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01.08.2002
 

Datensicherheit

Allein gegen die Multis

Von Christoph Seidler

Rob Rosenberger kämpft einen einsamen Kampf. Auf seiner Webseite macht er Front gegen die angebliche Panikmache der Computersicherheitsindustrie. Durch überzogene Warnungen vor Viren und Würmern verdienen sich die Konzerne eine goldene Nase, sagt er. Jetzt droht ihm Ärger, denn die Industrie schlägt zurück.

Rob Rosenberger: Ex-Geheimnisträger übt den Austand gegen Panikmacher
Vmyths.com

Rob Rosenberger: Ex-Geheimnisträger übt den Austand gegen Panikmacher

Tatsächlich, es gibt ihn, einen "Zufluchtsort für Kritiker der IT-Sicherheitsindustrie" im Web. Er heißt Vmyths.com und wird seit einigen Jahren von dem US-Technikjournalisten und Virenfachmann Rob Rosenberger betrieben.

Auf den Webseiten geht es deftig zur Sache, denn um seinem Ziel näher zu kommen, "die Fassade der Computer-Sicherheitsindustrie bloßzustellen", zieht der Technikjournalist alle Register: Seine Kolumnen strotzen nur so vor Spott, Ironie, und auch persönliche Angriffe gegen einzelne prominente Köpfe in IT-Sicherheitsfirmen sind kein Tabu. Rosenberger glaubt, dass dies der einzige Weg ist, seine Ansichten durchzusetzen: "Wir sind die Einzigen, die Kritik mit der nötigen Portion Humor versehen, um unsere Ziele der Computersicherheit zu erreichen", erklärte er vor gut einem Jahr in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Der Vorwurf: Profit machen, statt Welt retten

Apropos Ziel: Was will dieser Mann eigentlich genau? Rosenberger wirft den Konzernen vor, mit pseudodramatischen Virenwarnungen ("Das wird das Ende des Internet bedeuten") und künstlich aufgeblasenen Schadensbilanzen absichtlich Hysterie unter den Computernutzern zu schüren. Nur so ließen sich teure Schutzprogramme immer wieder aufs Neue an den Mann bringen, argumentiert er: "Deren Motivation ist es nicht, die Welt zu retten, sondern Profit zu machen."

Rosenberger bezeichnet die Waffen der IT-Security-Anbieter mit drei großen Buchstaben: FUD.

Nur durch "Fear, Uncertainty, Doubt", also Angst, Unsicherheit und Zweifel geht der Plan von der globalen Panikmache in Computerkreisen auf. Und die wiederum sorgt für dauerhaft gut gefüllte Kassen: Der nächste Über-Virus und der nächste Cyberwar warten schon um die Ecke.

Einer der - sagen wir mal - Lieblingsgegner von Vmyths.com, die Softwarefirma mi2g (Eigenwerbung: "Digital Risk Specialists"), hat nun offensichtlich genug von den dauernden Angriffen. Sie rüstet einem Bericht des britischen Internet-Newsdienstes "The Register" zufolge zum Kampf gegen Rosenberger. Das Unternehmen, das unter anderem durch aufgeblasene Warnungen im Zusammenhang mit der Datumsumstellung zum Jahrtausendwechsel und wilde Vorhersagen eines jeweils kurz bevorstehenden Internet-Krieges bekannt wurde, forderte ihn jetzt ultimativ auf, mit seinen Sticheleien aufzuhören.

Eine böse Angewohnheit der Suchmaschinen

"Bitte entfernen Sie jeden Verweis auf mi2g, der nicht vor Gericht Bestand hat", fordert Jan Andresen, ein Angestellter des Unternehmens in einer Mail an Rosenberger. "Das Ansehen unserer Firma wird beschädigt, weil Ihre Berichterstattung in den großen Suchmaschinen an Platz zwei zu finden ist."

In der Tat geht Rosenberger seit Jahren nicht gerade zimperlich mit mi2g und dem Firmenchef D.K. Matai um. So bezeichnet er die Warnung der Sicherheitsfirma vor einer "Inter-fada", einem palästinensischen Cyberkrieg gegen israelische Server, schlicht als "lachhaft".

Doch dass etwa Google die Artikel von Vmyths.com über mi2g bei bestimmten Suchworten besser platziert als die offizielle Firmenwebseite ist schlicht Pech, denn bei der Suchmaschine entscheidet nur, wie oft von anderen Webangeboten auf eine bestimmte Seite verwiesen wird.

Die Sache mit den Pressefotos

Das zweite Argument von mi2g gegen die Anti-Viren-Hysterie-Webseite besteht aus der Nutzung von zwei Fotos des Firmengründers D.K. Matai. Das stelle eine Verletzung der Privatsphäre des Managers dar, argumentiert das Unternehmen. Daher müssten die Fotos schnellstens aus dem Netz verschwinden. Zu dumm nur, dass die Bilder auf der Pressewebseite des Unternehmens extra für die Veröffentlichung bereitgestellt wurden und zusätzlich noch als unbestellte E-Mail in Rosenbergers Inbox gelandet sein sollen. Das ist absolut üblich im PR-Geschäft und wohl nur in diesem Fall Anlass für einen Rechtsstreit.

Schweigen?! Selten!

Doch egal wie der ausgeht, Rosenberger wird wohl weitermachen. Denn der Mann hat - so scheint es - immer etwas zu sagen: Egal ob Worldcom-Pleite, FBI-Reform oder Medienkritik, bei kaum einem Thema ist der Chef-Zyniker um eine Antwort verlegen. Nur in einem Punkt schweigt Rosenberger freundlich, aber bestimmt, dann nämlich, wenn es um seine eigene Vergangenheit geht.

Denn Rosenberger hat lange Zeit für das US-Verteidigungsministerium gearbeitet, unter anderem bei der Air Force. Das Internet-Magazin "Wired" will sogar von einer Tätigkeit für die CIA wissen. Auf jeden Fall hat Rosenberger eine Schweigeverpflichtung ("SF 312") unterschrieben, die ihm Zugang zu sensiblen Daten erlaubte - und vielleicht noch erlaubt. Genaueres ist nicht bekannt.

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