Von Tobias Thon
So bekundete ein Interessent aus Spanien bei dem eBay-Händler Christian Krause sein Interesse an einer Lieferung von nicht weniger als 30 Camcordern - abzuwickeln über einen Treuhand-Dienst namens Safer-Buy.com.
Krause wurde misstrauisch, ging nicht auf das Angebot ein und ersparte sich dadurch höchstwahrscheinlich einen Verlust von rund 10.000 Euro. Als er daraufhin eine entsprechende Warnung an eBay sandte, bekam er lediglich eine E-Mail mit einer automatisierten Standardantwort - die übliche unverbindliche Reaktionsweise des Auktionsgiganten, die in der eBay-Gemeinde zunehmend Wut und Unverständnis hervorruft.
Tatsächlich ist die Masche mit den gefälschten Treuhändern alles andere als eine Randerscheinung: Ob sie nun trading-secure.com, safe-market.com, better-trader.com, eBaysecure.net, trade-safer.com oder safedeal.net heißen - allesamt sind sie von Gaunern dazu installiert, um arglosen Online-Verkäufern das Geld beziehungsweise die Ware aus der Tasche zu ziehen.
Auf der Website SOS4Auctions, die sich dem Thema Auktionssicherheit widmet, findet sich inzwischen eine Datenbank, in der man die Seriosität eines Online-Treuhänders abfragen kann - laut dem Betreiber Fenton Smith handelt es sich bei rund 80 Prozent der hier erfassten Websites um betrügerische Fälschungen, jeden Tag kämen durchschnittlich drei neue hinzu.
Locken, neppen, absetzen
Die Masche der Betrüger ist dabei meist bis ins Detail ausgeklügelt: Bei Bedarf geht der Pseudo-Treuhänder für eine gewisse Zeit ans Netz, nimmt die Registrierungen der arglosen Opfer auf und verschickt Bestätigungs-E-Mails für die angeblichen Geldtransfers. Gestaltung und Funktionalität der Websites sind absolut professionell und lösen daher auch bei erfahrenen Web-Surfern kaum Misstrauen aus - umso mehr, als sich die Seiten oft dreist mit den Logos von eBay und anderen angeblichen "Partnern" schmücken.
Registriert ist die Website von Safetrading.net auf einen gewissen "Namezero" im kanadischen Vancouver, und an dieser Stelle verliert sich bereits jegliche verwertbare Spur. Die E-Mails der "Kaufinteressenten" kommen meist von spanischen Yahoo-Accounts, und sind damit für eine Strafverfolgung ebenfalls völlig unbrauchbar. Die Warensendungen werden dabei von den Betrügern nicht nur nach Holland, sondern auch nach England und Griechenland geordert - offensichtlich, dass es sich hier um eine international operierende Bande handelt.
Für die Kontaktaufnahme mit den Verkäufern benutzen die Betrüger in den meisten Fällen fremde eBay-Konten, deren Passwort sie durch reines Ausprobieren in Erfahrung bringen. Über die Auktions-Funktion "Frage an den Verkäufer" nähert man sich dann dem potenziellen Opfer und leitet die weiteren Schritte ein.
Der eBay-Account "fjp306", über den der ominöse "Frank Petrick" seine ursprüngliche Anfrage an Niemeyer geschickt hatte, gehört eigentlich einem unbescholtenen US-Amerikaner, dessen über 450 komplett positive Bewertungen durch den Kauf von Psalmbüchern und anderer christlicher Literatur zusammengekommen waren und der es offensichtlich versäumt hatte, ein ausreichend sicheres Passwort zu wählen.
Niemeyer hat mit 3700 Euro bereits kräftig Lehrgeld bezahlt, doch für manche kommt es sogar noch schlimmer: Da viele bei der Registrierung für die gefälschten Treuhand-Anbieter ihr Standardpasswort verwenden, stehen den Betrügern dadurch oft auch noch die Türen zu anderen Accounts des jeweiligen Opfers offen - beispielsweise zum eBay-Account, dem E-Mail-Konto und im schlimmsten Fall auch auf die Accounts von Online-Bezahlunternehmen wie "PayPal" und "Moneybookers", über die dann gleich noch weiteres Geld in die Taschen der Online-Ganoven geleitet wird.
Die Geschädigten versuchen inzwischen, sich zur Wehr zur setzen - mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Der Computer-Händler Hewal Günes aus Öttingen, der 7000 Euro an die Treuhand-Betrüger verloren hat, organisiert auf seiner Website eine Interessenvertretung für Safetrading-Geschädigte und stellt unter anderem ein Forum für die Betroffenen bereit. Ein Rechtsanwalt recherchiert die Angelegenheit gerade nach, außerdem überlegt man, Geld zu sammeln und damit einen Privatdetektiv zu beauftragen.
Die Chancen, die Gauner belangen zu können, dürften in jedem Fall äußerst gering sein, denn die verschleiern alle Spuren. Von der deutschen Justiz erwarten sich die meisten Geschädigten eher wenig - dort, so ein ernüchtertes Mitglied im eBay-Forum, betrachte man Auktionsbetrug als eine fast schon unvermeidliche Begleiterscheinung und die Opfer als Naivlinge, die es eigentlich besser hätten wissen sollen. Frei nach dem Motto: Wo gehobelt wird, da fallen Späne.
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