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Musikindustrie gegen P2P "Blockwarte für das Internet"

2. Teil: Auf Er- und Abmahnung folgte in den USA die Klagewelle: Auch in Deutschland nur eine Frage der Zeit? Weiter...

Das ist starker Tobak, wie Arne Brand, Sprecher des Virtuellen Ortsvereins der SPD meint: "Die Gema fordert die Politik auf, die Zugangsprovider zu Blockwarten für das Internet zu machen und die Bürger zu bespitzeln! Es ist durchaus verständlich, dass die Gema versucht, ihre

Arne Brand: Scharfe Töne vom Sprecher des Virtuellen Ortsvereins der SPD

Arne Brand: Scharfe Töne vom Sprecher des Virtuellen Ortsvereins der SPD

kommerziellen Interessen zu schützen, aber es gibt eine Grenze für dieses Interesse!" Den von Becker gewählten "Vergleich der Bekämpfung der Kinderpornographie mit den kommerziellen Interessen der Musikindustrie" findet Brand dabei "schlicht geschmacklos".

Doch damit hat die Diskussion erst begonnen. Wenige Tage nach der Einarbeitung der EU-Urheberrechtsbestimmungen in deutsches Recht quengelten die Branchenverbände schon nach mehr: Gerd Gebhardt, Chef des einflussreichen Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, setzt seine Hoffnungen drängelnd und lobbyierend auf den "zweiten Korb" zum Urheberrecht, der im Herbst nachverhandelt werden soll.

Was aus Sicht der Industrie da drin sein sollte, ist auch schon ausgemacht: Offen stellt Gebhardt das Recht auf Kopien ganz generell in Frage, in einer Zeit, in der Musik überall verfügbar sei. Daran, dass die "vom deutschen Gesetzgeber 1985 festgesetzte Vergütungshöhe" für Kopien "derzeit nicht mehr angemessen ist", lässt zudem Jürgen Becker keinen Zweifel.

Welt ohne Kopien?

Sprich: Nicht nur CD-Brenner und P2P, auch die Aufnahmemöglichkeiten aus dem Radio bis hin zu den schicken MP3-Playern der neuesten Generation stehen zur Diskussion.

Schützenhilfe erhalten die Branchenvertreter zunehmend auch aus den Konzernen selbst. Balthasar Schramm etwa, der Chef von Sony Music Deutschland, forderte im "Handelsblatt" ein "erheblich aggressiveres" Vorgehen gegen Musikpiraterie. Wie man so etwas mache, könne man in den USA sehen: Demnach sollten "Auskunftsersuchen bei Internet-Providern zu verdächtigen IP-Adressen gestellt werden, um Anbieter und Konsumenten von illegaler Musik aufzuspüren". Weiter ginge es dann vor Gericht.

Gerd Gebhardt

Gerd Gebhardt

Bei so viel Peitsche braucht es auch das Zuckerbrot, und mit einem Mal platzt auch in Sachen legale Download-Shops der Knoten: Bis zum Herbst wird nicht nur die deutsche Phonoline Online-Händler mit Ware versorgen, sondern auch der MSN Music Shop fleißig funken und verkaufen. Partner von MSN sind OD2 und der Großprovider Tiscali, Partner der Phonoline der rosa Riese Telekom, Konzernmutter von Deutschlands größtem Internet-Serviceprovider. Der hatte schon vor Monaten damit begonnen, allzu eifrige P2P-Nutzer zu ermahnen, jetzt könnte wohl auch in dieser Hinsicht das Eigeninteresse wachsen.

Immerhin erwächst Deutschlands Musik-Fans nun eine legale Alternative zu P2P. Die flankiert die Industrie mit einer Imagekampagne, in deren Mittelpunkt das um Verständnis buhlende Info-Portal "Pro-Musicorg" steht. Unter dem Motto "Online-Musik fördern und schützen" erklärt die Industrie da, warum sie diese nur tolerieren kann, wenn dafür bezahlt wird: "Auf dieser Website", steht da unter dem Punkt "Gratismusik", "können Sie nachlesen, wie sich die Künstler selbst über ihre Probleme äußern, welche großen Geldsummen und wie viel Arbeitsaufwand im Musikmachen stecken, und wie neue Dienste kämpfen müssen, um genug zum Weitermachen zu verdienen. Es wird aus den unterschiedlichsten Branchenperspektiven dargestellt, wie sich das Problem auswirkt."

Nicht nur das. Auch das weitere Vorgehen der Branche in ihrem Kampf gegen P2P ist dort unverblümt vorgezeichnet: "Internetpiraterie ist ein riesiges Problem, aber sie muss und kann gestoppt werden. Der Musikwirtschaft stehen viele Wege offen, illegales Downloaden und File-Sharing zu unterbinden, von Aufklärungsprogrammen und dem Angebot legaler Alternativen über technische 'Blocks' und - falls nötig - Abschreckung durch juristische Schritte."

Erste Effekte: KaZaA schrumpft

Schon die Drohgebärden ziehen: Im Verlauf der letzten sechs Wochen sank die durchschnittliche Nutzerzahl bei KaZaA von über 4,3 Millionen auf rund 3,2 Millionen. Nun hat die amerikanische Musikindustrielobby RIAA zudem ihre Bemühungen intensiviert, P2P-Börsen mit Mülldateien der populärsten Songs zu überschwemmen. Die Mischung aus Frust und Angst vor Strafverfolgung wirkt, der Industrie ist klar, dass die "Güte" einer P2P-Börse nicht zuletzt von derer "kritischen Masse" abhängt: Nur wenn genug P2P-Nutzer auch Dateien zum Tausch anbieten, kann die Börse funktionieren.

Klagen auch in Deutschland sind da wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Frank Patalong

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