München - Wenn Kim Schmitz, der sich "Dr. Kimble" nennt, redet, kann es länger dauern. Als ihn die Richterin Regina Holstein vom Amtsgericht München während seines Sermons unterbrechen will, bügelt "Kimble" sie mit den Worten ab: "Nehmen Sie sich doch ein paar Minuten Zeit". Immer weiter holt er aus: Das Ganze sei eine "Hexenjagd". Ganz Deutschland sei neidisch auf ihn, das wäre das eigentliche Problem. "Aber den dicken Schmitz kann man ja probeweise mal schlachten." Den Vorwurf des Insiderhandels bestreitet der ehemalige Internet-Unternehmer und Ex-Hacker.
Er habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass sein Handel mit Aktien des Online-Händlers Letsbuyit.com legal gewesen sei, sagte der 28-Jährige zum Prozessauftakt. Den Vorwurf des Insiderhandels kenne er nur aus Hollywood-Filmen, sagte Schmitz. Der Drei-Zentner-Mann, der sich nach dem Helden einer Fernseh-Serie aus den 60er-Jahren "Dr. Kimble" nennt, ist eine der schillernsten Figuren der New-Economy-Euphorie.
Staatsanwältin Anja Hambach warf Schmitz dagegen vor, er habe mit Aktien des Neuer-Markt-Unternehmens Letsbuyit.com Insiderhandel in elf Fällen betrieben. Er habe dem Chef des Internet-Händlers mitgeteilt, er wolle 1,15 Millionen Euro zur Abwendung des Konkurses investieren. Als potenzieller Investor habe Schmitz gewusst, dass noch 1,15 Millionen Euro an Investitionszusagen gefehlt hätten.
Bereits einmal wegen Betrugs verurteilt
Letsbuyit.com habe als Gegenleistung eine Pflichtmitteilung herausgegeben, um den Aktienkurs nach oben zu treiben. Tatsächlich schossen die Titel des Online-Händlers im Januar 2001 um rund 140 Prozent in die Höhe. Schmitz habe seine Letsbuyit.com-Aktien nur einen Tag nach der Investitionszusage wieder verkauft, sagte Hambach. Inzwischen sind die Letsbuyit-Aktien mit Kursen um einen Cent praktisch wertlos.
Vor Gericht ist der Ex-Hacker kein Unbekannter. 1994 wurde er bereits wegen Betrugs zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Schmitz muss sich zudem vor Gericht verantworten, weil er im vergangenen Jahr erneut am Steuer seines Luxus-Mercedes ohne Führerschein ertappt worden war. Er ist bereits in 14 Fällen wegen Fahrens ohne Führerschein vorbestraft. Im jetzt ergangenen Urteil folgte die Richterin dem beantragten Strafmaß.
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