Von Markus Becker
Andere Todeskandidaten hatten konkretere Wünsche, wie etwa Stanley Baker Jr., der am 30. Mai dieses Jahres exekutiert wurde. Er wollte zwei 450-Gramm-Ribeyesteaks, ein Pfund Putenbrust (dünn geschnitten), zwölf Streifen Schinken, zwei große Hamburger mit Mayonnaise, Zwiebeln und Salat, zwei große gebackene Kartoffeln mit Butter, saurer Sahne, Käse und Schnittlauch, vier Scheiben Käse und ein halbes Pfund geriebenen Cheddar, einen Chef-Salat mit Käsedressing, zwei Maiskolben, einen halben Liter Mint-Schokaladen-Eis und vier Vanille-Cokes.
Es sind die letzten Worte, die den Hingerichteten so etwas wie ein Gesicht geben. Viele sprechen Gebete, entschuldigen sie bei den Angehörigen ihrer Opfer, andere wiederum beteuern ihre Unschuld noch wenige Momente vor ihrem Tod - was den Justizbehörden angesichts der heftiger werdenden Debatte um ungerechtfertigte Todesurteile nicht behagen kann. Was den Behörden dagegen behagen wird, ist ein Passus, der in vielen letzten Worten auftaucht: dass die Angehörigen der Opfer Frieden finden mögen durch die Hinrichtung.
"Ich bete, dass mein Tod meiner Familie Frieden bringt"
"Ich sollte für dieses Verbrechen bestraft werden, aber ich denke nicht, dass ich sterben sollte für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe", sagte Toronto Patterson, auf der Pritsche festgeschnallt, die Injektion erwartend. Mit 24 Jahren wurde Patterson im August dieses Jahres für den Mord an seiner dreijährigen Cousine, ihrer sechsjährigen Schwester und ihrer Mutter hingerichtet. Zur Tatzeit war er 17 Jahre alt. Obwohl das Todesurteil am Ende eines äußerst fragwürdigen Indizienprozesses stand, lieferte Patterson in den Momenten vor seiner Exekution den Verfechtern der Todesstrafe ihr liebstes Argument: "Ich bete, dass mein Tod meiner Familie Frieden bringt."
Rätselhaft ist, warum Texas die Details über die Todeskandidaten derart in die Öffentlichkeit trägt. "Um die Medien zu informieren", sagt Larry Todd, Sprecher des texanischen Department of Criminal Justice. Er verneint vehement, dass die extreme Transparenz einen Versuch darstellt, die Todesstrafe zu verteidigen. "Wir rechtfertigen gar nichts", sagt Todd, "Wir führen nur aus." Über das Pro und Kontra der Todesstrafe müssten sich Richter den Kopf zerbrechen. "Das ist nicht unser Job", sagt Todd in einem texanischen Dialekt, so breit wie J.R. Ewings Stetson.
Jay Kelly Pinkerton bestellte als Henkersmahlzeit nur einen Fisch-Sandwich, Pommes frites und Milch. Viele letzte Worte machte er nicht. "Sei stark für mich", sagte er seinem Vater Gene Pinkerton, kurz bevor das Gift in seine Adern floss. "Du sollst wissen, dass ich mit mir selbst und Gott meinen Frieden gemacht habe." Er betet zu Allah, dann wendet er sich erneut seinem Vater zu: "Ich liebe dich, Vati."
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