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24.01.2004
 

Gerüchteküche

Google sucht Kontakt

Google ist und bleibt eines der kreativsten Unternehmen im Web-Markt, doch mitunter geht auch Google ganz schlicht shoppen. Per Einkaufstour verleibte sich der Suchmaschinen-Riese Blogger ein, Deja und andere Dienste - und bald schon eine Kontaktbörsen-Website?

Orkut: "Partnerseite" von Google, programmiert von einem Angestellten
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Orkut: "Partnerseite" von Google, programmiert von einem Angestellten

Wenn man dem finanziellen Erfolg diverser Telefon- und Webdienste glaubt, scheint Einsamkeit in der westlichen Welt ein virulentes Problem zu sein. Per Handy oder Website wird nach ehemaligen Klassenkameraden, verloren gegangenen Freunden oder gar Partnern für den Lebensabschnitt gesucht.

Suchen ist auch Googles Geschäft, in jeder Hinsicht. Nicht nur im Web und Usenet, nicht nur nach Html-, PDF- oder anderen Dateien, nicht nur nach Nachrichten oder besonders billigen Shopping-Angeboten - nein, Google experimentiert auch mit einer Kontaktbörse.

"Orkut" heißt die und erscheint "in affiliation with Google", was auch immer das heißen mag. Denn "in Verbindung mit Google" klingt deutlich nach mehr als nur einem normalen Geschäftsverhältnis, bei dem Google seine Technologie lizenziert hätte.

Das scheint gerade in diesem Fall sogar anders herum zu laufen: Orkut kann etwas, was Google noch nicht im Angebot hat. Die Website ist eine von vielen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, soziale Netzwerke zu schaffen.

Wie das läuft, ist spätestens dann klar, wenn man den Versuch macht, sich bei Orkut anzumelden: Das geht nämlich nur mit Vitamin B. Nur, wer von einem Orkut-Mitglied zur Mitgliedschaft eingeladen wird, bekommt Einlass. Das soziale Netzwerk strickt sich so fast selbst.

Dass Google seit längerem versucht, auch im rapide wachsenden Markt der Netzwerk-Services Fuß zu fassen, ist bekannt. Der Versuch, die Boomseite Friendster zu kaufen, schlug fehl. Mit Orkut kooperiert Google mit einer Art Friendster-Klon - und der ist mehr oder minder hausgemacht.

Denn Orkut Buyukkokten, der Kopf hinter dem neuen Service, steht als Programmierer auf Googles Lohnliste. Schon zu Studienzeiten schuf er mit Clubnexus und Incircle zwei Kontakt-Services für Stanford-Studenten: Die "social Networks" gelten als seine Leidenschaft.

Stoff für die Gerüchteküche

So etwas fördert Google ganz gern, und auch das Ausprobieren neuer Geschäftsfelder gehört zur Firmentradition. So begann auch der Newsgoogle ursprünglich als Experiment eines einzigen Google-Programmierers, Krishna Bharat. Normalerweise stellt Google solche Versuche als "Betatest" in die "Google Labs", "Googles Technologie-Spielplatz".

Die "Verbindung" einer vermeintlich eigenständigen Seite mit Google ist dagegen etwas Neues. Egal, ob Google nun heimlich von einem Angestellten einen neuen Service programmieren lässt oder sich schlicht in dessen Hobby einkauft, Stoff für die Gerüchteküche bietet gerade die Tatsache, dass Orkut nicht offiziell unter Googles Fahne segelt.

Doch was Orkut von anderen Google-Unternehmungen scheidet, ist, dass das Angebot in sich nichts originäres darstellt: Es ist ein Service von vielen, die auf einen entstehenden Markt schielen, den Analysten für viel versprechend halten. Zahlreiche Player leisten sich entsprechende Experimente, und noch prescht niemand vor.

Das wird auch Google nicht tun, bis ein Service so ausgereift ist, dass er im Markt kräftig einschlägt. Selbst Dienste wie GoogleNews, Froogle oder die Kataloge, die teils schon bis zu zwei Jahre öffentlich zugänglich sind, bezeichnet Google bis heute als "Beta". Inzwischen zeichnet sich auch ab, dass Google es vermeiden will, den eigenen Markenkern zu sehr zu verwässern: Ging DejaNews noch vollständig in Google auf, führte Google Blogger als eigenständige Marke weiter - offensichtlich, weil Blogger zu wenig mit Suchen zu tun hat.

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