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09.08.2002
 

Musikbörse

Universals Versuch

Geadelt von der Anwesenheit des Bundeskanzlers startete die Universal Music Deutschland am Freitag den ersten legalen Online-Musikvertrieb in Deutschland. Das, so stellt es sich Universal-Chef Tim Renner vor, soll den Musikklau in Internetland wirksam eindämmen.

Pophits früher als im Laden: popfile.de

Pophits früher als im Laden: popfile.de

Berlin - Das wichtigste Indiz, das Renner für sein Kalkül anführt, ist das bisherige Nichtvorhandensein von legalen Angeboten. Zusätzlich legt Renner für die Musikfans noch ein paar Zuckerstückchen bereit: Im Gegensatz zu anderen Angeboten im Netz biete popfile.de den Musikfans nicht nur Hits aus dem Katalog der Musikfirma, sondern auch die neuesten Songs, lange bevor sie auf CD erhältlich seien. Am gleichen Tag, an dem sie im Radio gespielt würden, seien sie auch online zu erhalten.

Unter popfile.de können 5000 Titel des Unternehmens für 99 Cent pro Stück gekauft und auf CD gebrannt werden. Bis Ende des Jahres sollten noch einmal 15.000 Titel hinzukommen. Bezahlt wird den Angaben zufolge über die Telefonrechnung oder über ein Guthaben-System.

Musikfans haben auf Musik aus allen Bereichen Zugriff, wie es hieß. Es gebe neben Pop-, Techno-, Hip-Hop- und Soul-Titeln auch klassische Musik. Für das Download-Portal habe Universal eine Projektpartnerschaft mit der Telekom geschlossen. Auf diese Weise werde ein Höchstmaß an Sicherheit und Leistungsfähigkeit geboten. Die Plattform solle nicht auf Universal beschränkt bleiben. Die Musikindustrie sei eingeladen, auch die Musik ihrer Künstler auf dem Portal zum Herunterladen anzubieten. Die Musikdateien sind den Angaben zufolge elektronisch geschützt. Beim Brennen einer CD werden die Daten des Nutzers mittels eines digitalen Wasserzeichens auf die CD übertragen.

Was die Erwartungen an mögliche Umsätze betrifft, wollte Universal-Chef Renner keine Prognose wagen. "Natürlich soll popfile.de auch Gewinn abwerfen", sagte er. Wichtiger sei es aber, den Nutzern zu zeigen, dass man ihr Anliegen verstanden hat. Gleichzeitig sei die neue Site aber auch ein Signal an die gesamte Branche: "Es lohnt sich, auf die Nutzer und ihre Bedürfnisse zu hören".

Renner räumte ein, es werde weiter illegale Börsen geben. Diese könnten nur mit legalen Angeboten bekämpft werden. "Es geht um nicht weniger als die wirtschaftliche Existenz einer ganzen Branche mit all ihren Künstlern und kreativen Szenen. Musik darf und wird es auch morgen nicht umsonst geben, sonst droht ein Gau in diesem wichtigen Kulturbereich", sagte er.

Die Musikindustrie hat auf Grund so genannter Free-Download-Angebote im Internet in den vergangenen Monaten beträchtliche Verluste erlitten. Weltweit laden auf diese Weise 90 Millionen Nutzer kostenlos Musiktitel auf ihre Computer.

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