Die Musikindustrie zeigt ihre Zähne: Bye-bye, KaZaA?
Die Zeit des Schattenboxens ist vorbei, wenn man den Tönen Glauben schenken darf, die anlässlich der Popkomm aus dem Umfeld der deutschen Musikindustrie drangen. Beschränkte sich die Branche bisher darauf, an ihre zunehmend Download-freudigen Ex-Kunden zu appellieren, schlägt sie nun eine härtere Gangart an. Die Strategie: Nutzern von P2P-Börsen die Hölle heiß zu machen - und ihnen zeitgleich lockend legale kommerzielle Alternativen zu bieten.
So feierte die Branche zum Auftakt der Musikmesse Popkomm schon die bloße Ankündigung, dass ab dem Herbst mit Phonoline endlich die lang erwartete gemeinsame Musikplattform der großen Musikunternehmen an den Start gehen werde. Lang genug hatte das gedauert, satt zwei Jahre lang rangelten Branchenverbände, Musikunternehmen und Rechteverwerter um Gehalt und Gestalt der angedachten Antwort auf die Bedrohung P2P. Denn dass Börsen wie KaZaA die Industrie massiv schädigen, gilt mittlerweile als ausgemacht.
Phase eins: Gelbe Karte für P2P-Nutzer
Da juckt es Branchenverbände wie die IFPI seit langem in den Fingern, mal etwas kräftiger hinzulangen. Das soll ab sofort beginnen, zunächst noch mahnend: Am Wochenende soll die IFPI damit begonnen haben, besonders emsige P2P-Nutzer zu identifizieren und - per Chat-Funktion, wie sie beispielsweise KaZaA bietet - auf den rechten Weg zu "pingen". Wörtlich heißt es in den Ermahnungen:
Freundliche Mahnungen dieser Art waren auch in den USA, in denen die Industrie in ihrem Kampf gegen KaZaA und Co verlorene Kunden längst auch vor den Kadi zerrt, der erste Schritt hin zu härteren Maßnahmen.
Wie er sich das hier zu Lande vorstellen könnte, dokumentierte der Gema-Vorstand Jürgen Becker mit seinem Grußwort zur
Popkomm: Darin forderte er, künftig die Internet-Provider gegen deren Kunden in die Pflicht zu nehmen - analog zur Mitarbeit im Kampf gegen andere Straftaten. Becker: "Mit Recht werden jetzt schon die Access-Provider in den Kampf um die Verhinderung nazistischer Propaganda im Netz einbezogen, ebenso wie bei den Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs von Kindern. So können sie doch auch im Kampf gegen den Musikdiebstahl im Netz, der in die Milliarden geht, in die Pflicht genommen werden. Hierüber müssen wir mit den Betroffenen selbst, aber auch mit der Politik sprechen."
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