Von Tobias Thon
Vorsicht Diebe: Untreue Treuhänder fischen bei eBay-Kunden ab
Arnd Niemeyer, Geschäftsführer des Hamburger Tonstudio-Ausstatters Digital Audio Service, hielt die E-Mail zuerst für eines der erfreulicheren Ereignisse, die ein Geschäftstag zu bieten hat: Ein gewisser Frank Petrick aus Amsterdam, über eBay auf das Angebot aufmerksam geworden, bekundete sein Kaufinteresse an drei Sound-Prozessoren zu je 1000 Euro das Stück. Er wolle die Ware gerne abseits der eigentlichen Auktion erwerben, allerdings mit einer Bedingung: Aus Sicherheitsgründen solle die Transaktion über einen Online-Treuhänder namens "Safetrading.net" abgewickelt werden.
Das Prozedere bei solchen Treuhand-Services ist recht simpel: Beide Auktionspartner müssen sich beim Treuhänder mit ihren persönlichen Daten registrieren. Der Käufer überweist dann den Kaufbetrag an den Treuhänder, der daraufhin dem Verkäufer eine Benachrichtigung sendet. Dieser schickt wiederum das Paket auf den Weg.
Wenn der Käufer dann seine Ware erhalten und für gut befunden hat, meldet er dies dem Treuhänder, der nun abschließend die zwischengeparkte Zahlungssumme an den Verkäufer weiterleitet. Die Prozedur ist bequem online mit ein paar Maus-Klicks zu erledigen und gilt als vernünftige Sicherheitsmaßnahme gegen betrügerische Auktionsteilnehmer - auch eBay selbst bietet einen solchen Treuhand-Service an, der allerdings wegen der zusätzlichen Gebühren eher selten genutzt wird.
Niemeyer ließ sich auf jeden Fall bereitwillig auf den Vorschlag des Holländers ein, zumal der sich bereit erklärte, die anfallenden Treuhandgebühren selber zu übernehmen. Eine Registrierung auf der Website von Safetrading.net war noch notwendig, damit der Käufer den Betrag auf das Treuhandkonto überweisen konnte.
Kurz darauf legte der Niederländer in einer weiteren Mail noch nach: Zusätzlich sollte man ihm doch bitte das höchstwertige verfügbare Studiomikrofon dazulegen, wie viel das denn kosten würde? Am Ende belief sich die Order auf knapp 3700 Euro, die Herr Petrick nun auf den gerade eingerichteten Safetrading-Account von Digital Audio Service überweisen wollte.
Luftnummer: Ware weg, Treuhänder auch
Wenige Tage flatterte bei Niemeyer dann tatsächlich eine Zahlungsbestätigung von Safetrading.net in den elektronischen Briefkasten: Von einem Frank Petrick seien 3700 Euro auf das Zwischenkonto gegangen, die entsprechende Ware möge nun auf den Weg geschickt werden. Das Paket sendete man bei Digital Audio Service noch am selben Nachmittag per UPS an die angegebene Adresse in Amsterdam.
Kurze Zeit später begannen dann die ersten Unstimmigkeiten: Das Paket wurde laut UPS vor Ort zuerst nicht angenommen, dann nach einigen Tagen auf Wunsch des Empfängers an eine andere Adresse in Amsterdam ausgeliefert und dort von einem gewissen "Leth" in Empfang genommen – mehr konnte der Paketdienst auch nach mehrmaliger Anfrage nicht über das Schicksal der Sendung mitteilen.
Das böse Ende kam, als sich Niemeyer am folgenden Montag bei Safetrading.net einloggen wollte, um die Überweisung des Geldes auf sein Konto zu veranlassen. Denn nach dem Eintippen der Webadresse bekam er von seiner Browser-Software eine Fehlermeldung angezeigt - die Seite des Treuhänders war nicht im Netz erreichbar. Aus leisem Unbehagen wurde schlagartig ein böser Verdacht, als eine Google-Suchanfrage zu "safetrading.net" diverse Fundstellen in Online-Foren zu Tage brachte, in denen die Begriffe "Betrug", "Fälschung" und "Opfer" zu lesen waren. Die niederschmetternde Erkenntnis nach einer halbstündigen Web-Recherche: Safetrading.net ist eine komplette Fälschung, betrieben von professionellen Betrügern, die damit eBay-Verkäufer in großem Stil ausnehmen – und zwar europaweit. Computer, hochwertige Unterhaltungselektronik und teurer Schmuck stehen bei den Gaunern ganz oben auf der Liste, jeweils in möglichst großer Stückzahl.
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