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29.08.2001
 

Kino mit Kanten

2001 - A Lego Odyssee

Von Meike Fries

Die Welt ist eckig - zumindest die der ständig wachsenden Zahl der Lego-Filmfans. Hunderte von kantigen, kleinen Kinoerlebnissen warten auf den Download - ein absolutes Web-Highlight.

Augenblicke atemberaubender Spannung: Dave weiß, dass er ein Problem hat...
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Augenblicke atemberaubender Spannung: Dave weiß, dass er ein Problem hat...

Wer in den achtziger Jahren groß geworden ist, erinnert sich vielleicht noch an den schwelenden Konflikt zwischen Lego- und Playmobil-Anhängern. Es ging um die simple Frage, welches der Spielzeuge das Bessere sei.

Natürlich hatten die Lego-Anhänger recht. Während Playmobil eine recht statische Angelegenheit war (die Beine der Männchen ließen sich nicht mal einzeln bewegen!), konnte man mit Lego stundenlang gedankenverloren auf dem Teppichboden sitzen und dem Autismus frönen. Ein komplettes Paralleluniversum aus Plastik war ein durchführbares Projekt für einen verregneten Sonntag.

Für viele scheint die Faszination der kleinen bunten Steine ungebrochen. Unzählbar sind die Fanseiten im Internet, auf denen meist männliche Mitmenschen über 20 aus ihrem Leben in der Steinzeit berichten. Das größte deutschsprachige Lego-Forum findet sich unter www.1000steine.de, die internationale Variante ist die "International LEGO Users Group" (LUGNET), ein virtueller Tummelplatz für Lego-Fans aus aller Welt.

Dort vermittelt eine überdimensionale Linkliste einen Eindruck davon, was in der Disziplin Lego alles an wunderlichen Fachgebieten existiert. Spannender allerdings als die Homepage von "Legofreak Karl-Heinz" oder Katalogscans von 1972 sind Filme, die mit Lego-Spielzeug gedreht und ins Netz gestellt wurden.

Das größte Archiv für Lego-Filme aus der ganzen Welt bietet das Brickfilms Movie Directory. Über hundert Filme zwischen wenigen Sekunden und einer halben Stunde Länge sind hier verzeichnet. Vom Rockvideo über eine Sitcom mit Rick und Steve, dem angeblich glücklichsten Lego-Schwulenpaar der Welt bis hin zu Matrix-Kampfszenen mit Legomännchen: Die thematische Bandbreite ist beeindruckend und die filmische Umsetzung herz- und zwerchfellerweichend.

Drage & Mines, Stars der Lego-Szene

...als HAL ihm mitteilt: "Dave, I went nuts"
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...als HAL ihm mitteilt: "Dave, I went nuts"

Im Brickfilms Archiv finden sich auch die Filme der beiden Briten Tim Drage und Tony Mines, die gemeinsam die Produktionsfirma "Spite Your Face" betreiben und als Speerspitze der Lego-Filmer-Szene gelten. Anfang des Jahres brilllierten sie bei einem Film-Contest in Edinburgh mit dem Kurzfilm "ONE: A Space Odyssey", einer hinreißenden Parodie auf Stanley Kubricks 2001. Bekanntheit in der Lego-Szene erlangten sie schon vorher mit "All of the dead", dem ersten Horror-Streifen mit Lego-Zombies.

Dass Lego-Filme eine prima Sache sind, hat auch die Lego-Company selbst festgestellt und warf unlängst die Spielzeugreihe "Lego Studios" auf den Markt. Die Grundausstattung, das gemeinsam mit Hollywood-Regisseur Steven Spielberg entwickelte "Lego Moviemakers Set" soll mit einer Digitalkamera und kindgerechter Software 8- bis 16-Jährigen die notwendige Ausstattung an die Hand geben, um eigene Legofilme zu drehen.

Die offiziellen, auf der Lego-Homepage abrufbaren Filme "Jurassic Bark", "Jewel Quest" und "Dino Cop" kommen so auch weitaus professioneller daher als die in den Tiefen des Netzes auffindbaren Produkte der Lego-Nerds, die häufig noch analog mit Super8 oder Video gedreht haben. Geschmackssache, was charmanter daherkommt, und

Brüllend komisch: Nie eckten Monty Python mehr an als in der kantenreichen Version
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Brüllend komisch: Nie eckten Monty Python mehr an als in der kantenreichen Version

fraglich auch, was technisch besser funktioniert. Über das neue Produkt und auftauchende Softwareprobleme wird denn auch in den Foren der Lego-Filmer diskutiert: "Wir sollten alle als Beta-Tester bezahlt werden", schreibt da einer.

Beruf: Lego-Profi

Die beiden Superhelden der Lego-Filmszene Drage und Mines jedenfalls werden tatsächlich seit kurzem von Lego bezahlt: Ihre erste animierte Arbeit für den Spielzeugkonzern ist eine Szene aus der Monty Python-Klamotte "Die Ritter der Kokosnuss". Auf den neuen Arbeitgeber angesprochen, schreibt Tim Drage im Brickfilms-Forum: "Wir sind glücklich! Wir werden dafür bezahlt, dass wir mit Lego spielen!"

Verwerflich findet es dort niemand, dass Drage und Mines nun sozusagen aus dem Underground ins Lego-Establishment aufgestiegen sind. Im Gegenteil freut man sich mit ihnen darüber, mit dem eigenen Spieltrieb nun Geld zu verdienen und gratuliert vor allem zu dem furiosen filmischen Ergebnis.

Der stets freundliche Tonfall unter den Lego-Fans ist übrigens tatsächlich auffällig. Mag sein, dass die Endlosschleife Kindheit das eben so mit sich bringt. Charmant ist jedenfalls auch die deutschsprachige Homepage des Legofilmers Marcel Belledin, der beim Stöbern in alten Spielsachen von "einem hellen Lichtstrahl" getroffen wurde und zum Lego-Filmer mutierte. Belledin drehte bislang zwei Krimis und einen Ninjafilm mit Super8, zuletzt entstand ein schwarz-weißer Horrorstreifen digital. Alle Filme lassen sich von seiner Homepage downloaden.

Mit welchen Mitteln die Lego-Filmer auch immer ihre Filme aufnehmen werden, wir freuen uns jetzt schon auf Planet der Legoaffen, Legolution, Brick Jones - Lego zum Frühstück und auf was alles, was da noch kommen mag.

Und nehmen dafür auch die elend langen Ladezeiten in Kauf.

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