Von Frank Patalong
KaZaA 2.0: Das bedeuten die Änderungen
Damit - mitgefangen, mitgehangen - teilt Sharman auch das Risiko stärker auf unter den Nutzern: Bisher gab es neben äußerst aktiven Dateianbietern, die seit einiger Zeit akut Abmahnungs-gefährdet sind, immer auch eine schweigsame Mehrheit der Nur-Downloader. Die dürfen sich künftig auf Frust gefasst machen.
Denn mit der Programmversion 2.0 führt KaZaA die Vorfahrtregelung für Fleissige ein: Wer viel anbietet oder viele Dateien sichtet und bewertet - derzeit das einzige Gegenmittel gegen die Sabotagedateien der Industrie - kommt in den Genuss schnellerer Downloads und verkürzter Wartezeiten in Warteschlangen. Nutzer, die nur downloaden, ohne selbst Dateien anzubieten, dürfen dagegen künftig Spinnweben kultivieren und sich in (kostspieliger) Geduld üben. Das gilt auch - typisch FastTrack-Netzwerk - für alle Nutzer der alten Programmversionen: Die werden durch Warte-Frust zum Upgrade getrieben.
Ein kluger Zug.
In dem Augenblick, in dem die Industrie damit beginnt, besonders fleißige Dateianbieter abzumahnen, hilft KaZaA diesen dadurch, dass es sie in der Masse verschwinden lässt, indem es alle zum aktiven Tausch motiviert. Als Gegenstück zu diesem kleinen Peitschchen darf der Zucker natürlich nicht fehlen: In der neuen Version sammelt KaZaA auch Playlists - und damit gesamte Alben - ein. Des weiteren im Angebot: Integrierte Virensuche, die Möglichkeit, mit "Skins" das Software-Interface selbst zu gestalten, unlimitierte Bitraten für DSL-Sauger und einiges mehr: Bequemer klauen mit KaZaA - und KaZaA Lite, versteht sich.
Das nächste Kuckucksei: Ein Abo?
Doch was vielen Kommentatoren eine Art Fehdehandschuh für die Industrie zu sein schien, könnte sich als genau das Gegenteil entpuppen: Deaktiviert schlummern in der KaZaA-Programmversion 2.0 die Funktionalitäten für einen ganz anderen KaZaA - einen "kommerziellen".
Der, sagt Sharman, werde sich durch erweiterte Features auszeichnen und dadurch, dass er werbefrei sein werde - das wars. Das kann man glauben, wenn man will, doch auch das Gerücht eines kommenden Abo-KaZaAs kursiert.
Das würde Sinn machen: Die kommerziellen Tauschbörsen der Musikindustrie fressen Geld und bringen wenig, ihr Image ist äußerst bescheiden, ihr Appeal kaum messbar. Zwar wagen erste Unternehmen, endlich bezahlbare Angebote zu machen, die nicht deutlich teurer sind, als der CD-Kauf im Laden. Doch davon, das Label "Attraktiv" tragen zu dürfen, sind selbst Dienste wie das deutsche Popfile noch meilenweit erntfernt.
P2P bietet mehr Musik, ist besser und billiger: Illegal? Scheißegal, denken sich täglich Millionen Nutzer.
KaZaA könnte der Industrie da durchaus Angebote machen, die man kaum ablehnen kann.
Das eigentümliche Netzwerk, das zwar keinen direkten Einfluss auf getauschte Daten nimmt, aber offenbar das "Supernode"-Routing innerhalb des Netzwerkes kontrolliert, das es erst möglich macht, dass sich die User gegenseitig finden, wäre wie dafür gemacht. Dass es zur Not nur wenig mehr als ein paar Knopfdrücke braucht, um das Protokoll des FastTrack-Netzwerkes zu verändern, hat Sharman im Frühjahr bewiesen: Da stürzte die bis dahin populärste P2P-Börse Morpheus über Nacht ins Vergessen, als Sharman ihr den Hahn abdrehte.
Als derzeit einzige P2P-Börse hätte KaZaA/Grokster wohl die Möglichkeit, das gesamte Geschäftsmodell über Nacht zu ändern und die Nutzer erst einmal mitzunehmen. Die müssten dann im Endeffekt über Abstinenz oder Opt-Out den Dienst bewusst verlassen - was Klassen besser ist, als erst um ein Abo werben zu müssen.
Das wäre ziemlich genau der feuchte Musikindustrie-Traum, den Bertelsmann einst mit Napster träumte, nur viel größer. Wie einst bei Napster stehen auch hinter Sharman nicht etwa cyberbewegte Musikfreaks, sondern eine Investment-Firma, die anonymen - Vanuatu sei Dank - Investoren Beteiligungen anbietet. Die wollen irgendwann nicht nur ihr Geld zurück, sondern auch kräftig Gewinne machen: Was hat Sharman mit KaZaA vor?
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