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26.02.2002
 

Musikindustrie und Copyright

"Kein Entertainment zum Nulltarif"

Die Musikindustrie erkennt mit Grauen, dass kopierte CDs heute "weniger als eine Eiskugel" kosten. Davor muss sie per Gesetz geschützt werden, fordert Thomas Stein, Europa-Chef der BMG.

Thomas Stein weiß, dass CDs im Dutzend billiger sind: Da sei doch bitte der Gesetzgeber vor
DPA

Thomas Stein weiß, dass CDs im Dutzend billiger sind: Da sei doch bitte der Gesetzgeber vor

Stein hat sich für eine rasche Verbesserung des Urheberrechtsschutzes für digitale Medien ausgesprochen. Die jüngst im Bundestag gestellte Diagnose sei zwar richtig, jetzt aber müsse die Therapie folgen, die die Erwartungen der Kreativen auch erfülle. Stein: "Dazu gehört auch, gegen das illegale Kopieren von CDs und das CD-Brennen einzuschreiten."

BMG-Europe-Chef Stein kritisierte, dass die Bundesregierung es versäumt habe, parallel zur Diskussion um die Novelle des Urhebervertragsrechts den Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberschutz im Informationszeitalter vorzubereiten. "Ich befürchte nun, dass der Stichtag Ende 2002 verstreichen könnte und Deutschland seine Hausaufgaben auf diesem so wichtigen Feld nicht erledigt hat."

Die Branche brauche dringend einen neuen gesetzlichen Rahmen für veränderte Bedingungen. "Die Musikindustrie wird gleich mit mehreren Problemen konfrontiert: Da ist zum einen die kinderleichte Vervielfältigung von Tonträgern zu einem Bruchteil der ursprünglich dafür aufgewandten Kosten. Seit CD-Brenner in vielen Kinderzimmern zur Grundausstattung gehören und Rohlinge weniger als eine Eiskugel kosten, bricht uns der Umsatz in gefährlichen Dimensionen weg, zum anderen müssen endlich technische Schutzsysteme, zum Beispiel Kopierschutz, gegen Umgehung geschützt werden", sagte Stein. Schließlich müsse ein wirksamer Rechtsrahmen zur Bekämpfung der Online-Piraterie geschaffen werden.

In knapp einem Jahr wurden in Deutschland 133 Millionen CD- Rohlinge mit Musik bespielt. Dieses Volumen entspräche etwa zwei Drittel aller in Deutschland verkauften Longplay-Musik-CDs. "Die Verluste durch private Vervielfältigung im vergangenen Jahr belaufen sich auf schätzungsweise 500 Millionen Euro", so der Europa-Chef der Bertelsmann Music Group, die zu den weltweit größten Musikfirmen gehört. "Die anstehende Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie unterstützt hoffentlich das Bestreben der Tonträgerindustrie sich gegen das massenweise illegale Kopieren zu schützen. Unsere Forderung ist klar und deutlich: Entertainment zum Nulltarif darf es nicht geben."

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