Dass den Musiktauschbörsen mit gerichtlichen Mitteln nicht beizukommen ist, scheint die Industrie inzwischen gründlich begriffen zu haben. Nach mehrere Monate dauernden Experimenten agiert die Industrie inzwischen ganz offen mit Sabotagedateien in P2P-Netzwerken, leistet sich lautes Nachdenken über gezielte "Abschüsse" mit hackenden Methoden und steht nun angeblich davor, das letzte Tabu zu brechen: Angriffe auf den Nutzer. Bisher galt der Grundsatz als ehern, immer nur die Betreiber der Börsen selbst, nie aber die Nutzer anzugehen.
Denn die, das war bisher Konsens, sind schließlich auch die Kunden, die die Musikindustrie zurück gewinnen will. Und Kunden sollte man umwerben und umgarnen, nicht umnieten.
Vorbei: Auch Nutzer sollen künftig in den Genuss kommen, RIAA-Anwälte in Aktion erleben zu dürfen, ganz nah, berichtet das "Wall Street Journal". Schon bereite die Recording Industry Association of America RIAA eine "neue Kampagne gegen die Online-Musikpiraterie" vor.
Attacke der Spaßverderber
Das ist ein Missverständnis: Die Kampagne läuft längst. Ihre Zielrichtung wurde spätestens klar, als Vertreter der Musikindustrie erstmals öffentlich bestätigten, dass die Unternehmen die P2P-Börsen ganz gezielt mit Datenmüll verseuchen ließen. Der Schritt ist dabei völlig logisch und nachvollziehbar: Wenn man den Börsen ganz offensichtlich gerichtlich nicht beikommen kann, weil sie schneller sprießen, als man sie bekämpfen kann, dann muss man den Usern den Spaß an ihrer Nutzung verderben.
Zu diesem Zwecke hat sich die RIAA offenbar vorgenommen, zum größten Datenanbieter in P2P-Börsen zu werden - auch wenn sie natürlich nicht vorhat, die User mit irgend etwas anderem als Schrott zu versorgen.
Zugleich versucht sie nun offenbar, die "Konkurrenz" aus dem Feld zu fegen: Klagen müssen den Quellen zu folge, die das "Wall Street Journal" wie üblich als "informierte Kreise" angibt, vor allem die P2P-Nutzer befürchten, die dadurch auffallen, dass sie besonders viele Dateien zum Tausch anbieten.
Soweit die "Kreise". Offiziell dementieren die Unternehmen die Pläne. Noch sei keine Entscheidung gefallen, ob man Einzelpersonen verklagen solle. Eine breit angelegte Informationskampagne könne die Nutzer doch womöglich dazu bewegen, noch einmal gründlich nachzudenken, was P2P wirklich bedeute und verursache. Auch eine solche Werbekampagne werde zur Zeit diskutiert.
Teurer und wahrscheinlich uneffektiver als der juristische Holzhammer wäre sie wohl auch. Darum, lässt das "Wall Street Journal" die "Kreise" gerüchteln, favorisierten zumindest zwei der fünf großen Musikunternehmen die direkte Methode: Universal und Sony. "Das Thema ist auf dem Tisch", sagt einer der anonym zitierten "Insider", "und es geht darum, die Leute von der Nutzung von P2P-Börsen abzuschrecken".
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