Herr Richter, Sie sind Geschäftsführer eines Technologieunternehmens. Jetzt verkaufen Sie plötzlich Bücher: Warum?
Stefan Richter: Bookzilla ist ein Buchhandels-Shop, der nur zum Ziel hat, Spenden für Freie Software zu sammeln. Unser Unternehmen ist eigentlich eine Softwarefirma. Wir haben diesen Shop für das Buchgroßhandelsunternehmen Libri entwickelt und dabei sehr viel Freie Software eingesetzt. Das tun wir ganz generell sehr oft und engagieren uns deshalb auch gern für die Sache der Freien Software. So wie andere Unternehmen vielleicht Kunst sponsoren, engagieren wir uns für Fragen der digitalen Bürgerrechte oder der Zukunft der Informationsgesellschaft.
SPIEGEL ONLINE: Abstrakte Themen, die Sie ganz konkret über die Open Source angehen?
Richter: Je umfassender Informationen digitalisiert werden, desto schwieriger würde der Zugang zu ihnen, wenn es keine Freie Software mehr gäbe. Das ist vielen Menschen noch gar nicht klar. Die Frage, wofür man Freie Software braucht, ist nicht abstrakt: Das hat etwas mit freier Marktwirtschaft und auch mit freier Meinungsäußerung zu tun. Wir spenden selbst auch als Unternehmen, mit Bookzilla nutzen wir aber so zu sagen die Freie Software, für sich selbst Geld zu verdienen.
SPIEGEL ONLINE: Wie läuft das konkret ab?
Richter: Libri arbeitet mit vielen Partnern, denen das Unternehmen die Softwareplattform für den Buchverkauf zur Verfügung stellt. Alle haben den vollen Zugang zu den Datenbanken. Die Partner können die Plattform nun dem Design ihrer Seiten anpassen und selbst Waren an Endkunden verkaufen. Dafür bekommen sie von Libri eine Provision.
SPIEGEL ONLINE: Und sie sind mit Bookzilla nun zum Partner ihres technischen Kunden geworden...
Richter: Wobei wir unsere Verkaufsprovision zu einhundert Prozent an die Free Software Foundation Europe weitergeben. Die ist in der Szene sehr bekannt und kümmert sich seit 1984 sehr nachhaltig um die Verbreitung Freier Software.
SPIEGEL ONLINE: Das ist einerseits löblich, andererseits aber auch eine Art Showcase für sie, oder?
Richter: Wir wollen das eigentlich nicht als klassischen Showcase sehen. Wir sind ja ein Softwarehaus und kein Buchhändler.
SPIEGEL ONLINE: ...aber sie demonstrieren ihre Shop-Software im Einsatz für den guten Zweck. Völlig uneigennützig?
Richter: Wir haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, ob und wie wir das machen wollen. Schon unser Name freiheit.com klingt ja erstmal irgendwie gemeinnützig: Da muss man schon aufpassen, dass wir nicht so wahrgenommen werden. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und haben diesen Namen gewählt, weil wir eben plattformunabhängige Software entwickeln. Bookzilla ist ein echtes Engagement für die Sache der Freien Software, und wir haben uns bemüht, uns selbst da weitestgehend raus zu halten.
SPIEGEL ONLINE: Das müssen wir anerkennen: Man muss sie auf der Website regelrecht suchen.
Richter: Die heißt Bookzilla, weil das einerseits nach Buch, andererseits nach Mozilla klingt, was ja ein sehr bekannter freier Browser ist. Wir wollten einen Namen, den man sich leicht merken kann. Ein bisschen Showcase für uns ergibt sich schon daraus, aber ich glaube kaum, dass sich für uns daraus Vertriebseffekte ergeben.
SPIEGEL ONLINE: Nein, aber im besten Fall ist Bookzilla gut für die Freie Software und gut für ihre Imagepflege: "Tue Gutes und rede darüber", heißt es ja. Passt doch, oder?
Richter: Durchaus. Wirtschaftsunternehmen engagieren sich ja nicht für eine gemeinnützige Sache, um sich damit unbeliebt zu machen.
Die Fragen stellte Frank Patalong
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