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Schicksal Stalingrad "Sie haben Jahrzehnte geschwiegen"

3. Teil: Im dritten Teil schildert Frauke Eickhoff, wie sich Russen und Deutsche über Massengräbern versöhnen

"Diese Wärme, diese Herzlichkeit"

Trotz der düsteren Erfahrungen, urteilt Frauke Eickhoff, spreche "aus vielen Briefen eine große Bereitschaft zur Versöhnung". Dieser Einstellung begegneten ihre Mitstreiter vom Partnerschaftsverein schon bei vielen ihrer Begegnungen mit Wolgogradern: "Wenn die Erinnerung hochkommt, spritzen die Tränen, aber dann wird man in den Arm genommen - diese Wärme, diese Herzlichkeit!"

Ewiges Feuer zur Erinnerung: Die Ehrengarde des Stalingrad-Monuments "Mutter Heimat" auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd
DPA

Ewiges Feuer zur Erinnerung: Die Ehrengarde des Stalingrad-Monuments "Mutter Heimat" auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd

Versöhnung hinweg über Massengräber - darauf setzt auch Nadeschda Mitjukowa, ehemalige Deutschlehrerin und Vorsitzende des Vereins "Kinder der Heldenstadt Stalingrad". Sie hat als Kind die gefangenen Deutschen leiden sehen: "Sie sahen so schlecht aus, waren hungrig, hatten keine Winterkleidung, und es war doch so kalt. Mir taten diese Gefangenen sehr leid...Ich fühlte keinen Hass. Ich hatte Mitgefühl, weil sie doch auch nur einfache Menschen waren."

Wera Dmitrijewna Scholobowa - die als Kind den abgerissenen Kopf ihrer Tante am Haken schaukeln sah - schrieb der Vereinsfrau Eickhoff nach Köln: "Nicht Sie und ich haben diesen schrecklichen Krieg begonnen; zu dieser Zeit waren wir Halbwüchsige, aber wir waren in der Lage, diese sinnlose Grausamkeit, die der Krieg hervorbrachte, einzuschätzen, und wir haben nicht das Recht, sie zu vergessen."

Marmorkuchen und bleiche Skelette

Wann immer Austauschschüler aus Deutschland nach Wolgograd fahren, bekommen sie im Kriegsmuseum die Überbleibsel der großen Schlacht zu sehen: Waffen und Stiefel, rostige Helme und bleiche Skelette in zerfetzten Uniformen. Doch in der Stadt, in der einst mörderischer Hunger Abertausende in den Tod trieb, stoßen sie immer wieder auf überwältigende Gastfreundschaft.

"Ich habe mich selten irgendwo so wohlgefühlt, und so ging es fast allen," berichtet eine Schülerin aus Rodenkirchen in der Mitgliederzeitschrift des Partnerschaftsvereins über Ferien in Wolgograd: "Seit einem Jahr sollen die Gastfamilien gespart haben, um uns so bewirten zu können, wie sie es letztendlich taten. Süßigkeiten, Gebäck, Obst und vieles mehr wurden mir zu jeder Tages- und Nachtzeit kredenzt... und es war alles so lecker. Kein Wunder, dass ich nicht die einzige war, die zugenommen hat. 'Ich bin satt' ... wie oft habe ich diesen Satz wohl ausgesprochen?"

Der Vater der Gastgeberfamilie, ein Ingenieur, "hat gekocht, wenn ich aufstand, tütenweise Picknick gepackt, wenn ich das Haus verließ, und den Tisch reichlich gedeckt, wenn ich abends von meinen Exkursionen heimkehrte. Obwohl ich mich dagegen wehrte, wurde fast bei jeder Mahlzeit ein frisches Brot angeschnitten, da das alte vielleicht nicht mehr ganz frisch war. Am letzten Abend bemerkte ich, dass das rechteckige Stück Marmorkuchen, das ich gegessen hatte, aus der Mitte des Kuchens herausgeschnitten war."

Bewegt auch von solchen Eindrücken, wünscht sich die Kölnerin Eickhoff (Motto: "Durch Erinnerung der Versöhnung dienen"), dass das Stalingrad-Buch ihres Vereins starke Resonanz findet. Allzu optimistisch jedoch scheint sie nicht zu sein: Von ihrem 320-Seiten-Werk über die Leidtragenden der deutschen Bombardierung Stalingrads sie zunächst vorsichtshalber nur 300 russische und 500 deutschsprachige Exemplare drucken lassen.

Zum Vergleich: Der Bestseller "Der Brand", der von den Leiden der Deutschen unter angloamerikanischen Bombenteppichen handelt, ist in der Bundesrepublik binnen weniger Wochen weit über 100.000 mal verkauft worden.


Das Buch "...und die Wolga brannte - Überlebende aus Stalingrad erinnern sich" ist kostenlos erhältlich (Spende erbeten) beim Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln - Wolgograd e. V., c/o Ev. Jugendpfarramt, Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln, Telefon 0221- 2220542, E-Mail wolgograd@netcologne.de

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