Von Jochen Bölsche
Wer sich für den "Heiligen Krieg" (Dschihad) rüsten will, erfährt auf einer deutschsprachigen Website, wie der Aufenthalt im Gastland genutzt werden kann, um unauffällig den Umgang mit Messern, Schwertern und Handfeuerwaffen zu trainieren oder Geld für die afghanischen Taliban zu sammeln.
Eine "militärische Ausbildung" zu erwerben, sei eine "islamische Obligation, es besteht keine Wahlfreiheit," verkündet die Website www.qoqaz.de. Dazu wird aus dem Koran zitiert: "Und rüstet gegen sie auf, soviel ihr an Streitmacht und Schlachtrossen aufbieten könnt..."
Der Ausdruck "Schlachtrosse" beziehe sich "in unserem Zeitalter" nach Ansicht von "islamischen Gelehrten" nicht mehr auf Pferde, sondern auf "jegliche Formen moderner Waffentechniken ... wie z. B. Infanterie-Waffen, Tanks, Artillerie, Flugzeuge usw."
Die deutsche Website - Ableger einer in London gestalteten radikal-islamischen Web-Publikation - fordert die Leser dazu auf, regelmäßig in einem Fitness-Center zu trainieren, allerdings zu einer Zeit, "in der so wenig Frauen wie möglich verkehren". Denn: "Öffentliche Fitnesscenter sind im allgemeinen unislamische Orte mit lauter Musik und unpassend gekleideten Frauen und Männern". Fortgeschrittene sollten Kampfsportvereinen beitreten, "die den Umgang mit Waffen, wie z. B. Schwert und Messer, vermitteln".
Überlebenstraining lasse sich am besten praktizieren, "wenn man mit einigen Brüdern zum Campen in die freie Natur geht". Campingplätze seien allerdings zu meiden, "da dort viele Annehmlichkeiten wie warme Duschen, Strom und Gas usw. bereitgestellt werden".
Um den Umgang mit Handfeuerwaffen zu erlernen, sollten die künftigen Gotteskrieger versuchen, "einem Schützenverein beizutreten". Unauffälliges Verhalten sei dabei unabdingbar: "Erzählt es niemandem, wenn ihr einen solchen Kurs besucht. Während ihr im Kurs seid, behaltet eure Meinung für euch, diskutiert mit niemandem, predigt nicht den Islam und betet heimlich." Es gehe schließlich darum, sich "für den Dschihad vorzubereiten und nicht um die Leute zum Islam aufzurufen".
Billig: Lehrmaterial vom Gegner
Die Teilnahme an Ausbildungslagern im Aufenthaltsland sei riskant. Daher empfehle es sich, den Umgang mit leichten Waffen, Panzern und Minen anhand von US-Militärhandbüchern zu erlernen, die als CD vorlägen und für weniger als 100 Dollar per Internet bestellt werden könnten: "Es ist sehr nützlich, ein ganzes Set solcher CDs für eure Moschee oder Islamische Gemeinde zu beschaffen, so dass sie jeder nutzen kann."
Links führen zur Website www.azzam.de, die ebenso wie www.qoqaz.de von einem Anbieter im westfälischen Münster verantwortet wird, und die unter anderem zu Geldspenden für die Taliban aufruft, dessen Unterstützung "momentan oberste Priorität" habe. Spenden Über 20.000 Dollar sollten von "jungen, starken und auch fitten Muslimen" per Flugzeug ins pakistanische Karatschi gebracht und dem dort akkreditierten afghanischen Generalkonsul persönlich übergeben werden.
Auch muslimische Techniker und Wissenschaftler in aller Welt sollten ihr Wissen in den Dienst des "Heiligen Krieges" stellen: "Hast Du vor, den Rest Deines Lebens mit der Entwicklung von Lösungen für die Feinde der Muslime zu verbringen, die DEINE Brüder und Schwestern mit der Tinte DEINES Füllers töten?"
Zugleich wirbt www.azzam.de um Verständnis für die Weigerung Afghanistans, den Terroristenführer Ussama Ibn Ladin auszuliefern: Nach der Glaubenslehre sei es "einem Muslim verboten, einen anderen Muslim an einen 'Kafir' (Ungläubigen) auszuliefern, was auch immer der Grund und die Umstände seien".
Die englischsprachigen Mutterseiten von qoqaz.de und azzam.de werden von der britischen Firma Azzam Publications verantwortet. Benannt ist der Verlag nach Scheich Abdallah Azzam , einem 1989 nach einem Attentat ums Leben gekommenen Mitstreiter von Ussama Ibn Ladin. Die in London registrierte Firma, die unter anderem Videos und Bücher Über den "Heiligen Krieg" in Bosnien, Palästina, Afghanistan und Tschetschenien vertreibt, versichert auf ihren Websites, offenbar aus juristischen Gründen, sie verbreite lediglich Nachrichten über den weltweiten "Heiligen Krieg": "Wir entsenden keine Leute, um für den Dschihad zu trainieren oder daran teilzunehmen. Wir sammeln kein Geld für die Mudschahidin. Wir bieten keine Anweisungen zum Selbstbau von Sprengkörpern."
Wer ein "Dschihad-Training im Ausland" absolvieren will, erhält daher den Ratschlag: "Kontaktiert Einzelne, die ihr kennt und denen ihr vertraut."
Während dieser Artikel verfasst wurde, verschwand azzam.de sukzessive aus dem Netz.
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