Da ist was dran - zumindest bei PressPlayster. Andererseits: Wer wollte die Werke, die dort zu Online-Markte getragen werden, auch schon käuflich erwerben?
Schön, dass - ganz kostenlos - gerade "Yes Sir, I Can Boogie" als "now playing" geboten wird. Seltsam, dass zu den heißen Tipps des Tages seit einem halben Jahrhundert bekannte Künstler wie Mr. Acker Bilk gehören. Nett, dass PressPlayster gerade die B-Seiten von Leif Garrett, Napalm Death' "Greatest Ballads" und die gesammelten Soloalben von Mick Jagger empfiehlt. Blöd, dass all das wirklich frappant an die kommerziellen Börsen der Musikindustrie erinnert.
Denn der Tiefschlag sitzt.
Hinter der beißend komischen Parodie "PressPlayster" steckt der englische Sänger Toby Slater, der sich irgendwann einmal von
der Musikfirma Virgin "befreite" und nun "völlig unabhängig" seine Musik vermarktet. Das tut er pfiffig: Wohin man auch klickt, tönt Slater - was in Anbetracht der angeblich bei PressPlayster angebotenen Musik allerdings eine echte Erleichterung ist. Allein den Hit "We Own The World" der Band "RIAA For Acquisition" hätten wir gern gehört, und dass angeblich Hilary Rosen vom Musikindustrie-Lobbyverband RIAA bei PressPlayster die Anti-Hits aussucht, ist so passend wie demaskierend.Denn eigentlich, das will PressPlayster klarmachen, sind solche Websites ein Fake, ein So-Tun-Als-Ob: Wer so ein Angebot auf die Beine stellt, der will das eigentlich gar nicht.
Da ist es nur logisch, dass die "Werbung" für den mobilen MP3-Player ein Modell mit angehängter Stahlkette
und -kugel zeigt. Und auch der Preis von nur noch 25 Dollar im Monat für "unbegrenzte 100 Downloads im Jahr" erscheint angemessen.Toby Slater glaubt, mit diesen hämischen Kommentaren zur Realität der kommerziellen Musikbörsen den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben: "Die haben zu starke Sicherheitsmaßnahmen, nicht genug Stoff im Katalog und zeigen eine Grundeinstellung, die heftig zwischen dem verzweifeltem Bemühen, cool sein zu wollen und einem 'wir-brauchen-keine-Kunden'-Standpunkt schwankt".
Ja, so wirkt das manchmal.
Aber besonders weit, glaubt Slater, hat bei der Konzeption der Kommerzdienste bei der Musikindustrie wohl auch niemand gedacht. Wie sonst, fragt er, hätte es möglich sein können, dass er sich im Vorfeld der
PressPlay-Veröffentlichung die Alternativ-Domains press-play.net oder press-play.org hat sichern können?Da hat er recht: Normalerweise "rasieren" Unternehmen das Web rund um ihre Domain, sichern sich so viele denkbare Aliase wie nur möglich. Für Toby Slater ist PressPlayster mehr als nur eine gelungene Eigenwerbung oder eine Verhöhnung der oft halbherzig und wenig durchdacht wirkenden Kommerz-Websites: Er übt mit PressPlayster eine, wie er meint, berechtigte Fundamentalkritik am Gebaren der großen Konzerne.
Was die wirklich wollten, drückt er im "Kleingedruckten" seines "Kommerz-Dienstes" so aus: "Die Nutzung dieses Dienstes ist verboten, wenn Ihr Computer nicht mindestens 180 Pfund wiegt und als angekettete, nichttransportable Gerätschaft klassifiziert ist". Im Copyright-Vermerk schließlich heißt es: "Das Summen, Singen oder Zitieren aus den hier angebotenen Liedern stellt eine Copyright-Verletzung dar".
Es geht um Kontrolle, meint Slater, nicht um einen Dienst am Kunden - oder Künstler.
Frank Patalong
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