• Drucken
  • Senden
  • Feedback
13.02.2003
 

US-Propagandatruppe

Die Militärreporter von Schlachtfeld-TV

Von Michael Voregger

Das amerikanische Militär stattet sich mit neuester Satellitentechnologie aus, um selbst direkt von den zukünftigen Schlachtfeldern zu berichten. Soldaten liefern Interviews, Bilder und Videos direkt aus den umkämpften Gebieten - und garantiert unkritische Kommentare.

Do it yourself: Selbstgemachtes Armee-Fernsehen garantiert kollateralschädenfreie Bildberichte - und stets die rechte Perspektive
Zur Großansicht
AP

Do it yourself: Selbstgemachtes Armee-Fernsehen garantiert kollateralschädenfreie Bildberichte - und stets die rechte Perspektive

Die Panzereinheit von Lieutnant John Kinitz hat mit ihren Radpanzern gerade die Grenze zwischen Kuweit und dem Irak überschritten. Kaum sind die Marines aus Jacksonville in North Carolina im Einsatzgebiet angekommen, sind auch die Presseoffiziere der Joint Tactical Information Cells vor Ort. Die vier Teammitglieder bereiten die Satellitenübertragung eines Interviews mit dem Befehlshaber vor, und kurz darauf sind die Bilder schon beim amerikanischen Sender CNN zu sehen. So oder ähnlich stellen sich die Verantwortlichen beim US Joint Forces Command (USJFC) in Norfork, Virginia, den Einsatz moderner Technologie vor.

"Militärische Aktivitäten sind immer eine Nachricht. Wir wollen helfen Informationen, Bilder und Interviews zu Kampfoperationen zur Verfügung zu stellen", erklärt Lieutenant Colonel David Lamp, Projektleiter in Virginia.

Das USJFC entwickelt Konzepte zur modernen Kriegsführung, bildet Befehlshaber aus und gibt Empfehlungen zur besseren Kooperation zwischen Army, Navy, Air Force und Marines. "Unsere Absicht besteht darin, es für den Befehlshaber einfacher zu machen über das Geschehen und die Ereignisse zu sprechen". So wollen die Militärs in Zukunft vermeiden, dass zum Beispiel Falschmeldungen in den Medien breiten Raum finden und die eigenen Truppen negativ dargestellt werden. Durch eigene Bilder und Geschichten soll der Informationsfluss noch besser kontrolliert werden. Das gilt insbesondere für das, was im Krieg gegen Jugoslawien von Armeevertretern gern als Kollateralschaden heruntergespielt wurde, die Bombardierung ziviler Ziele und Einrichtungen. Presseoffiziere sollen künftig an Ort und Stelle Bilder liefern, die das Gegenteil beweisen sollen.

Die satellitengestützte Videotelefonie-Technologie für das "Schlachtfeld-TV" der US-Militärs kommt aus Grambach in Österreich. Hier hat das Unternehmen Scotty Tele Transport seinen Hauptsitz. "Wir sind auf Video- und Datenübertragung spezialisiert ", sagt Marketingleiter Chris Halverson. "Unsere Systeme sind kompatibel mit der Verschlüsselung, die von der Nato eingesetzt wird. Mit sehr wenig Gepäck ist es trotzdem möglich, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen".

Das Gerät ist in einem robusten Koffer untergebracht und besteht aus einem Laptop mit Video-Editier- und Aufnahmefunktionen, einer Kamera und einer Satellitenschüssel. Es stehen zwei Kanäle mit jeweils 128 Kb Kapazität pro Sekunde zur Verfügung, und die Übertragung erfolgt über Inmarsat-Satelliten. Die handliche Größe erlaubt es, das System überall hin mitzunehmen. Es unterstützt die Standards von Videoconferencing, Computer mit Windows Betriebssystemen, JPEG-Images genauso wie MPEG Video- und Audiodaten. Es ist in der Lage die Fernsehstandards PAL und NTSC zu bearbeiten, was für die Versorgung internationaler Medien mit bewegten Bildern von entscheidender Bedeutung ist.

Die Firma Scotty wurde 1994 gegründet und beliefert in erster Linie militärische Institutionen in aller Welt. Zu den Abnehmern mobiler Kommunikationssysteme aus Österreich zählt auch die Bundeswehr.

"GAN Workstation": Multimediale Kommunikationslösungen für den militärischen Einsatz
Zur Großansicht

"GAN Workstation": Multimediale Kommunikationslösungen für den militärischen Einsatz

Schon Ende Februar werden die Teams einsatzbereit sein und das für den Irak zuständige Oberkommando Centcom wird über einen Einsatz der Joint Tactical Information Cells im Irak entscheiden. "Wir gehen davon aus, dass überall, wo ein Bedarf an Informationen, Bildern und Kommunikation über militärische Operationen besteht, ein Bedarf für den Einsatz unserer Teams vorhanden ist", gibt sich David Lamp überzeugt. "Storys, die für den Erfolg einer Operation wichtig sind, werden von uns entsprechend vorbereitet. Die Teams sind in der entsprechenden Region aktiv, bevor irgendjemand anderes davon informiert ist. Zweitens soll 'counter propaganda' und 'disinformation' des Gegners begegnet werden. Je näher wir an dem Ereignis dran sind, desto einfacher ist es zu zeigen, was wirklich passiert und was die Fakten sind."

Ein anderes Einsatzgebiet sind Berichte aus umkämpften Gegenden, zu denen Journalisten keinen Zutritt haben. In den Zeiten militärischer Auseinandersetzungen werden Informationen zu einem begehrten Gut und bestimmen die öffentliche Meinung und damit auch die Zustimmung zum militärischen Engagement. Neben den Videoaufnahmen der Aufklärungsdrohnen und aus den Einsätzen der Kampfbomber steht der amerikanischen Armee jetzt eine viel weitreichendere Möglichkeit zur Verfügung, die Öffentlichkeit in ihrem Sinne zu informieren.

Für die Aufklärung und eine objektive Berichterstattung sind das nicht die besten Aussichten.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP