Von Martin Schnelle
Seit der Firmengründung Mitte der neunziger Jahre galt Spieleentwickler Discreet Monsters als klassisches New-Economy-Vorzeigeunternehmen. Genauso klassisch war der Niedergang Ende 2000, nach dem Einbruch des Neuen Marktes. Firmengründer Siggi Kögl versucht sich nun trotzdem als Phönix aus der Asche und bringt das Spiel zu Michael Endes berühmtesten Roman auf den Markt. Keine unendliche, aber eine lange lehrreiche Geschichte.
1996 mit nur fünf Mitarbeitern gegründet, machte sich Discreet Monsters an das ehrgeizige Projekt, Michael Endes Roman "Die Unendliche Geschichte" als Computerspiel umzusetzen. Die Firma erhielt schnell 4,5 Millionen Mark Venture-Capital. Der Börsengang folgte, und Ende 1999 beschäftigte Discreet Monsters über hundert Mitarbeiter.
Inzwischen wurde in der Branche schon über das Projekt "The Real Neverending Story" gewitzelt, das ja offensichtlich nie ein Ende finden würde. "Wir haben den Aufwand maßlos unterschätzt", sagt Firmengründer Siggi Kögl heute, der das Spiel eigentlich innerhalb von eineinhalb Jahren fertiggestellt haben wollte.
Die fünf größten Fehler beim Entwickeln eines Spiels
Heute gesteht Kögl ein, dass Discreet Monsters wohl "sämtliche wichtigen Fehler gemacht hat", die überhaupt möglich sind:
Die Firma trieb unaufhaltsam der Insolvenz entgegen. Kögl, inzwischen Geschäftsführer der Attaction GmbH, kaufte später, als schon alles vorbei schien, die Rechte am Spiel zurück, und so entwickelten fünf Leute in nur sechs Monaten das Produkt "Auryn Quest" unter Benutzung der vorher geleisteten Arbeit.
Auryn Quest
Doch wo einst zu hochfliegende Träume gehegt wurden, herrscht nun zu viel Pragmatismus: Aus der "Unendlichen Geschichte" wurde ein recht banales Computerspiel mit englischem Titel, "Auryn Quest". Wobei sich nebenbei die Frage stellt, warum ein deutsches Softwarehaus mit einer deutschen Lizenz angelsächsische Namen wählt.
Und darum geht es im Spiel: Das Symbol der Kindlichen Kaiserin, das Auryn, wurde gestohlen, und nun wird ihr Reich Fantasien mal wieder vom Nichts bedroht. In der Rolle des Atréju, der mittlerweile ein hippes Ziegenbärtchen trägt, muss der Spieler in verschiedenen Welten Energiepunkte sammeln: Das ist nicht viel mehr als Jump-and-Run.
Der Bezug zum Anliegen der literarischen Vorlage ist somit auch nur gering - Kögl dazu: "So etwas ist mit einem Computerspiel nicht möglich, es ist ja kein Film. Am ehesten kommen wir noch dem Motto des Buches entgegen: Tu, was du willst. Und der Spieler ist hier frei, er hat volle Bewegungs- und Handlungsfreiheit."
Was natürlich nicht komplett stimmt, denn das Spiel zwingt ihn in bestimmte Bahnen. Der ziemlich schnell durchzuspielende Titel richtet sich laut Kögl auch nicht an die Zockergemeinde, sondern mehr an den Gelegenheitsspieler. Ob der "Unendlichen Geschichte" am PC somit Erfolg beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Das Team arbeitet zumindest an einem Nachfolger sowie einem Spiel für den Nintendo Gamecube.
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