Mit Musikdownloads ist es ein bisschen so wie mit Geschwindigkeitsbegrenzungen außerhalb geschlossener Ortschaften: Eigentlich weiß man, dass man sich an Verbote halten sollte - aber niemand tut es. Das findet vor allem die Musikindustrie nicht so prickelnd, weil sie durch Raubkopierer ihre Umsätze schwinden sieht: Das Business steckt seit nun schon drei Jahren in einer zunehmend existenzbedrohenden Krise.
Grund genug für die amerikanische Musiklobby RIAA, für eine schärfere Bestrafung von Musiktauschern zu lobbyieren. Gehör fand sie im Verlauf des letzten Jahres unter anderem bei amerikanischen Universitäten und Behörden: Die durchpflügen ihre Netzwerke und strafen immer mehr Missetäter ab - bis hin zu Abmahnungen, Rauswürfen und Anzeigen.
Als am 21. November 2002 die US Naval Academy in Annapolis in einer spektakulären Razzia durchsucht wurde und die Verantwortlichen exemplarisch kurzerhand die Laptops von 92 Schülern und Offiziersanwärtern eines der Wohnheime kassierten, ruckte so mancher Kopf: Gerade Armeeangehörige und Staatsbeamte stehen im Ruf, sich die Monotonie des Alltags gerne mit ein wenig KaZaA-Surfen zu versüßen.
Über den Köpfen der Offiziersanwärter hing bedrohlich das Damoklesschwert des drohenden Karriereendes, bevor diese noch begonnen hatte: Bis hin zum Militärgericht und unehrenhaften Rauswurf sollten die Konsequenzen für erwischte Missetäter reichen.
Davon ist nun, nach Abschluss der Beweisaufnahme, keine Rede mehr.
File-Swapping ist die Norm
Gerade einmal sieben Offiziersanwärter entpuppten sich als unschuldig - die 85 anderen stellten sich als wahre Datei-Tausch-Profis heraus.
Nicht nur, dass sie KaZaA und andere Dienste über eine megadicke militärische T3-Leitung nutzten, manche unterfütterten ihre Laptops gleich mit zig-Gigabyte-großen Festplatten und eröffneten und betrieben eigene Tauschdienste. Die Schlafsäle, befand einer der mit der Untersuchung betrauten Offiziere, erinnerten an "Entertainment-Basare".
Jetzt hagelt es Urlaubssperren, strenge Auflagen, Personalaktenvermerke und Degradierungen - aber keine Rauswürfe. Die Laptops, versicherte ein Academy-Sprecher, seien von allen copyrightgeschützten Materialien gereingt worden, bevor sie den Militärschülern zurück gegeben worden seien.
Vertreter der RIAA begrüßten das forsche Vorgehen der Academy-Leitung. Die aber, steckte ein Offizier einem Reporter der "Baltimor Sun", hätte mit der Zimmerdurchung und dem anschließenden Ermittlungsverfahren gar nicht auf ein entsprechendes Begehren der Industrielobby reagiert. Den Ausschlag hätte demnach vielmehr die Drohung des Verteidigungsministeriums gegeben, die Internet-Rechnung der Academy nicht mehr zu bezahlen. Die Netzwerkadministratoren hatten irritiert festgestellt, dass die Leitungen der Ausbildungsstätte rund um die Uhr fast unter Volllast liefen.
Kein Wunder: Viele der Studenten waren "always on" und hatten ihre Laptops in Web- und Fileserver umgewandelt. Das aber, gab ein Academy-Sprecher zu, sei innerhalb eines von einer Abteilung des Pentagon betriebenen Netzwerkes ein Sicherheitsrisiko.
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