Der Bielefelder "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs" - kurz FoeBuD - hat dunkle Vorahnungen, was die funkenden Etiketten betrifft, die nach und nach in allen Supermärkten und Kaufhäusern eingeführt werden sollen. Die auch Smart Tags genannten RFID-Chips könnten zu einer totalen Überwachung der Menschen führen, wenn sie versteckten Lesegeräten ihre Daten verraten, fürchten die FoeBuD-Aktivisten.
Falls die Pläne der Industrie umgesetzt werden, dann bekommt jeder weltweit produzierte Artikel künftig eine ganz individuelle Nummer, die das aufgeklebte Etikett in der Nähe von Empfängern bereitwillig funkt. Nicht nur Diebstähle sollen so verhindert werden, der Handel will mit den Chips seine Lagerhaltung und das Einkaufen revolutionieren. Der Kassierer kann nach Hause gehen - eine automatische Kasse erfasst die Waren per Funk.
Am Samstag erwarten die FoeBuD-Aktivisten prominente Unterstützung aus den USA. Katherine Albrecht, Vorsitzende der Verbraucherschutzorganisation Caspian und gleichzeitig RFID-Expertin, kommt nach Deutschland, um über Datenschutz und die umstrittenen Chips in Amerika zu informieren. Und nicht zuletzt, um das "Metro Future Store" in Rheinberg zu besuchen, das die Smart Tags als erster Supermarkt in Deutschland einsetzt.
Albrecht muss am Samstagnachmittag nicht etwa mit den Kassierern über den Schutz der Privatsphäre parlieren - sie wird vom zuständigen Metro-Projektmanager Gerd Wolfram nebst Pressesprecher empfangen.
Für Albrecht ist Deutschland in Bezug auf Smart Tags besonders interessant, weil ihrer Meinung nach hier die Entwicklung weiter fortgeschritten ist als in den USA. Sie glaubt, dass Deutschland womöglich als Testgebiet für RFID-Einführung in Geschäften auserkoren wurde.
Datenschützer fürchten, dass die Kunden anhand der Funkchips bei ihrem Einkaufsverhalten künftig komplett überwacht werden. Die Metro AG erklärte wiederholt, sie wolle die erhobenen Daten nicht Personen zuordnen. Die Funketiketten sollen nach dem Willen der Konzerne den Barcode ablösen.
Albrecht hat auch ein kritisches Positionspapier zu RFID-Technik entworfen, das inzwischen ebenfalls von den Bielefelder Aktivisten von FoeBuD unterzeichnet wurde. In dem Papier wird unter anderem ein Moratorium gefordert, bevor weitere RFID-Technik eingeführt wird.
Über die Schnüffelchips spricht Katherine Albrecht auch in einem Vortrag am Sonntag um 15 Uhr im Bielefelder Bunker Ulmenwall.
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