"Sehr geehrte Damen und Herren", begann höflich eine E-Mail, die SPIEGEL ONLINE am Mittwochmittag erreichte, "aufgrund der Geschehnisse in den USA stehen folgende Domains zum sofortigem Verkauf bereit:
Kosten:
eine Domain: $50.-
zusammen: $520.-"
Das wäre - in diesen Tagen, in denen sich alles um dieses eine, große Thema dreht - tatsächlich ein Sonderangebot, wenn es nicht so sonderbar wäre.
Die Mail ist namentlich gezeichnet und mit einer Handynummer versehen. Schneller ID-Check: Ja, die Nummer gibt es, angemeldet auf eben diese Person in München. Der Mann nimmt nach wenigen Sekunden ab.
SPIEGEL ONLINE: Guten Tag. Sie haben uns eine Mail geschrieben?
Mann: Ja.
SPIEGEL ONLINE: Was hat es damit auf sich?
Mann: Das ist alles so, wie es in der Mail steht.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben Domains zu verkaufen. Warum, meinen Sie, sollten wir die kaufen wollen?
Mann: Das habe ich mir gedacht, weil Sie ja jetzt sehr viel aktuelle Berichte dazu machen.
SPIEGEL ONLINE: Und Sie sind Besitzer dieser Domains?
Mann: Ja.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind also Jo Leigh?
Mann: Wie bitte?
SPIEGEL ONLINE: Ihre Domain "americanattack.com" ist auf einen Jo Leigh zugelassen.
Mann: Ich habe von meinem Serviceprovider die Zusage, dass die Domains mir gehören.
SPIEGEL ONLINE: Wir haben die Domains überprüft. Die meisten sind tatsächlich seit gestern registriert, aber nicht auf Sie.
Mann: Ich habe von meinem Serviceprovider die Zusage, dass die Domains mir gehören.
SPIEGEL ONLINE: Finden Sie das okay, jetzt solche Domains zu verkaufen?
Mann: Ja. Warum?
SPIEGEL ONLINE: Finden Sie das nicht makaber?
Mann: Nein. Ich kann das mit den Domains auch noch mal überprüfen, wenn Sie Interesse haben.
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie Domain-Händler?
Mann: Nein.
SPIEGEL ONLINE: Und warum wollen Sie uns dann jetzt Domains verkaufen?
Mann: Nur so. War eine Idee.
Und zwar eine, die weltweit zahlreiche Personen hatten. Die meisten der von dem Münchner angebotenen Domains sind in ihren .com-, .net- und .org-Varianten tatsächlich bereits am Dienstag reserviert worden, nur Stunden nach den Terroranschlägen. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass hinter dem Angebot des Müncheners keinerlei betrügerische Absicht stand: Wahrscheinlich kam es zu zahlreichen Parallel-Registrierungen, die einfach nicht schnell genug abgeglichen werden konnten.
Erste Websites sind auf diesen Domains bereits entstanden. Auf anderen prangt groß ein Schriftzug, den auch der von uns hier anonym gehaltene Münchner gerne dort platziert hätte: "Zu verkaufen."
Frank Patalong
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