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Stalingrad Digital Selbst die Hufe wurden ausgekocht

3. Teil: Im dritten Teil erfahren Sie, wie die Soldaten ihre Angst vor dem Tod beschrieben

"Wie sie da lagen, mit welchem Blick!"

Selbst als in den Erdlöchern, in denen sich die Landser verbarrikadiert hatten, Seuchen grassierten und extreme Kälte das Leben zur Hölle machte, als die Tagesration auf eine Wassersuppe und eine Scheibe Brot zusammenschmolz und sogar Pferdehufe noch ausgekocht wurden, klammerten sich viele weiter an die Illusion, Hitler werde sie schon irgendwie herauspauken. Häufig wird in der Feldpost ein damals populärer Schlager zitiert: "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, nach jedem Dezember folgt wieder ein Mai."

Leichenberge auf dem Schlachtfeld: "So ist der Krieg, der Tod lauert auf Schritt und Tritt. Es ist ein Kampf um Leben oder Sterben"
SPIEGEL TV

Leichenberge auf dem Schlachtfeld: "So ist der Krieg, der Tod lauert auf Schritt und Tritt. Es ist ein Kampf um Leben oder Sterben"

Das Wort Tod war für die meisten Briefschreiber tabu. Einige jedoch wagten offene Worte: "Die Nase haben wir alle restlos voll. Wir sind ja auch nur noch wenige... Ja, wer ein oder zwei Jahre Krieg ausschalten könnte aus seinem Gedächtnis, wie glücklich müßte dieser sein; nichts zu sehen von den vielen Toten, Verwundeten und wie sie da lagen, mit welchem Blick!"

Allmähliche Gewöhnung an das Grauen spricht aus makabren Bekenntnissen wie diesem: "Wenn ein Kamerad von uns fällt, (ist man) im ersten Moment sehr bedrückt... Im nächsten Augenblick ist es schon wieder vergessen, und man freut sich vielleicht sogar, wenn man unter den Sachen des Gefallenen irgendeinen brauchbaren Ausrüstungsgegenstand findet, der selbstverständlich gleich in den eigenen Besitz wandert."

Lediglich "vereinzelt, wie 'eingeschmuggelt'" (Kulturhistorikerin Kriegsheim) finden sich Hinweise auf Todesahnungen, offenbar "in größter Not geschrieben": "Nun ist es so, daß man mit gemischten Gefühlen hinaus geht, weiß man doch nie, wie es einem dort gehen wird... So ist der Krieg, der Tod lauert auf Schritt und Tritt. Es ist ein Kampf um Leben oder Sterben."

Feldpostbriefe - nur eine Seite der Wahrheit

Unter dem Datum vom 19. Januar - zwei Wochen vor der Kapitulation der Sechsten Armee - äußert sich der Militärpfarrer Karl Augustinus in einem Brief in die Heimat ohne jede Illusion über die Zukunft: "Von den meisten, die hier starben, werden die Angehörigen nie eine genaue Nachricht erhalten: Sie werden als vermisst gemeldet, aber sie sind tot. Wenn je eine derartige Nachricht zu Euch kommen sollte, dann dürft Ihr annehmen, dass ich unter denen bin, die verwundet, gefangen, erfroren oder verhungert hier geopfert worden sind... Grüßet alle, die mir teuer sind... Ich kann nirgends hinfahren als in die Arme Jesu."

Wer Texte wie diese lese, gibt der Historiker Ebert zu bedenken, dürfe nicht übersehen, dass all die Schilderungen vom Leiden und Sterben der deutschen Aggressoren nur eine Seite der Wahrheit widerspiegelten.

Bei aller Notwendigkeit, derartige Dokumente zu sichern, sei es dringend erforderlich, "als Pendant" auch die russische Alltagsgeschichte der Weltkriegsjahre aufzuarbeiten - schon damit die deutschen Angreifer nicht in eine Opferrolle hineingelogen werden können.

Allerdings: Russische Feldpostbriefe bieten vergleichsweise wenig Erhellendes. Stalins Soldaten waren, so Ebert, einer "viel stärkeren Feldpostzensur" als die deutschen Landser unterworfen. Manche Schreiben von der Front wirkten daher "wie gestanzt".

Verwundete von Stalingrad: "Dreckige, finstere, verhärtete und gleichzeitig von all dem völlig entrückte Gesichter"
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Verwundete von Stalingrad: "Dreckige, finstere, verhärtete und gleichzeitig von all dem völlig entrückte Gesichter"

So schrieb der russische Soldaten I. M. Stcherbina an die "Genossen Kusnezow und Powarow": "Seid gegrüßt, Freunde! Ich schlage die Deutschen, bin ringsum eingeschlossen. Keinen Schritt zurück - das ist meine Pflicht und meine Art... Mein Regiment braucht sich nicht zu schämen und wird den sowjetischen Waffen keine Schande bereiten."

Was viele der von Stalin in die Schlacht gejagten Soldaten wirklich empfanden, verrät eher ein Text des Stalingrad-Veteranen Michail Alexejew: "Vor einer Stunde sah ich, dass sich eine unendliche Kette von Verwundeten hinschleppte. Einige waren provisorisch verbunden. Dreck und Blut hatten sich vermischt und machten diese Verbände dunkelbraun, genauso wie die Gesichter der Menschen... Die meisten hatten noch keine Zeit gehabt, sich zu verbinden, das Blut war noch nicht geronnen, sondern lief über die dreckigen, finsteren, verhärteten und gleichzeitig von all dem völlig entrückten Gesichter."

Hinter ihnen lag die Hölle: "Das ausgebrannte schwarze Kampffeld war flächendeckend mit Körpern übersät. Und es war nicht auszumachen, ob es mehr von uns oder mehr Deutsche waren."

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