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18.08.2003
 

Musikindustrie gegen P2P

"Blockwarte für das Internet"

Durch Deutschlands Musikindustrie weht ein frischer Wind. Der jedoch ist nicht unbedingt eine freundliche Brise: Den Usern von P2P-Börsen steht ein Sturm ins Haus. Branchenvertreter fordern eine harte Gangart gegen Musik-Downloader - und Schützenhilfe von der Politik.

Die Musikindustrie zeigt ihre Zähne: Bye-bye, KaZaA?
[M] AP; SPIEGEL ONLINE

Die Musikindustrie zeigt ihre Zähne: Bye-bye, KaZaA?

Die Zeit des Schattenboxens ist vorbei, wenn man den Tönen Glauben schenken darf, die anlässlich der Popkomm aus dem Umfeld der deutschen Musikindustrie drangen. Beschränkte sich die Branche bisher darauf, an ihre zunehmend Download-freudigen Ex-Kunden zu appellieren, schlägt sie nun eine härtere Gangart an. Die Strategie: Nutzern von P2P-Börsen die Hölle heiß zu machen - und ihnen zeitgleich lockend legale kommerzielle Alternativen zu bieten.

So feierte die Branche zum Auftakt der Musikmesse Popkomm schon die bloße Ankündigung, dass ab dem Herbst mit Phonoline endlich die lang erwartete gemeinsame Musikplattform der großen Musikunternehmen an den Start gehen werde. Lang genug hatte das gedauert, satt zwei Jahre lang rangelten Branchenverbände, Musikunternehmen und Rechteverwerter um Gehalt und Gestalt der angedachten Antwort auf die Bedrohung P2P. Denn dass Börsen wie KaZaA die Industrie massiv schädigen, gilt mittlerweile als ausgemacht.

Phase eins: Gelbe Karte für P2P-Nutzer

Da juckt es Branchenverbände wie die IFPI seit langem in den Fingern, mal etwas kräftiger hinzulangen. Das soll ab sofort beginnen, zunächst noch mahnend: Am Wochenende soll die IFPI damit begonnen haben, besonders emsige P2P-Nutzer zu identifizieren und - per Chat-Funktion, wie sie beispielsweise KaZaA bietet - auf den rechten Weg zu "pingen". Wörtlich heißt es in den Ermahnungen:

    "Hallo Musikfan,
    Sie bieten anderen Nutzern der Tauschbörse Musik an. Wir begrüßen Ihr Interesse an Musik, weisen jedoch darauf hin, dass Ihnen die entsprechend Berechtigten (wie z.B. Musiker, Komponisten und Tonträgerhersteller) für ein solches Angebot keine Genehmigung erteilt haben. Musik ist urheberrechtlich geschützt. In Ihrem eigenen Interesse machen wir Sie darauf aufmerksam, dass unautorisierte Musikangebote im Internet gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen.

    Urheberrechtsverletzungen können sowohl Schadenersatzforderungen als auch strafrechtliche Sanktionen zur Folge haben. Wir fordern Sie dringend auf, die Musiktitel nicht Dritten zur Verfügung zu stellen.

    Komponisten, Textdichter, ausübende Musiker und Tonträgerhersteller können von ihrer Musik nur leben, wenn ihre Musik auch gekauft wird. Illegale Angebote in Tauschbörsen stellen die wirtschaftliche Existenz all jener in Frage, die an dem kreativen Prozess des Musikschaffens beteiligt sind. Im Übrigen stellt die Teilnahme an Tauschbörsen auch ein Sicherheitsrisiko für Ihren Rechner dar.

    Leisten Sie Ihren Teil zur Förderung der musikalischen Kreativität und stellen Sie Ihr Angebot umgehend ein. Vielen Dank!

    Weitere Informationen zu dieser Warnung finden Sie auf der Webseite www.pro-musicorg.de.
    Deutsche Landesgruppe der IFPI"

Freundliche Mahnungen dieser Art waren auch in den USA, in denen die Industrie in ihrem Kampf gegen KaZaA und Co verlorene Kunden längst auch vor den Kadi zerrt, der erste Schritt hin zu härteren Maßnahmen.

Wie er sich das hier zu Lande vorstellen könnte, dokumentierte der Gema-Vorstand Jürgen Becker mit seinem Grußwort zur

Pro-Musicorg: Website der Musikindustrie gegen P2P und für Kommerz-Dienste
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Pro-Musicorg: Website der Musikindustrie gegen P2P und für Kommerz-Dienste

Popkomm: Darin forderte er, künftig die Internet-Provider gegen deren Kunden in die Pflicht zu nehmen - analog zur Mitarbeit im Kampf gegen andere Straftaten. Becker: "Mit Recht werden jetzt schon die Access-Provider in den Kampf um die Verhinderung nazistischer Propaganda im Netz einbezogen, ebenso wie bei den Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs von Kindern. So können sie doch auch im Kampf gegen den Musikdiebstahl im Netz, der in die Milliarden geht, in die Pflicht genommen werden. Hierüber müssen wir mit den Betroffenen selbst, aber auch mit der Politik sprechen."

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