Von Frank Patalong
Das Klo, Entsorgungsort diverser Verdauungsrückstände: Sauberer als eine PC-Tastatur?
Eigentlich ist die Sprache der Techniker voller Selbsterkenntnis. Man besehe sich nur das Wort "Bug": Das steht im IT-Englisch für einen Fehler im System - sei es Hard- oder Software. So was muss man ausrotten, säubern, reparieren.
Wie im richtigen Leben. "Bug" - also Käfer - heißt der Computerfehler angeblich deshalb, weil in den guten alten Tagen Kurzschlüsse und System-Zusammenbrüche vor allem durch Insekten, Wanzen, Mäuse oder gar Ratten verursacht wurden, die sich in die schrank- bis wohnhausgroßen Kisten verirrt hatten. Das ist zum Glück vorbei.
In einen heutigen Laptop passt keine Ratte mehr. Wohl aber, behaupten Forscher der Universität Arizona, ein paar Milliönchen oder Milliarden von Bakterien, anderen Krankheitserregern, Pilzen, Flechten und was sonst noch anspruchslos und pflegeleicht so wächst, kreucht und fleucht.
Mein Rechner, mein Biotop
Herausgefunden - oder besser: wissenschaftlich belegt - wurde dies im Rahmen einer Studie, die Charles Gerba an der Universität Arizona initiierte.
Der ist alles andere als ein Unbekannter: Der Molekularbiologe und Virologe gilt als einer der bekanntesten Hygieniker Amerikas. Seit Jahrzehnten genießt er in schöner Regelmäßigkeit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, wenn er tödliche Erreger jagend publikumswirksam durch Einkaufszentren, Kindergärten, Krankenhäuser oder über Spielplätze fegt.
So eine Karriere formt und schult, und seit Jahren schon weiß Gerba, wie man seine Message an den Mann bringt: Man muss dem biologischen Laien eine Vergleichsgröße bieten. Gerbas Vergleichsgröße ist das Klo.
Vor zwei Jahren demonstrierte er im CBS-Programm "48 Hours", wie und wo man die in lästig-schmerzhaften bis tödlichen Qualitäten vorkommenden Bakterien der Salmonellen-Gruppe so alles finden kann. Auf öffentlichen wie privaten Toiletten zum Beispiel, die für Gerba so eine Art Index darstellen: Die Quersumme aus den in den USA üblichen bis möglichen Toilettenzuständen nennt Gerba die "durchschnittliche Toilette".
Und schockt eine freiwillig und stolz ihre bestens gesäuberte Wohnung für Testzwecke zur Verfügung stellende Hausfrau mit der Feststellung, ihre Behausung sei eine "Samonellen-Hochburg", oder sachlicher: "Unterm Strich eine biologische Hotzone. Biohazard". Summa summarum teils "200-mal stärker befallen als eine durchschnittliche Toilette".
Da tröstet es wenig, dass die bei weitem meisten Bakterien, die Gerba in seinen Studien findet, völlig harmlos sind. Und Toiletten sind eine tolle Vergleichsgröße, weil man sie häufig säubert - normalerweise. Da schneidet selbst ein Gemüseschneidebrett im direkten Vergleich mies ab.
Oder aber ein Rechner. Der ist wohl mit Abstand das Ekligste, was man sich so hinstellen kann. Was alles durch die Ritzen des Keyboards fällt, um dort eine stetig wachsende Population von Bakterien, Flechten, Pilzen und Milben zu füttern und zu nähren, das kann und muss man mit einer griffigen Vergleichszahl ausdrücken: Wie wäre es mit dem Klo-Faktor?
Der, sagt Gerba, liegt bei 400.
Noch mal: Normale Klobrille = 1, Computer-Keyboard = 400
Ganz besonders abstoßend sind übrigens Firmenrechner: Wie viele Menschen darauf herumhämmern, Spuren ehemaliger oder virulenter Krankheiten hinterlassend, Schuppen verlierend, in die Tastatur niesend, mit Krümeln und Essensresten das Mikro-Biotop unter den Tasten fütternd!
Dazu noch diese Milben-Achterbahn des PC-Gebläses: Kurz angesaugt, für eine Zeit gewärmt und genährt werden die Milben des Bürostaubs vom PC-Ventilator (wahrscheinlich laut und milbisch lachend) hinaus und hoch hinauf geblasen, nur um uns arme Büroarbeiter weiter zu schwächen. Wer da nicht in die Tastatur niest, der ist der Krankheitserreger-Attacke vom Klofaktor 400 wohl schon erlegen.
Nun veröffentlicht Charles Gerba seine Studien selten, nur um Büroarbeiter zu schocken. Er ist ein Mahner. Telefone, Computer und deren Keyboards, regt er an, könnte man ja durchaus auch ab und zu reinigen. Das aber geschehe in der Realität oft allenfalls alle paar Monate. So würden gerade aus Firmenrechnern "bakterielle Alpträume".
Salmonellen: Winzig kleine, potenziell tödliche Quälgeister - auch in Ihrer Tastatur?
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