Offenbar häufen sich zurzeit solche unangenehmen Entdeckungen auf der Telefonrechnung: "Wir verzeichnen derzeit auffällig viele solcher Beschwerden", ist Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) in Berlin aufgefallen.
Dabei wären die Dialerprogramme für den Internetsurfer eigentlich sogar von Nutzen. Über sie können kostenpflichtige Angebote im Web wie Datenarchive und Videos genutzt werden, ohne dass der User seine Kreditkartennummer preisgegeben muss. Doch viele unseriöse Dialer installieren sich oft unbemerkt, weisen nicht auf ihre erhöhten Kosten hin oder richten sich als Standardverbindung ein.
Die Folge: Wer einmal einen Dialer auf der Festplatte hat, wählt sich unter Umständen jedes Mal über die teure Nummer ein und surft für mehrere Euro pro Minute im Internet. Das teuerste Programm, das bisher entdeckt wurde, soll happige 900 Euro für den Verbindungsaufbau berechnen.
"Erhöhte Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht", sagt Axel Kossel, Redakteur des Computermagazins "c't". "Aber Grund zur Panik gibt es nicht." Kaum eines der 0190-Programme lade sich unbemerkt auf den Rechner herunter. Den Großteil der Einwahlprogramme fingen sich vor allem ungeübte Surfer ein.
Vorsicht auch bei Comic-Nikoläusen und Schneemännern
Die Dialer-Programme wurden bisher fast ausschließlich auf Erotikseiten gefunden. Doch in letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen von scheinbar seriösen Adressen aus E-Mails mit Anhang verschickt werden. Der Anhang enthält dann aber nicht, wie vielleicht angekündigt, ein Software-Update, sondern ein Dialer-Programm. Dabei werden oft die jüngsten Familienmitglieder angesprochen: Die Internetfahnder der Münchner Polizei ermitteln derzeit gegen Firmen, auf deren Seiten sich beim Anklicken von Comic-Nikoläusen oder Schneemännern Dialer auf die Festplatte laden.
Erst vor kurzem musste der Microsoft-Konzern vor einer falschen Virus-Meldung warnen: Wer den Angaben der E-Mail von "info@microsoft.de" folgte und sich ein angebliches Virenschutz-Software herunterlud, installierte sich so einen der umstrittenen ISDN-Dialer.
Oft werden die hohen Gebühren des Dialers zwar in einem Pop-Up-Window angezeigt, aber geschickt verdeckt: "Häufig öffnen sich gleichzeitig mehrere Fenster und überlagern so den Kostenhinweis", warnt Kossel.
Um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, sollten Internetnutzer auf jeden Fall die höchste Sicherheitseinstellung ihres Internetbrowsers wählen, rät Kossel. Da in letzter Zeit auch vor Dialern gewarnt wird, die sich über das so genannte ActiveX-Control-Programm auf den Rechner laden, sollte zudem die ActiveX-Steuerung beim "Internet Explorer" deaktiviert werden.
Die Aussicht auf Rückerstattung der Telefongebühren ist gering
Auch wenn viele 0190-Verbindungen die auffallende Vorwahl unterdrücken, sollten außerdem regelmäßig die Internetverbindungen im DFÜ-Netzwerk auf 0190-Nummern kontrolliert werden.
Wer trotz aller Vorsicht am Ende des Monats einen unerklärlichen überdurchschnittlich hohen Betrag auf seiner Telefonrechnung feststellt, sollte Einspruch dagegen erheben und ihn eventuell zurückbuchen lassen, rät Verbraucherschützerin Elbrecht. Wichtig ist dabei, dass ein Einzelverbindungsnachweis auch die einzelnen Verbindungen aufschlüsselt, und nur die Kosten über die 0190er-Nummer beanstandet werden.
Die Aussicht auf eine erfolgreiche Beschwerde ist jedoch gering. Frank Domagala, Sprecher der Deutschen Telekom in Bonn, sieht in solchen Fallen die Schuld beim Internetsurfer, da die Dialer nach einer Beobachtung der Telekom immer "aktiv installiert werden müssen".
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