Richtig bekannt gemacht hat sie die Sache mit den Damenslips für 14 Dollar das Stück. Denn irgendwie scheint die Weltpresse auf Unterwäsche zu stehen. Seit dem Georgy Russell - eine von gut 130 Kandidaten um das Gouverneursamt im US-Bundesstaat Kalifornien - im Fanshop ihrer Webseite neben eher drögen weißen Kaffeetassen und Basecaps auch bedruckte Tangas anbietet, kann sie sich vor Interview-Anfragen kaum noch retten: Die "Washington Post", die Nachrichtenagentur Associated Press und auch die Kollegen von Telepolis haben schon berichtet - und viele andere mehr.
Dabei hat die 26-jährige Programmiererin eine ganze Menge mehr zu bieten als nur Unterwäsche. Russell präsentiert sich auf ihrer Webseite mit offenem Lächeln als Kandidatin aus dem Volk, als Alternative zu den Kandidaten der großen Parteien - allen voran Noch-Gouverneur Gray Davis und sein Herausforderer Arnold Schwarzenegger.
Russells Programm lässt sich vielleicht mit den Schlagworten "Sex, Drugs und Open-Source" umschreiben.
So tritt die durchaus fotogene Kandidatin dafür ein, dass Homosexuelle in Zukunft in Kaliforniern heiraten dürfen, dass Marihuana legalisiert wird und dass in kalifornischen Schulen und Unternehmen mehr Open-Source-Software eingesetzt wird. Und auch für Solarzellen und die Abschaffung der Todesstrafe kann sie sich begeistern. "Die kontroversen Themen bestimmen diese Kampagne", so Russel unlängst in einem Interview über ihr progressives Programm.
Ob sie damit auch die Wähler begeistern kann, wird sich in einigen Wochen zeigen, wenn die Kalifornier am 7. Oktober zuerst darüber entscheiden müssen, ob Gouverneur Gray Davis überhaupt abgelöst wird - und wenn ja, durch wen. Russells Stern steigt dabei beständig - jedenfalls im Web, wo sie auch Spenden sammelt.
Als unlängst das Online-Magazin "Slashdot" über die Berkeley-Absolventin berichtete, brachen Russells Wahlkampfrechner unter der Last der Anfragen zusammen. Technik-Fans sind nicht zuletzt begeistert von Russell, weil sie ein eigenes, gut gepflegtes Weblog führt - in dem unter anderem Journalisten heruntergeputzt werden, die Russell in ihren Berichten fälschlicherweise als "er" statt als "sie" bezeichnen. Und auch, dass sich die Gouverneurs-Kandidatin in Interviews schon mal zu ihrem Lieblings-Text-Editor äußert, löst bei so manchem Techie Begeisterungsstürme aus.
Grund genug für Russell, ein kleines bisschen optimistisch zu sein. Sie wolle nicht nur den Laden aufmischen, sondern auch tatsächlich gewinnen, beteuerte sie unlängst bei "Slashdot": "Wir haben bis jetzt nur einen geringen Prozentsatz der Wähler erreicht, und schon beeindruckende Unterstützung erhalten." Vor einiger Zeit habe schließlich auch niemand an den Erfolg des demokratischen Kandidaten Howard Dean geglaubt, der nun in den Umfragen weit vorne rangiert.
Wer nach der Lektüre dieses Artikels ganz fest an die politische Zukunft von Georgy Russell glaubt, der könnte schon bald ein gemachter Mann oder eine gemachte Frau sein. Denn im virtuellen Wettbüro von Bo Dog gibt es für einen eingesetzten Dollar immerhin 100 zurück, für den Fall, dass die charmante Programmiererin am 7. Oktober gewinnen sollte. An den Schaltern des Netz-Wettbüros zeigt sich übrigens auch, dass Russell mit Abstand nicht die schlechtesten Karten im Rennen um den Gouverneursposten hat. Beim Sieg des aussichtslosesten Bewerbers gibt es nämlich 500 Dollar für einen eingesetzten.
Die Sache mit den Slips findet Georgy Russell nach eigenem Bekunden übrigens mittlerweile ganz witzig. "Wenn es Leute auf die Webseite bringt oder mir ein Interview mit einem angesehenen Journalisten verschafft, dann bin ich damit zufrieden." Vielleicht reicht die Unterwäsche ja sogar aus, um sich den Gouverneursstuhl in Sacramento zu sichern.
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