder zu Hause vergessen werden. Passwörter kann man vergessen, anderen mitteilen oder heimlich beobachten."
1999 installierte die NSA im Rahmen eines Pilotprojekts eine Reihe multibiometrischer Sicherheitsstationen. Bei diesen Stationen werden Fingerabdrücke, menschliche Stimmen und das menschliche Gesicht in einem einzigen System von neuen Technologien erfasst. Bei der Gesichtserkennung wird ein Computer mit "statistischem Wissen über menschliche Gesichter" programmiert, sodass er Bilder von Gesichtern in ihre Einzelteile zerlegen und wieder zusammensetzen kann.
Sobald sie das Hochsicherheitsportal hinter sich gebracht haben, müssen manche Beschäftigten noch einen spurengesicherten Bereich betreten, um zu ihrer Arbeit zu gelangen. Wie der Name schon andeutet, ähnelt der Vault Type Room (VTR), der gewölbeähnliche Raum, einem großen, begehbaren Banksafe mit einer schweren dicken Stahltür und einem riesigen Kombinationsschloss.
Aber selbst in Crypto City, selbst in einem der Gebäude der Stadt, selbst in einem Raum mit einem roten Siegel und schließlich auch mit einem Vault Type Room muss man gelegentlich immer noch wie bei einem chinesischen Puzzle eine weitere verschlossene Tür öffnen. Dazu muss man sich zunächst zu einem hohen, stählernen schrankähnlichen Gerät begeben, einer Automated Key Access Machine (AKAM), einer automatischen Schlüsselzugangsmaschine.
Nachdem man seine Dienstmarke und seine PIN-Zahl eingegeben hat, durchsucht der Computer die Zugangslisten und entscheidet, ob der Betreffende Zugang erhält, holt den Schlüssel und reicht ihn mit einem Roboterarm hinaus. Jede Maschine hat auf einem Karussell 406 Schlüssel gespeichert und eine Reaktionszeit von weniger als 30 Sekunden. Überdies kann sie die Bewegungen der Schlüssel vollständig verfolgen.
Obwohl man annehmen könnte, irgendein von Sicherheitsfragen besessener Wissenschaftler hätte sich AKAM in irgendeiner dunklen Ecke der NSA ausgedacht, wurde das System in Wahrheit für den Einsatz bei Autohändlern konstruiert. Ein für Aspekte der Sicherheit zuständiger NSA-Angestellter entdeckte das Gerät einmal, als er sich einen neuen Wagen kaufen wollte, und erkannte dessen Potenzial. Die Behörde hat dann in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Key Systems daran gearbeitet, die Ausrüstung für den Einsatz in Crypto City zu modifizieren. Schließlich führt noch ein weiterer Durchgang zum Headquarters Building. Wie das OPS 1 residieren dort in erster Linie Beschäftigte des Operationsdirektorats, des DO.
In den Büros kritzeln einige Leute auf grünen Schreibtafeln herum, während andere sich in "Gruppenbereichen" unterhalten, informellen Treffpunkten, darauf angelegt, den Ideenaustausch der Angestellten untereinander zu fördern. Die meisten arbeiten in unauffälligen schulterhohen Kabinen und tippen auf der Tastatur eines von Sun Microsystems gebauten UNIX-Systems herum oder an einer Workstation von Dell. Viele der Beschäftigten haben zwei separate Computerterminals auf dem Schreibtisch. Manche, vor allem Sprachenanalytiker, verfügen auch über Tonbandgeräte, um abgefangene sprachliche Mitteilungen anzuhören. Manchmal sind zwei Tonbandgeräte nötig, um beide Seiten einer Unterhaltung zu hören.
Ebenso ist jeder Schreibtisch mit zwei Arten von Telefonen ausgerüstet: mit "schwarzen" Telefonen für normale Gespräche und mit "grauen" abhörsicheren Telefonen, den so genannten STU-III (Secure Telefone Unit 3; ausgesprochen "Stew"-3).105 Die STU-III-Telefone wurden Mitte der Achtzigerjahre im Auftrag der NSA entwickelt. Zuvor verwendete die NSA die weit schwerfälligeren STU-I und STU-II-Systeme, die noch aus den Siebzigerjahren stammten. Der hauptsächliche Nachteil dieser früheren abhörsicheren Telefone war die Notwendigkeit, zunächst eine "zentrale Anlaufstelle" anzurufen, bevor der Anruf zustande kam, was zu einer Verzögerung von zwei bis drei Minuten führte.
Das STU-III kann sowohl als abhörsicheres Telefon für Gespräche genutzt werden, die als geheim oder streng geheim mit Codewort eingestuft sind, oder als ein "POTS" ("plain old telefone system", "einfaches altes Dampftelefon") für normale, nicht als geheim eingestufte Gespräche. Um "abhörsicher zu werden", führen sowohl der Anrufer als auch die Person am anderen Ende einen "Krypto-Zündschlüssel" aus dünnem schwarzen Kunststoff in ihr STU-III-Gerät ein. Viele Angestellte tragen den Schlüssel an ihrer Halskette, an der auch ihre Sicherheits-Dienstmarke befestigt ist. Sobald der Schlüssel eingeführt ist, verrät ein kleines Display am Telefon dem Angerufenen am anderen Ende, welche Sicherheitseinstufung der Inhaber des Schlüssels hat - geheim, streng geheim oder streng geheim mit Codewort.
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