Von Torsten Dewi
Bei der legendären "Aint it cool news"-Filmseite des Texaners Harry Knowles laufen die Fäden zusammen, wenn es um Gerüchte und Neuigkeiten aus der Filmbranche geht. Beliebt ist der klopsige Rotschopf vor allem, weil er trotz der enormen Popularität seiner Webseite ein echter Fan geblieben ist, und weil er Star-Klatsch konsequent meidet. Bei Harry geht es um Filme und ihre Macher, nicht um Stars und Sternchen.
Einer der beliebtesten Bereiche ist jedoch ausgerechnet der, mit dem die Redakteure von AICN eigentlich nichts zu tun haben: Die "Talkback"-Sektion. Hier können die registrierten Leser der Site ihre Meinung zu den einzelnen Meldungen kundtun. Es ist keine Seltenheit, dass im Laufe weniger Tage mehr als 30 Seiten spontaner Einträge zusammen kommen. Oft entspannen sich erstaunliche Diskussionen, die wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun haben. Es wird gepöbelt, beleidigt, bezichtigt und krakeelt. Der Unterhaltungswert dieser ungefilterten "vox populi" ist beträchtlich.
Am Sonntag, dem 9. November war es mal wieder soweit: Ein deutscher Fan namens "Traum Reiter" vermeldete auf AICN, dass der neue Trailer zu Michael "Bully" Herbigs neuem Film "(T)Raumschiff Surprise" auf der enstprechenden Webseite zu finden sei. Die Parodie auf Star Trek und Star Wars kommt 2004 in die Kinos, und der Verleih hofft, den Erfolg von Herbigs "Schuh des Manitu" wiederholen zu können.
Schon die Darstellung von Kirk & Co. als Tunten-Trekker ("Kapitän Kork", "Mr. Spuck") hätte gereicht, um Trek-Fans gegen das Projekt auf die Barrikaden zu bringen. Doch die ersten Eintragungen im "Talkback" gehen in eine ganz andere Richtung: Es geht um den scheinbaren Widerspruch zwischen "deutsch" und "lustig".
Die Gegenwart findet nicht statt
Da schreibt "Chaffro" aus England: "Die Fortsetzung könnte man 'Star Trek: Triumph des
Willens' nennen.". In Anlehnung an Mel Brooks' "Springtime for Hitler" schlägt "TimBenzedrine" "Springtime for Vader" vor. "Mr.Stonky" legt nach: "Dieses Volk vergöttert David Hasselhoff, und hat zwei Weltkriege angefangen!"Am meisten überrascht bei der Diskussion der Rückfall in die ältesten Klischees: Obwohl jeden Sommer Hunderttausende von amerikanischen Touristen am Münchner Marienplatz vorbeimarschieren, und nicht weniger Deutsche staunend vor dem Empire State Building stehen, entsprechen die Schubladen den Propaganda-Cartoons der 30er Jahre. Das ist umso bedenklicher, da die meisten AICN-Leser zur jüngeren Generation gehören.
Die Reaktionen der deutschen Fans lassen nicht lange auf sich warten: Im zackigen Dialekt, den die Amerikaner gerne allen Film-Nazis unterschieben, klärt "whocares?" auf: "Liebchen, der Einzige, der David Hasselhoff für einen Superstar in Deutschland hält, ist David Hasselhoff selbst." Und nun kommen auch gemäßigte Amerikaner wie "Neuronin" zu Wort: "Als hätten wir nie einen Krieg begonnen - außerdem haben WIR die ganzen Hasselhoff-Serien finanziert!".
Klischees und faktenfreie Argumente
Das stimmt zwar, lässt aber den Briten die moralische Hoheit, was sich gleich in den Beiträgen niederschlägt: "limeygit" (was mit "britischer Idiot" übersetzt werden könnte) findet die Invasion in Polen unterhaltsamer als die Vorstellung einer deutsche Komödie, und "RobinP" hat herzlich über die deutsche "Herr Spock"-Synchronisation der alten Star Trek-Episoden gelacht. Womit er falsch liegt: auch bei uns hieß es "Mister Spock".
So wogt die Diskussion hin und her. Ein Teilnehmer verweist auf den kultigen Kurzfilm "Staplerfahrer Klaus" als Beweis deutschen Humors, während ein anderer das Ausnahme-Prinzip bemüht - mit waghalsigen Beispielen: "Es gibt sicher auch Juden, die Basketball spielen können; sensible Texaner; und Schotten, die keine durchgeknallten Psychopathen sind. Die Deutschen mögen vieles sein - komisch sind sie nicht."
Wie immer gehen die wenigen gemäßigten Stimmen im allgemeinen Gebrabbel unter. Und wie immer ist das Ende offen - die Talkback-Streits laufen sich irgendwann tot, spätestens, wenn eine neue Meldung die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Denn in einem sind sich die AICN-Leser wenigstens einig: streiten kann man über alles.
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