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03.12.2002
 

Webkultur

Spam, Spam, Spam, Spam, Spaaaaam!

Von Frank Patalong

Er ist überall, jeder kriegt ihn, keiner mag ihn, will ihn. Er ist nicht zu stoppen, nicht zu ignorieren, man kann ihn nicht filtern, draußen halten, abwehren. Keiner weiß, wozu er gut sein soll, und jeder fragt sich, wo er um Himmels Willen herkommt. Wir haben es herausgefunden: Der Spam kommt aus der Dose. Unter anderem.

Lecker: Wohlgeformter Kochschinken in Dosen

Lecker: Wohlgeformter Kochschinken in Dosen

"Wer bringt uns überhaupt SPAM?", steht weiß auf blau auf dieser hübschen Website, "Was für andere Produkte haben die noch zu bieten? Und wie steht es um meine Chancen, für das Unternehmen zu arbeiten, das mir SPAM bringt?"

Zumindest die letzte ist wohl keine Frage, mit der sich Surfer allzu oft herumquälen. Wer will schon irgendetwas mit einer Firma zu tun haben, die ihre Finger im Spam-Geschäft hat?

Eine berechtigte Frage. Denn Spam nervt, verstopft das Web und droht E-Mail, die wohl nützlichste Anwendung des Internet, unbrauchbar zu machen.

Doch SPAM ist nicht gleich Spam

Mit Spam bezeichnet man im Internet heute die massenhaft verbreitete, unverlangt zugesandte E-Mail-Werbung, die allmorgentlich die elektronischen Postfächer verstopft. Unter SPAM hingegen versteht man seit 1937 eine Art zum Quader gekochte, recht stabile Schweinefleischpaste in der Dose: Wäre der Begriff nicht schon belegt, könnte man das Nahrungsmittel "Blockwurst" nennen. Der Markenname selbst ist aus den Wörtern "Spiced Ham" entstanden.

Bekanntes Phänomen: SPAM geht um die Welt (SPAM-Geschenk-Katalog)
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Bekanntes Phänomen: SPAM geht um die Welt (SPAM-Geschenk-Katalog)

Auch wenn das auf verwöhnte, gesundheitsbewusste und biobewegte Hedonisten heute anders wirkt: Die amerikanische Erfindung war mit keiner bösen Absicht verbunden. Jahrzehntelang spielten die Produkte der Firma Hormel Foods die Rolle des "Bratens der armen Leute"; zum Schweine-Pudding hatte sich schnell auch der Dosentruthahn gesellt. Dem Konzept "Schinken in der Dose" aber blieb Hormel treu und verzichtete auf bovine Nahrungsblocks, die ja unter der Bezeichnung "Corned Beef" bereits Einzug in die internationale Küche gefunden hatte. All diese Fleischkonserven hatten einiges für sich: Sie waren nahrhaft, hielten sich nahezu unendlich und waren leicht zu lagern.

Das gilt auch heute noch, denn natürlich gibt es die Traditionsmarke SPAM noch immer, und sie erfreut sich mittlerweile sogar eines Kultstatus: Allein der Merchandizing-Katalog der Website SPAM.com spricht da Bände: Da gibt es alles, von über sechzig SPAM-T-Shirt-Designs über SPAM-Uhren bis hin zum SPAM-Teddy für die Kleinsten, für die der Fleischbrei aus nahe liegenden Gründen ja einen ganz eigenen Appeal hat. Und am Wochenende zieht es die Familie natürlich ins SPAM-Museum, im Jahre 2001 in Austin, Minnesota, eröffnet. Sonntag gibt's dann eines von vielen hundert leckeren SPAM-Rezepten. Zur Feier des Tages.

Bis zu diesem Punkt ist alles eitel Sonnenschein, und das Unternehmen hätte seine Fleischblöcke bis in alle Ewigkeit an Fans und Nostalgiker verkaufen können und damit werben, dass im Zweiten Weltkrieg nicht nur Amerikaner und Briten, sondern auch Russen SPAM-ausgerüstet in die Schlacht zogen (und gegen die gewannen, die das Zeug nicht hatten). Doch dann kam es zu zwei ganz erheblichen Einschnitten in der Geschichte des Unternehmens, die die Marke SPAM bis heute nicht verdaut hat.

Stimmungsvoll: SPAM-Weihnachtskugeln
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Stimmungsvoll: SPAM-Weihnachtskugeln

15. Dezember 1970: SPAM schreibt Fernsehgeschichte

Im Dezember 1970 kam SPAM ganz unverhofft und zunächst ungewollterweise zu einem prominenten Fernsehauftritt, der das Image der amerikanischen Nahrungsmarke nachhaltig verändern sollte. Wenige Tage nach Produktion der zweimilliardsten Dose (ein beachtlicher Erfolg der Traditionsmarke, der letztlich auf der Anschaffung eines hydrostatischen Kochers im Jahre 1964 beruhte, der einen Dosenausstoß von 350 Stück pro Minute ermöglichte) flimmerte in Großbritannien die 25. Folge der unter moralisch noch nicht hinreichend gefestigten Jugendlichen beliebten Serie "Monty Pythons Flying Circus" über die Bildschirme.

Der bis heute bekannteste Sketch dieser Folge schrieb unter dem Namen "SPAM-Skit" Fernseh-, Nahrungsmittel- und später Internetgeschichte.

Assoziierte der SPAM-geprüfte Nicht-Vegetarier den Markennamen bis zu diesem Datum mit Begriffen wie "Fleisch", "kantig" oder "Dose", stand SPAM fürderhin in engem thematischen Kontext mit Begriffen wie "Wikinger" oder schlicht brüllendem Gelächter (siehe und höre auch Teil 2: Audiomitschnitt und Transkript des Original Monty-Python-Sketches).

Doch Hormel Foods zeigte überraschend viel Humor - eine Eigenschaft, die dem Unternehmen noch heute zu eigen sein scheint.

Den braucht die Firma auch, denn in den letzten Jahren ist Spam etwas anderer Art ganz schön ins Gerede gekommen.

Monty-Python-Website: "Willkommen im Spam-Club"
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Monty-Python-Website: "Willkommen im Spam-Club"

Spam und SPAM: Ein Gag wird zum Bumerang

Denn der Monty-Python-Sketch, der sich über Jahre zu einer kostenlosen Werbung entwickelte, die den Markennamen mit Humor und Kultstatus versah, rächte sich mehr als ein Jahrzehnt später. Da adoptierten Hacker den Begriff und nutzten ihn unter anderem für das verhasste Phänomen der Überflutung von Usenet-Newsgroups mit vervielfältigten Versionen einer Nachricht.

Die Analogie zum Sketch war einfach: So, wie die Wikinger mit ihrem anschwellenden, lauten "Spam, Spam, Spaaaam!"-Gesang jede Kommunikation unmöglich machten, so machten Spams die Kommunikation im Usenet unmöglich. Als Mitte der neunziger Jahre überkecke Werber die E-Mail als Werbemedium entdeckten und damit begannen, den Kommunikationsweg zunehmend unbrauchbar zu machen, ging der Begriff natürlich auf diese Massenmailings über.

Geschmackvoll: Schickes T-Shirt (SPAM-Merchandize)
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Geschmackvoll: Schickes T-Shirt (SPAM-Merchandize)

Der miese Ruf färbte ab.

Hormel machte auch zu diesem PR-Gau gute Miene und setzte trotzig 1998 eine Website in die Web-Welt, die umgehend eine Unmenge an Hasspost bekam: SPAM.com. Bis zum heutigen Tag balanciert diese Website zwischen Imagepflege und Rufrettung. Gekonnt, im übrigen: Spam mag eine Qual sein, SPAM.com ist es nicht.

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