Von Steffen Gerth
Die "Partygranaten" sind dabei schon viel kalkulierender vorgegangen als ihre Konkurrentinnen vom "Sixpack": Yvonne, Sandra, Daniela und Katrin wissen nicht nur, dass sie gut aussehen, sie setzten ihre weiblichen Reize beim Fototermin
. in einem Bochumer Kino auch ins rechte Licht. Und ein Bieter mit dem Namen "lastactionheroe" rief Summen auf, die immer schneller immer idiotischer wurden. Ein so genannter Rock-Disjockey namens Sven verbirgt sich hinter diesem Nickname - selbst 40.000 Euro waren ihm irgendwann ihm nicht mehr zuviel für die "Granaten" aus NRW.Verrückt? Am Dienstagnachmittag hielt ein gewisser "g.laden" den Highscore: mit 150.050 Euro. Am späten Dienstagnachmittag wurden für die eBay-Anzeige der Partygranaten rund 600.000 Seitenaufrufe notiert, das Gebot wurde dann wieder auf 133.483 Euro bereinigt, "lastactionhero" war wieder dabei, offenbar hatte er bei seiner Bank vorgesprochen. Letztlich vergeblich, die "Partygranaten" sind entschärft worden - der Traum vom Ruhm war ein kurzer.
Trotzdem: Was ist denn hier los? Das fragt man sich auch eBay. Pressesprecher Guentert ist im Dauerstress, seine 440 Kollegen im Kunden- und Sicherheitsdienst versuchen, per Telefon sich von der Glaubhaftigkeit aller Bieter zu überzeugen. "Wegen dieses unglaublichen Medieninteresses werden auch viele schwarze Schafe angelockt", sagt Guentert. Nach und nach löscht eBay die Falschspieler und mediengeilen Trittbrettfahrer, die Millionenbeträge bieten.
Denn die "Partygranaten" aus Köln und Bochum waren längst nicht mehr die einzigen "Granaten" im Netz, von "Sixpacks" der Gütersloher Art gibt es ebenfalls Dutzende: Männer und Frauen aus Nürnberg, Bremen oder Castrop Rauxel boten sich und jeweils eine Kiste Bier an, einer lockte als Feuerspucker, einer bewirbt sich gleich als ganzes Frauenversandhaus mit 500 Exemplaren am Lager. Startgebot: 25.000 Euro. Aber weil der gegen das eBay-Verbot einer kommerziellen Verlinkung verstoßen hatte, muss der Frauenhändler nun anderswo seine Geschäfte machen.
eBay ist emsig bemüht, Schaden vom Unternehmen fernzuhalten. Nicht nur Pressesprecher Guentert ist noch gut die "Käsebrötchen-Affäre" im Gedächtnis, die ein Witzbold auslöste, der einfach mal eine belegte Backware zur Versteigerung anbot. Beim Gebot von zehn Millionen Euro löschte eBay dann diese Auktion, wissend, dass solche Summen niemals bezahlt werden. Das Käsebrötchen verschwand, niemand bekam Geld, auch damals verzichtete eBay auf die Gebühren.
"Wir freuen uns", sagt Sprecher Joachim Guentert, " wenn eBay als Kult wahrgenommen wird. Aber so ein Kult kann auch schnell unseriös werden." Daher sei es dieser Tage mehr denn je geboten, die Seriosität des Markplatzbetreibers zu sichern. "Schließlich soll sich hier auch der gestrenge Lehrer zu Hause fühlen."
Einstweilen hat eBay den Irrsinn in den Griff bekommen - aber die nächste Welle kommt bestimmt.
Steffen Gerth, jobpilot.de
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