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Die Straße gegen George Bush Webseiten statt Flugblätter

2. Teil: Das Web wird zum "Telefonbuch für Demo-Termine": Überall in Deutschland wird am Wochenende demonstriert. Das ist kein herbeigeredetes Peace-Revival, sondern ein Wiedererwachen der Straße. Weiter...

Friedenskooperative.de: Sammelpool der Friedensbewegung

Friedenskooperative.de: Sammelpool der Friedensbewegung

Mehr hat keiner

Darüber, wie viele Menschen aber letztlich wirklich auf die Straße gehen werden, gibt es selbst bei den Koordinatoren des Protestes nur Schätzungen. "Deutlich mehr als 80.000" erwarten sie für die zentrale Kundgebung in Berlin. Ableiten ließe sich das aus der "Zahl der Bus-Anmeldungen in den Bus-Börsen im Internet". Nur ahnen könne man hingegen, wie viele Berliner sich auf den Weg machen werden. "Ich persönlich", sagt Golla, "schätze, dass rund die Hälfte der Demo-Teilnehmer aus Berlin selbst kommen wird.

Das Web: "Telefonbuch" für Demo-Termine

Wer es dahin nicht schafft, geht halt zu einer der anderen 42 (!) von der "Friedenskooperative.de" erfassten Demonstrationen in anderen deutschen Groß-, Mittel-, Kleinstädten, Dörfern und Käffern. Die so Web-kompatibel "Network of the German Peace Movement" getaufte Sammel-Website ist so etwas wie das Aushängeschild der wieder erstarkenden Friedensbewegung. Darüber hinaus leistet sich die Kooperative dezidierte Aktionswebseiten, wie beispielsweise "www.15februar.de", an der sie ebenfalls beteiligt ist.

Die Web-koordinierte Demonstrationswelle gegen George Bush deckt das Alphabet deutscher Städtenamen so flächendeckend wie die Geografie ab: Das reicht von A wie Ansbach oder Aulendorf über Dülmen und den Erftkreis, Gelsenkirchen und Hückelhoven, Landau und Leer, Meppen oder Paderborn bis zu Villingen, Wetzlar und Wuppertal. Gäbe es eine größere deutsche Gemeinde mit X oder Y, fände sie sich wahrscheinlich auch in der Liste.

Inspect-this.org: Spott und Hohn

Inspect-this.org: Spott und Hohn

Selbst Protest-willige Urlauber brauchen auf die Äußerung ihres Unmutes nicht verzichten: Web sei Dank kann man sich natürlich auch über entsprechende Termine von A wie Amsterdam über N wie New York oder R wie Reykjavik und W wie Warschau informieren. Leider fehlt noch Mallorca, aber vielleicht wird der Protest in Spanien, das - so ist ja in den Nachrichten zu hören - den US-Positionen näher stehen soll, ja nicht mitgetragen?

Wohl kaum: Europa ist sich einig

Das, diesen Eindruck vermittelt der Blick ins Web, gilt wohl eher für die politische Ebene, als für "die Straße". Europas Regierte sind sich weit einiger als die Regierenden.

Im Internet präsentiert sich die griechische EU-Ratspräsidentschaft und verzichtet nicht auf eine Sonderseite zum Thema "e-Vote". Das Motto: "Vote for the Europe that you want". Prominent präsentiert wird dort zurzeit die "Special e-Vote" zum Thema Irak-Konflikt - und die bisherigen Ergebnisse haben es in sich. Nicht nur, dass bisher fast 75 Prozent meinten, dass Diplomatie der kriegerischen Auseinandersetzung vorzuziehen sei und weitere

No-War-Logo.org: Materialverteilung via Web

No-War-Logo.org: Materialverteilung via Web

rund acht Prozent lieber neutral blieben: Auch die vermuteten Motive Amerikas stellen das Vertrauen zum großen Partner im Westen doch arg in Frage.

Rund 85 Prozent der Befragten halten einen Angriff auf den Irak im Augenblick nicht für gerechtfertigt, doch 94,5 Prozent glauben, dass die USA auf jeden Fall angreifen werden -selbst gegen internationales Recht oder gegenteilige UN-Beschlüsse. Schließlich, glauben rund 90 Prozent der Befragten, gehe es den USA vor allem ums Öl. Aus diplomatischer Sicht hochgradig peinlich dürfte das Votum von rund 79 Prozent der befragten surfenden EU-Bürger sein, das eines der Hauptmotive Amerikas im "Verlangen, die Welt zu dominieren" liege.

Kein Wunder also, dass auf der Skala der Gefühle, die die Befragten den in den Konflikt involvierten Parteien entgegen bringen der Irak zwar von fast 25 Prozent die mieseste Note erhält, die USA aber 44,8 Prozent.

Resistthewar.de: Webseiten statt Alternativzeitungen

Resistthewar.de: Webseiten statt Alternativzeitungen

Das alles ist - wie im Web üblich - natürlich nicht repräsentativ. Tatsächlich ist auch gar nicht davon auszugehen, dass die unter der kryptischen Adresse "www.eu2003.gr" zu findende Präsentations-Website der EU-Ratspräsidentschaft vom Durchschnittssurfer sonderlich oft besucht wird. Das glauben noch nicht einmal die im Web-Vote auch demografisch satt überrepräsentierten Griechen selbst. Sie sehen als primäre Zielgruppe ihres Angebotes die "Offiziellen anderer Regierungen, Medienvertreter, soziale und Berufsgruppen, Organisationen und Vereinigungen mit einem speziellen Interesse an EU-Politik, die allgemeine Öffentlichkeit und die Jugend". Das ist wirklich nicht repräsentativ, sondern zum größten Teil ein Fachpublikum.

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